Wiens Fintech Bitpanda steht vor einem Umbruch. Das Unternehmen, ein Kryptobroker aus Wien, verzeichnete im Geschäftsjahr 2025 einen Verlust von 14 Millionen Euro, nach einem Gewinn von fast 62 Millionen Euro im Vorjahr. Parallel dazu kündigte CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad seinen Abschied an.

Diese Entwicklungen werfen Fragen zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens auf und belasten die Ambitionen für einen geplanten Börsengang.

Führungswechsel in kritischer Phase

Lukas Enzersdorfer-Konrad, der seit November 2025 alleiniger CEO war, wird Bitpanda im ersten Quartal 2027 verlassen. Er wechselt zur Erste Group, um dort den Bereich Asset Management und Digital Investing zu leiten. Bis zu seinem Ausscheiden wird er das Unternehmen gemeinsam mit Mitgründer Christian Trummer führen, der unmittelbar zum Co-CEO ernannt wurde.

Christian Trummer war über acht Jahre als Technikvorstand tätig und ist seit 2023 Chief Scientist. Ein Branchenkenner beschreibt ihn als brillanten Techniker. Die aktuellen Führungswechsel folgen auf den Rückzug anderer Mitgründer: Paul Klanschek zog sich im August 2025 aus der Unternehmensspitze zurück, während Eric Demuth im November 2025 in den Verwaltungsrat der Schweizer Holding wechselte und dort das Amt des Executive Chairman übernahm.

Finanzielle Einbußen trotz Umsatzwachstums

Im Geschäftsjahr 2025 verbuchte Bitpanda einen Nettoverlust von 14 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von fast 62 Millionen Euro erzielt wurde. Das bereinigte EBITDA fiel 2025 um 75 Prozent auf 13 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg der bereinigte Umsatz um 16 Prozent auf 371 Millionen Euro.

Finanzvorständin Barbara Edelmann kommentierte die Zahlen: „Wir haben im vergangenen Jahr intensiv in Marketing und Expansion investiert, um Bitpanda voranzutreiben. Es war eine Investition in die Zukunft.“ Die Marketingkosten stiegen 2025 um rund 56 Prozent auf fast 107 Millionen Euro.

Zu den Marketingaktivitäten zählten Kampagnen mit dem FC Bayern München und dem Schauspieler Christoph Waltz. Die Effektivität dieser Marketingausgaben wird nun kritisch beleuchtet.

Börsengangpläne verschoben, Regulierung als Chance

Ein für die erste Jahreshälfte 2026 angedachter Börsengang in Frankfurt, mit einer angestrebten Bewertung von vier bis fünf Milliarden Euro, wurde aufgrund ungünstiger Marktbedingungen verschoben. Bitpanda hatte bereits im August 2021 nach einer Finanzierungsrunde, unter anderem mit Valar Ventures, eine Bewertung von 4,1 Milliarden US-Dollar erreicht. Die aktuelle finanzielle Lage und der CEO-Wechsel dürften das Erreichen früherer Bewertungsziele für einen IPO erschweren.

Im August 2026 verhängte die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Strafe von 70.000 Euro gegen die Bitpanda GmbH. Die Strafe erfolgte wegen Verstößen gegen Offenlegungs- und Marketingvorschriften im Rahmen der MiCAR-Regularien. Betroffen waren ein verspätetes Krypto-Asset-Whitepaper und Marketing vor dessen Offenlegung.

Mit dem europaweiten Inkrafttreten der MiCA-Verordnung am 1. Juli 2026 verändert sich das regulatorische Umfeld für Krypto-Anbieter. Diese strengere Regulierung wird von Marktbeobachtern als Vorteil für regulierungskonforme Anbieter eingeschätzt.

Produktausbau und strategische Partnerschaften

Bitpanda hat sein Angebot erweitert und ermöglicht neben Kryptowährungen den Handel mit über 10.000 Aktien, ETFs und ETCs sowie mit Edelmetallen. Für den Aktien- und ETF-Handel fällt eine Fremdkostenpauschale von einem Euro pro Order an. Die Kryptohandel-Gebühren liegen bei 1,49 Prozent. Eric Demuth bezeichnete diesen Wert als Marktstandard.

Die Plattform zählt über sieben Millionen registrierte Nutzer. Jeder vierte Sparplan ist ein Aktien- oder ETF-Sparplan, und etwa jede zweite Order liegt unter 500 Euro. Christian Trummer betont die Produktausrichtung: „Wir wollen nun vor allem bestehende Produkte noch besser machen und die Steuereinfachheit auch bei Krypto mehr Anlegern zugänglich machen.“

Bitpanda plant außerdem, die automatische Abführung von Kryptogewinnen an das Finanzamt zu ermöglichen. Dies ist eine Reaktion auf die Reform der Besteuerung von Kryptogewinnen in Deutschland.

Das Unternehmen arbeitet zudem mit Banken zusammen, um Infrastruktur für digitale Vermögenswerte anzubieten. Partnerschaften bestehen beispielsweise mit der Raiffeisen Bank International und der BW-Bank.

Offen bleibt, ob Trummer als dauerhafter CEO vorgesehen ist. Analysten werden nun beobachten, ob Bitpanda die Verluste stoppen und die ursprünglichen Wachstumsambitionen wieder aufnehmen kann.