Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, einem der weltweit größten Hedgefonds, warnt vor einer drohenden US-Schuldenkrise. Er prognostiziert, dass eine solche Krise innerhalb von drei Jahren eintreten könnte – „give or take two“, wie er selbst formuliert – und rät Anlegern, Anleihen unterzugewichten. Stattdessen empfiehlt er Gold und einen „kleinen Anteil“ Bitcoin in Portfolios aufzunehmen.

Dalios Einschätzung erfolgt vor dem Hintergrund eines Anstiegs der US-Staatsverschuldung und einer jüngsten Rallye am Kryptomarkt.

Dalio veröffentlichte seine Einschätzung in einem LinkedIn-Beitrag, der am 21. August publik wurde. Darin schreibt er: „I am confident that the government’s financial condition is at an inflection point.“

Die Regierung müsse jährliche Schuldendienstzahlungen von rund 11 Billionen US-Dollar leisten, führt Dalio aus. Dies entspräche 200 Prozent ihrer jährlichen Einnahmen, „if the government acted like a firm“. Ohne einen Kurswechsel sei eine Krise innerhalb von drei Jahren wahrscheinlich, „give or take two“, so Dalio.

Explosive Staatsverschuldung und Haushaltsdefizite

Die Zahlen hinter Dalios Warnung befeuern die Debatte um die US-Finanzlage. Die Gesamtverschuldung der USA erreichte am 18. August 40,047 Billionen US-Dollar. Zu Beginn des Jahres 2023 lag diese bei rund 31 Billionen US-Dollar, was einem Anstieg von etwa 9 Billionen US-Dollar entspricht.

Das US-Haushaltsdefizit wurde im Juli mit 432 Milliarden US-Dollar angegeben. Für das Jahr 2026 prognostizieren Experten Einnahmen von etwa 5,5 Billionen US-Dollar und Ausgaben von rund 7,5 Billionen US-Dollar. Dies würde ein Defizit von etwa 2 Billionen US-Dollar bedeuten. Die jährlichen Nettozinskosten schätzen Beobachter auf rund 1 Billion US-Dollar.

Dalio warnt deutlich: „If this is not dealt with now, the debts will build up to levels where they can’t be managed without great trauma.“

Parallel zu Dalios Mahnung kündigte US-Finanzminister Scott Bessent an, das Volumen einiger Rückkaufoperationen von US-Staatsanleihen zu verdoppeln. Ziel dieser Maßnahme ist offenbar, steigende langfristige Renditen zu dämpfen. Beobachter diskutieren, ob diese Intervention die Märkte stabilisiert. Charlie Morris, CIO und Gründer von ByteTree, bezeichnete die Maßnahmen als „im Wesentlichen QE“.

Gold und Bitcoin als Krisenschutz

Dalios Empfehlung, Gold und Bitcoin zu halten, korrespondiert mit der aktuellen Marktentwicklung. Der Goldpreis stieg am Freitag vor Dalios Veröffentlichung auf den höchsten Stand seit Mai. Der Welt-Goldbestand wird auf rund 31 Billionen US-Dollar geschätzt. Dies entspricht etwa 77 Prozent der US-Schulden. Historisch lag dieses Verhältnis mehrfach über 100 Prozent.

Der Kryptomarkt zeigte in der Vorwoche vor dem 21. August deutliche Zuwächse. Bitcoin stieg in dieser Woche um mehr als 21 Prozent.

Am Montag, dem 24. August, lag der Handelspreis knapp unter 80.000 US-Dollar (79.912,92 US-Dollar). In der Folge überschritt Bitcoin am späten Montag, dem 25. August 2026, die Marke von 80.000 US-Dollar und erreichte am frühen Dienstag 80.453 US-Dollar. Dies war der erste Anstieg über 80.000 US-Dollar seit Mitte Mai.

Weitere Kurssprünge in der Vorwoche betrafen Ether (rund 28 bis 30 Prozent in sieben Tagen, je nach Quelle), XRP (46 Prozent) und Solana (32 Prozent). Analyst Jonathan Krinsky von BTIG verknüpft Teile der Rallye mit politischer Unsicherheit und den Rückkaufankündigungen des Finanzministeriums.

Kontroverse um Schuldendienst und politische Implikationen

Nicht alle Marktteilnehmer teilen Dalios Einschätzung. John Arnold sagte, „It’s fair to say that at some point — at some time — there will be a crisis“. Zugleich äußern andere Medien Skepsis gegenüber einer unmittelbar bevorstehenden fiskalischen Apokalypse und verweisen darauf, dass ein Großteil der US-Schulden inländisch gehalten wird.

Makrostratege Mark Connors von Risk Dimensions sieht Bitcoin in diesem Kontext sogar bei 180.000 US-Dollar. Politisch relevant sind parallel laufende Initiativen. US-Präsident Donald Trump treibt die Verabschiedung des sogenannten „Clarity Act“ voran.

Zugleich rückt das Kryptounternehmen World Liberty Financial in den Fokus. Es hat Verbindungen zur Trump-Familie und betreibt den Stablecoin USD1, dessen Verwahrung durch BitGo erfolgt. Die World Liberty Trust Company erhielt im August eine vorläufige Genehmigung für eine nationale Bank-Trust-Charta, wenige Tage bevor Dalio seine Warnung veröffentlichte.

Ausblick: Marktreaktionen und offene Fragen

Wie die Märkte langfristig auf Dalios Analyse und die Maßnahmen des Finanzministeriums reagieren, bleibt offen. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen lag am 24. August 2026 bei 5,24 Prozent, nahe einem 19-Jahres-Hoch.

Die Rendite der zehnjährigen Anleihen erreichte am selben Tag rund 4,71 Prozent, ein Einjahreshoch. Einige Beobachter sehen darin ein Indiz, dass die Rückkäufe die langfristigen Renditen bisher nicht nachhaltig gedrückt haben. Tracy Chen, Portfoliomanagerin bei Brandywine Global, äußerte entsprechende Kritik.

Die Debatte um die fiskalische Zukunft der USA, die Rolle von Staatsanleihen und die Attraktivität alternativer Anlageklassen wie Gold und Bitcoin wird sich fortsetzen. Dalios Warnung und seine Anlageempfehlungen rücken die US-Staatsfinanzen sowie mögliche politische und geldpolitische Reaktionen in den Blick. Marktbeobachter richten ihre Aufmerksamkeit auf die anstehenden Haushaltsdebatten und die Wirksamkeit der Treasury-Maßnahmen.