Neue Berichte deuten darauf hin, dass manipulierte Ledger-Hardware-Wallets, die über Drittanbieter verkauft wurden, Vermögenswerte zahlreicher Nutzer gefährden. Manipulationen an den Geräten ermöglichen den Diebstahl sensibler Zugangsdaten.

Manipulierte Hardware: Eine neue Gefahr

Berichten zufolge statten Kriminelle Ledger-Hardware-Wallets, die über Drittanbieter vertrieben werden, mit zusätzlicher Elektronik aus. Diese fängt Wiederherstellungswörter (Seed Phrases) und andere sensible Daten ab [2, 3]. Die Manipulation umfasst demnach den Einbau von Komponenten, die Anzeigen auf dem Wallet-Display auslesen und die Daten über eine integrierte eSIM per Mobilfunk übermitteln.

Ledger bestätigt, dass sich die bislang bekannten Vorfälle auf Südostasien konzentrieren. Sie betreffen vorrangig manipulierte Geräte, die über den Händler CryptoBilis verkauft wurden. Das Unternehmen gibt an, dass keine Hinweise auf eine Kompromittierung der eigenen Infrastruktur, Systeme, Dienstleistungen oder des Direktvertriebs vorliegen.

Der Vorfall verdeutlicht ein grundlegendes Problem bei Hardware-Wallets: Selbst technisch abgesicherte Geräte lassen sich kompromittieren, wenn Angreifer vor dem Verkauf physischen Zugriff erhalten. Ledger gibt an, dass für die beschriebene Manipulation die eigentlichen Sicherheitschips der Geräte nicht verändert werden mussten. Routinemäßige Echtheitsprüfungen erkennen zusätzliche Spionagehardware nicht unbedingt.

Globale Ausweitung und hohe Verluste

Medienberichte nennen unterschiedliche Summen für die potenziell gestohlenen Kryptowährungen. Angaben reichen von über 80 Millionen US-Dollar bis zu 93 Millionen US-Dollar. Ein Bericht spricht von etwa 315 betroffenen Wallets.

Ein Reddit-Beitrag aus dem Januar 2025 schildert einen Fall, bei dem ein Ledger Nano X, gekauft über die E-Commerce-Plattform Lazada, um 214.000 US-Dollar geleert wurde.

Ein Verdachtsfall einer manipulierten Ledger-Wallet, die in Deutschland bei MediaMarkt erworben worden sein soll, veranlasste MediaMarktSaturn zu einem vorsorglichen Verkaufsstopp von Ledger-Produkten in Filialen und online. Ledger forderte Händler und Vertriebspartner in Indonesien, Singapur, Thailand, den Philippinen, Vietnam, Malaysia und Hongkong auf, den Verkauf seiner Geräte vorübergehend einzustellen.

Historie und Kontext von Sicherheitsrisiken

Der aktuelle Vorfall reiht sich in frühere Sicherheitsereignisse ein. 2018 warnte Ledger vor Manipulationen von Empfangsadressen über eine Chrome-Anwendung. Im selben Jahr zeigten Sicherheitsforscher auf dem Hackerkongress 35C3, wie sich PIN-Codes von Ledger-Geräten auslesen lassen. Im Juli 2020 kompromittierten Angreifer eine E-Commerce-Datenbank von Ledger.

Dabei wurden nach Angaben etwa 272.000 Kundendaten offengelegt.

Im Dezember 2023 gelang Angreifern über einen Phishing-Angriff auf einen ehemaligen Mitarbeiter ein Exploit des Ledger Connect Kits. Dabei erbeuteten sie über 500.000 US-Dollar. Tether fror in diesem Zusammenhang die USDT-Bestände der Angreifer ein.

IT-Sicherheitsexperten wie Thomas Roth betonen, dass die Geräte nicht per se unsicher sind. Die Nutzung einer Hardware-Wallet sei weiterhin sicherer als das Halten von Kryptowährung auf dem eigenen Computer. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass Angriffe auf die Lieferkette oder den Chip ein Risiko darstellen.

Dmitry Nedospasov sagte, Lieferkettenangriffe seien für Hedgefonds eine größere Gefahr als für Normalnutzer.

Ausblick und offene Fragen

Die genaue Schadenshöhe und die tatsächliche Anzahl betroffener Nutzer sind bislang nicht unabhängig verifiziert. Insbesondere muss die Diskrepanz zwischen den berichteten hohen Verlustsummen und dem bislang gemeldeten Ausbleiben von Vermögensverlusten im deutschen MediaMarkt-Fall geklärt werden.

Trezor hat als Reaktion auf den Vorfall die Anzahl der Geschäfte reduziert, die seine Geräte verkaufen dürfen. Dies zielt auf eine Erhöhung der Lieferkettensicherheit ab. Welche konkreten Maßnahmen Ledger und andere Marktteilnehmer ergreifen werden, um Manipulationen dieser Art zu verhindern und das Vertrauen der Nutzer zu stärken, bleibt abzuwarten.