Die russische Abrechnungsplattform A7, betrieben von der Bank PSB, plant die Einführung von A7 International. Dieser Dienst soll Unternehmen ermöglichen, internationale Rechnungen in USDT zu begleichen. Die Gelder kommen dabei als standardisierte SWIFT-Überweisungen in der erforderlichen Fiat-Währung beim Empfänger an.
Das Projekt zielt darauf ab, russischen Außenhandelsakteuren einen neuen grenzüberschreitenden Kryptokorridor zu eröffnen. Diese Akteure sind aufgrund westlicher Sanktionen mit eingeschränkten Korrespondenzbankbeziehungen konfrontiert.
Die Ankündigung erfolgte laut einer Pressemitteilung von Chainwire am 12. Oktober 2026. Der geplante Start des Dienstes ist für den 13. Oktober 2026 vorgesehen.
Die Funktionsweise der USDT-SWIFT-Brücke
Das System von A7 International wandelt Zahlungen in USDT in Fiat-SWIFT-Überweisungen um. Ein Zahler initiiert die Transaktion in USDT, einem an den US-Dollar gekoppelten Stablecoin. A7 nimmt das USDT in Verwahrung.
Falls nötig, führt die Plattform eine Konvertierung in die Zielwährung durch und sendet dann eine SWIFT-Nachricht. Diese Nachricht weist die Bank an, das Konto des Empfängers in der benötigten Fiat-Währung zu belasten – etwa US-Dollar, Euro oder Yuan. Für den Empfänger ist der Prozess transparent.
Du würdest lediglich eine reguläre internationale Banküberweisung erhalten und kämst nicht direkt mit Kryptowährungen in Berührung.
Dieser hybride Ansatz kombiniert die Geschwindigkeit und die vergleichsweise niedrigen Kosten von USDT-Transaktionen mit der etablierten Infrastruktur des SWIFT-Netzwerks für die endgültige Auszahlung. USDT-Transfers lassen sich auf Blockchains wie Tron oder Ethereum innerhalb von Minuten abwickeln und kosten oft nur wenige US-Dollar. Im Gegensatz dazu können internationale SWIFT-Überweisungen Tage dauern.
Die genaue Höhe der fixen Dienstleistungsgebühr für A7 International wurde vorab nicht spezifiziert.
Russlands Strategie der Entdollarisierung
Die Initiative von A7 International reiht sich in Russlands Strategie zur Entdollarisierung ein. Diese Strategie wird seit Beginn der westlichen Sanktionen im Jahr 2022 staatspolitisch verfolgt. Russland gilt als das am stärksten sanktionierte G-20-Land.
Nach der Invasion in der Ukraine wurde es zudem aus Teilen des SWIFT-Zahlungssystems ausgeschlossen. Das Land entwickelt alternative Zahlungssysteme, um die Abhängigkeit vom US-Dollar im Außenhandel zu reduzieren.
Insbesondere im Handel mit China, dem größten Handelspartner Russlands seit 16 Jahren, sind alternative Zahlungswege relevant. Chinesische Großbanken haben Zahlungsabwicklungen mit Russland weitgehend eingestellt. Dies führt dazu, dass etwa 80 Prozent der Yuan-Zahlungen nach Russland derzeit zurückgewiesen werden.
Das behindert den Handel erheblich. Gleichzeitig lag das chinesisch-russische Handelsvolumen im Jahr 2025 bei rund 228 Milliarden US-Dollar, zum dritten Mal in Folge über der 200-Milliarden-Marke. Chinesische Waren machten zudem über 40 Prozent der russischen Einfuhren aus.
Die Rolle der BRICS-Staaten und geopolitische Spannungen
Das Vorhaben von A7 International ist im Kontext der Bestrebungen der BRICS-Staaten zu sehen, Finanzstrukturen zu schaffen, die weniger abhängig vom US-Dollar sind. Auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg (SPIEF) am 13. Oktober 2026 stand die Entdollarisierung auf der Agenda.
Der britische Regionalexperte Ian Storey äußerte gegenüber Reuters, der Versuch der USA, „einen Keil zwischen Moskau und Peking zu treiben“, sei zum Scheitern verurteilt. Die russische Führung betont die strategische Partnerschaft mit China. Präsident Putin hob beim Besuch in China im Mai 2024 den 25. Jahrestag des Freundschaftsvertrags von 2001 hervor.
Die langfristige Stärke des US-Dollars bleibt ein zentraler Diskussionspunkt. Der Bloomberg Dollar Spot Index legte im Mai 2026 um 0,6 Prozent zu. Zugleich wird immer wieder diskutiert, ob finanzielle Sanktionen mittel- bis langfristig die Hegemonie des US-Dollars beeinflussen können. Eine Möglichkeit, die US-Finanzministerin Janet Yellen 2023 gegenüber CNN angedeutet haben soll.
Ausblick: Risiken und offene Fragen
Die Einführung von A7 International stellt einen weiteren Schritt in Russlands Bemühungen dar, angesichts der Sanktionen alternative Handelswege zu etablieren. Wesentliche Fragen bleiben dabei jedoch offen. Unklar ist, wie Staaten und Aufsichtsbehörden diese hybride Zahlungsweise bewerten, insbesondere in Bezug auf Geldwäsche- und Sanktionsrisiken.
Ebenso offen ist, inwieweit die Verfügbarkeit solcher Blockchain-basierten Lösungen in einer weiteren internationalen Eskalation stabil bliebe. Überdies bleibt zu klären, ob die zugrundeliegenden Stablecoins selbst vermehrt Ziel von Sanktionen werden könnten. Die konkrete Höhe der Servicegebühren, die die Attraktivität des Dienstes beeinflussen dürfte, ist ebenfalls noch nicht bekannt.
Die kommenden Entwicklungen werden zeigen, wie resilient die globale Finanzarchitektur ist und wie anpassungsfähig sich nationale Ökonomien zeigen.







