Aaron Azim, ein Unternehmer aus Frankfurt mit afghanischen Wurzeln, treibt den Ausbau der Infrastruktur in Afghanistan voran. Er engagiert sich auch unter der Herrschaft der Taliban in Eisenbahnprojekten und weiteren Bauvorhaben. Sein Fokus liegt auf der wirtschaftlichen Infrastruktur und zieht internationale Beteiligung an, während offizielle deutsche Stellen sich zurückhalten.

Eisenbahn als wirtschaftlicher Motor

Azim sieht die Eisenbahn als zentralen Baustein für die wirtschaftliche Entwicklung Afghanistans. Die neuen Transportwege sollen das Land besser an seine Nachbarstaaten anbinden und den Warenhandel fördern. Ein Teilstück der Infrastrukturverbindung zwischen der iranischen Handelsstadt Maschad und dem afghanischen Umschlagbahnhof Rozanak ist bereits fertiggestellt.

Bis zur westafghanischen Stadt Herat, einem Industriezentrum mit Flughafen, fehlen noch etwa 40 Kilometer Gleise. Am Bahnhof Rozanak werden monatlich rund 120.000 Tonnen Waren umgeschlagen, mehr als 100 Lastwagen warten dort.

Azim, der bereits 2012 am Bau der Ring Road beteiligt war, eröffnete 2007 die Cinderella International Group in Herat. Er betreibt zudem das Grand Hotel Kabul. Azim zufolge verfolgen die Taliban eine Wirtschaftspolitik, die auf Zusammenarbeit mit Nachbarländern setzt. Demnach erhalten Bauvorhaben innerhalb von 14 Tagen eine Antwort von der zuständigen Behörde.

Internationale Akteure und deutsche Zurückhaltung

Azims Initiativen für Delegationsreisen deutscher Behörden und der IHK blieben bisher ohne Erfolg. Andere Länder engagieren sich hingegen im Infrastrukturausbau Afghanistans: China, Iran und Usbekistan sind aktiv oder zeigen Investitionsbereitschaft. Kasachstan, Usbekistan und die Vereinigten Arabischen Emirate unterzeichneten eine Absichtserklärung für eine neue Bahnroute, die Afghanistan bis zu den pakistanischen Seehäfen durchqueren soll.

Kasachstan stellte hierfür über eine halbe Milliarde US-Dollar für den Zugang zu Ressourcen in Aussicht. Amerikanische Firmen zeigen zudem Interesse an der TAPI-Gaspipeline, die turkmenisches Gas über Afghanistan nach Pakistan und Indien transportieren soll. Auch russische Akteure sind vor Ort.

Deutsche Unternehmen und die Bundesregierung zogen sich nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 weitgehend zurück. Siemens Energy, das im November 2020 einen Großauftrag zur Elektrifizierung Afghanistans unterzeichnet hatte, zog sich ebenfalls nach der Machtübernahme zurück. Die Bundesregierung stoppte ihre Hilfszahlungen.

Die deutschen Entwicklungszusammenarbeitsmittel beliefen sich von 2001 bis 2019 auf rund 3,5 Milliarden Euro. Für 2021 waren ursprünglich 250 Millionen Euro geplant; Pläne für die Folgejahre bezifferten mögliche jährliche Mittel aus verschiedenen Ressorts auf Werte bis zu 430 Millionen Euro. Volker Treier von der DIHK beschreibt die deutsch-afghanischen Wirtschaftsbeziehungen als auf einem niedrigen Niveau.

Langjährige Projekte und offene Fragen

Neben den Eisenbahnprojekten treiben die Behörden sowie lokale und internationale Akteure weitere Großprojekte voran. Der rund 300 Kilometer lange Kusch-Tepa-Kanal soll etwa ein Fünftel des Flusswassers abzweigen und mehr als 500.000 Hektar Land bewässerbar machen. Die Ring Road, an deren Bau Azim beteiligt war und die rund 2.200 Kilometer lang ist, wurde Ende 2023 fertiggestellt.

Der Ausbau des Kajakai-Staudamms in der Provinz Helmand erfolgte durch das türkische Unternehmen „77 İnşaat“. Die Arbeiten wurden 2022 eingeweiht, die Gesamtleistung soll sich durch das Projekt auf etwa 100 Megawatt erhöht haben.

Die humanitäre Lage bleibt jedoch prekär: Rund 17,79 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe. Etwa ein Viertel der Bevölkerung weiß nicht, woher die nächste Mahlzeit kommt. Journalisten wie Christoph Reuter kritisieren, dass trotz des Infrastrukturausbaus weite Teile der Bevölkerung verarmen und die Taliban wenig dagegen unternähmen.

Azim betont die Notwendigkeit, pragmatisch mit den faktischen Machthabern zu sprechen, um Entwicklung zu ermöglichen. Analysten beobachten, ob wirtschaftliche Fortschritte eine Grundlage für eine weitergehende Normalisierung der Beziehungen schaffen können oder ob politische Isolation und die Menschenrechtslage dominant bleiben. Die Bereitschaft internationaler Akteure, mit den Taliban zu interagieren, beeinflusst die Entwicklung des wirtschaftlichen Engagements.

Länder wie China und die Nachbarstaaten verfolgen ihre wirtschaftlichen Interessen, während westliche Staaten, darunter Deutschland, eine abwartende Haltung einnehmen.

Die kommenden Monate werden zeigen, inwieweit weitere Investitionen fließen und welche Rolle deutsche Unternehmer in dieser Gemengelage spielen können.