Nachhaltiger gesellschaftlicher Wandel erfordert nicht nur Skalierung und effiziente Systemlösungen. Er benötigt zudem die Fähigkeit, Menschen zu erreichen, Sinn zu stiften und Vorstellungskraft zu wecken. Eine aktuelle Studie mit dem Titel „Synthesizing Entrepreneurship and Creativity: The Role of a Hybrid Mindset in Change-making“ untersucht die synergetischen Effekte von Social Entrepreneurship und Kreativität.
Die Analyse, unterstützt von der Adecco Group’s Innovation Foundation und der Moleskine Foundation, zeigt, wie unterschiedliche Ansätze zur Veränderung – der Social Entrepreneur und der Creative Pioneer – einander ergänzen können. Sie treten nicht als konkurrierende Modelle auf. Eine ausschließliche Fokussierung auf Logik lässt demnach Potenzial ungenutzt, so die Studienautoren.
Skalierung trifft Inspiration: Zwei Ansätze für Wandel
Die Untersuchung basiert auf 15 qualitativen Interviews mit globalen Change Makern und identifiziert zwei primäre Archetypen. Social Entrepreneurs setzen auf Skalierung, Struktur und messbare Wirkung. Sie übersetzen ihre Mission in strukturelle Mechanismen für Impact, bauen sozioökonomische Ökosysteme mit Partnerschaften, Metriken und Fundraising auf.
Ihr Ziel ist es, Innovationen nachhaltig zu skalieren und systemische Interventionen zu entwickeln.
Demgegenüber stehen Creative Pioneers, die Sinn stiften, Resonanz erzeugen und Hoffnung inspirieren. Ihre Arbeit beginnt selten mit Tabellenkalkulationen oder strategischen Plänen. Sie sind getrieben von einem Durst nach Gerechtigkeit und einer leidenschaftlichen Vorstellung einer besseren Zukunft.
Ihre Projekte entfalten sich laut Studie oft als kulturelle Feiern, die Zuversicht und kreative Symbolik nutzen, um Orientierung und Zugehörigkeit zu fördern [1]. Kumi Naidoo, ehemaliger Leiter von Greenpeace und Amnesty International, betont: „Only when we reach people’s hearts can we bring about a paradigm shift.“
Die Studie legt nahe, dass das Zusammenspiel dieser Herangehensweisen ein hybrides Mindset bildet. Dieses ist für komplexen Wandel relevant [1].
Die Kraft des „Mojo“ als Motor für Veränderung
Ein zentrales Konzept der Studie ist das sogenannte „Mojo“. Die interviewten Change Maker beschreiben es als eine anhaltende innere Energie. Diese ist notwendig, um Visionen voranzutreiben und andere zu inspirieren. Mojo ist mit Selbstwirksamkeit, intrinsischer Motivation, Flow und Resilienz verbunden.
Die Studie unterscheidet Mojo von verwandten Konzepten. Es ist nicht episodisch wie Flow und nicht nur reaktiv wie Resilienz. Mojo integriert Autonomie, Kompetenz und Sinn in einen energetisierten Zustand des Engagements. Es übersetzt Überzeugungen in erfahrene Energie und fungiert als integrative Meta-Fähigkeit, die Kognition, Emotion und Handlung ausrichtet.
„Roots and Reach“: Eine Schlüsseldimension für Entscheider
Die Studie identifiziert drei Mindset-Dimensionen, von denen eine „Roots and Reach“ ist. Creative Pioneers legen demnach Wert auf tiefe Gemeinschaftsverbindungen, Vertrauen und lokalen Impact, wobei Wachstum optional bleibt. Marta Foresti, Gründerin von LAGO, einem Forschungs- und Kreativkollektiv für Migration, Kultur und Kunst, erklärt: „If I turn it into a multi-day festival, it’s too much.
It doesn't feel right. I don't want to be responsible for more than five people.“
Social Entrepreneurs priorisieren hingegen skalierbare Lösungen zur Wirkungsexpansion durch Experimente, Standardisierung und Replikation. Rachel Shahar, Gründerin von InnoHub und Mitbegründerin von MakeHerFuture, beschreibt Innovation als Weg zur Verstärkung sozialen Impacts durch Skalierung: „I think about scale, when I think about more impact, more people that are influenced.“
Die Studie betont, dass Führungskräfte davon profitieren, bewusst zwischen diesen Ansätzen zu navigieren. Dies ermöglicht es, sowohl lokal verwurzelten Impact als auch breiten systemischen Wandel zu berücksichtigen.
Ausblick auf hybride Modelle und offene Fragen
Die Studie hebt die Notwendigkeit hervor, die oft getrennt betrachteten Welten des Social Entrepreneurship und der Kreativwirtschaft zusammenzuführen. Dies soll komplexe Herausforderungen anzugehen. Die Studie wird unter dem Titel „Synthesizing entrepreneurship and creativity: the role of a hybrid mindset in change-making“ geführt.
Der zugehörige DOI lautet 10.1108/SEJ-12-2025-0292, was auf eine Veröffentlichung im Jahr 2025 hindeutet.
Die vorliegende Veröffentlichung enthält keine konkreten Zahlen zu Finanzierungsvolumen, Bewertungen oder ähnlichen quantitativen Angaben. Sie gibt auch keine detaillierten Auskünfte zu spezifischen organisatorischen Modellen oder Finanzierungsmechanismen [1]. Interessant bleibt, wie die dritte der drei identifizierten Mindset-Dimensionen in der finalen Version des Artikels vollständig ausgeführt wird.
Weitere Forschung könnte aufzeigen, welche konkreten Strategien und Metriken hybride Organisationen nutzen, um sowohl lokale Verwurzelung als auch Skalierbarkeit zu gewährleisten.







