Der Dax eröffnet den Handelstag mit leichten Verlusten. Der deutsche Leitindex startet bei 25.976 Punkten und notiert damit 0,3 Prozent niedriger. Analysten erwarten für den Tagesverlauf kaum größere Bewegungen, da die US-Börsen aufgrund des Feiertags Labor Day geschlossen bleiben.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom Sonntag, deren Ergebnis der AfD einen starken Zuwachs beschert, beeinflusst die kurzfristige Kapitalmarktentwicklung laut Marktbeobachtern zunächst nur geringfügig. Wirtschaftsvertreter und Ökonomen sehen darin jedoch Risiken für den Wirtschaftsstandort.

Gemischte Signale zum Wochenstart

Der Dax notiert zum Handelsauftakt am Montag bei 25.976 Punkten. Am Freitag konnte der Index die Marke von 26.000 Punkten halten und schloss nahezu unverändert bei 26.046 Punkten. Timo Emden, Chefmarktanalyst bei CapTrader, stellt fest: „Auch wenn Anleger den Sorgencocktail aus geo- und geldpolitischen Unwägbarkeiten offensichtlich fürs Erste haben abschütteln können, dürfte die Gemengelage fragil bleiben.“

Die fehlenden Impulse von der Wall Street begrenzen die Bewegungsmöglichkeiten des Dax an diesem Montag. In der Vorwoche verlor der Index an drei Handelstagen über 700 Punkte, nachdem er Ende August noch ein Rekordhoch von 26.618 Punkten erreicht hatte. Neben den Aktienmärkten verzeichnet der Euro-Bund-Future leichte Verluste und fällt um 0,05 Prozent auf 122,96 Punkte.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei 3,36 Prozent. Zuvor erreichte sie am Mittwoch ein 15-Jahres-Hoch von 3,39 Prozent. Der Wert des US30 (Dow Jones) notiert zum Wochenstart bei 53.232,04 Punkten, was einem Minus von 0,31 Prozent entspricht.

Sachsen-Anhalt nach der Wahl: Politische Zäsur mit wirtschaftlichem Echo

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag endet mit einem starken Ergebnis für die AfD. Die Partei erreicht 44 bis 44,2 Prozent der Stimmen und damit 39 Sitze im Landtag. Die CDU unter Ministerpräsident Sven Schulze kommt auf 17,4 Prozent und verliert damit erheblich an Stimmenanteil im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bezeichnet das Ergebnis als „Regierungsauftrag“ und kündigt an, er werde „selbstverständlich“ auch mit nur einer Stimme mehr regieren. Die AfD hält eine Minderheitsregierung für denkbar.

Führende Wirtschaftsvertreter und Ökonomen äußern Sorge vor wirtschaftlichen Folgen einer Regierungsbeteiligung der AfD. Dies betrifft insbesondere Investitionen und die Gewinnung internationaler Fachkräfte. Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise, warnt: „Angesichts des Wahlprogramms ist zu erwarten, dass bei einer Regierungsübernahme der AfD das Bundesland als Standort für Fachkräfte und Unternehmen deutlich an Attraktivität verlieren würde.“

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), ergänzt: „Wer um ausländische Fachkräfte konkurrieren will, darf keine Partei stark machen, die offen deren Ausweisung fordert.“ Er fährt fort: „Wer ein Land wirtschaftlich vor die Wand fahren will, muss es genau so machen.“

Christian Bruch, Vorstandschef von Siemens Energy, bezeichnet das AfD-Programm als schlecht für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Er kritisiert die energiepolitischen Vorschläge als „nicht sinnvoll“. Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank, warnt zudem vor populistischen Parteien, die den Grundlagen des wirtschaftlichen Erfolgs entgegenstünden.

Alexander Kühnen, Bahlsen-Chef, schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD „weder unternehmerisch noch persönlich“ aus.

Kapitalmärkte und politische Unsicherheit: Ein vorläufiges Fazit

Martin Lück, Chef-Kapitalmarktstratege von Franklin Templeton, bewertet das starke AfD-Ergebnis als „zunächst ein bedeutendes politisches Signal, aber noch kein unmittelbares Kapitalmarktereignis“. Aus Investorensicht werde es problematisch, „wenn Zweifel an der europäischen Einbindung, der fiskalischen Verlässlichkeit, der Offenheit für internationale Fachkräfte oder der Kontinuität der Energie- und Industriepolitik entstünden. Gerade Sachsen-Anhalt, das auf neue Investitionen und qualifizierte Beschäftigte angewiesen ist, kann sich solche Zweifel nur schwer leisten.“

Moritz Kraemer, Chefvolkswirt der LBBW, warnt davor, dass ein isolationistischer Kurs „Harakiri“ für eine vom Außenhandel abhängige Volkswirtschaft wie Deutschland wäre.

CDU und SPD lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD ab. Sven Schulze bezeichnet das Wahlergebnis als Niederlage für seine Partei und erklärt, er habe „nicht vor, mit der AfD zusammenzuarbeiten.“ SPD-Chef Lars Klingbeil schließt ebenfalls eine Zusammenarbeit aus.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), das 5,1 Prozent der Stimmen erhielt, kündigt an, sich bei einem dritten Wahlgang zur Wahl eines Ministerpräsidenten enthalten zu wollen und sich nicht an einer „Brandmauer-Koalition“ zu beteiligen.

Ausblick: EZB-Zinsentscheidung und Inflationsdaten im Fokus

Die tatsächlichen Auswirkungen der Wahl auf die Kapitalmärkte dürften sich erst mittelfristig zeigen, da die Regierungsbildung offenbleibt. Kurzfristig konzentrieren sich Anleger auf andere Ereignisse. Die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag gilt als zentrales Ereignis der Woche.

Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management, erwartet, „eine Zinserhöhung der EZB um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent ist inzwischen weitgehend Konsens.“ Ulf Krauss von der Helaba sieht zusätzlichen Spielraum für eine weitere Straffung, während Eckhard Schulte von MainSky Asset Management warnt, dass weitere Zinsschritte über den September hinaus die gerade einsetzende zyklische Erholung der Euro-Konjunktur gefährden könnten.

Zudem stehen Ende der Woche die US-Inflationsdaten an. Jürgen Molnar von Robomarkets bezeichnet sie als „entscheidenden Wegweiser für die weitere Zinsentwicklung in den USA“. Die nächste Fed-Entscheidung ist für die Folgewoche terminiert. Am Montag könnten deutsche Industrieproduktionsdaten und der Sentix-Konjunkturindex Beachtung finden, um die Stärke der Erholung in Europa zu beurteilen.