Die Diskussion um Stablecoins intensiviert sich. Investoren und Startups betrachten sie als „Killer-App“ der Kryptowelt. Zugleich bestehen Uneinigkeiten über ihre primären Anwendungsfälle und die künftigen regulatorischen Rahmenbedingungen.

Insbesondere ist umstritten, ob Stablecoins für den Massenmarkt in entwickelten Volkswirtschaften relevant sind oder vorrangig eine Nische in Entwicklungsländern besetzen. Parallel dazu wachsen Bedenken bei Zentralbanken und Aufsichtsbehörden.

Zielgruppen und die „Last Mile“ der Zahlungen

Die Diskussion über die Zielgruppe von Stablecoins ist vielschichtig. Einerseits dominiert Tether (USDT). Dessen Stablecoin-Geschäft umfasst ein Volumen von 183 Milliarden US-Dollar. Tether bedient hauptsächlich Konsumenten in Entwicklungsländern, die eine Möglichkeit suchen, US-Dollar zu halten und so der Instabilität lokaler Währungen zu entgehen.

Parallel dazu investieren Fintechs wie Airwallex in Lösungen für Geschäftszahlungen. Das Unternehmen erhielt eine nennenswerte Investition von Visa. Seit 2026 bietet Airwallex einen Service zur Umwandlung von US‑Stablecoins in lokale Währungen an.

Das Unternehmen adressiert damit die sogenannte „Last Mile“ der Zahlungen. Dan Kim, VP of Product bei Airwallex und ehemaliger Senior Business Development Lead bei Coinbase, stieß bei der Händlerakquise auf Blocker. Diese machten es schwierig, Stablecoins für Händler attraktiv zu gestalten.

Händler befürchten unter anderem Rückbuchungen und zusätzliche Komplexität in Zahlungssystemen. Jack Zhang, CEO von Airwallex, zeigte sich 2024 noch skeptisch gegenüber Stablecoins. Er sah das bestehende Geschäftsmodell seines Unternehmens damals als ausreichend an.

Die aktuelle Entwicklung bei Airwallex stellt eine Änderung gegenüber Zhangs früherer Skepsis dar.

USDC, der Stablecoin von Circle, ist ebenfalls zentral für die Debatte. Im Umlauf befinden sich 73,7 Milliarden USDC (Stand: 27. August 2026).

Diese sind durch 74,0 Milliarden US-Dollar in Reserven gedeckt. USDC verzeichnete ein All‑Time‑Volume von 98,0 Billionen US-Dollar und wird von über 1.000 Banken, Blockchains, Distributoren und Partnern unterstützt. Der Coin ist in über 185 Ländern verfügbar.

Circle positioniert USDC zudem für das aufkommende „Agentic Commerce“. Hierbei nutzen KI‑Agenten eine programmierbare Geldschicht. Dieser Anwendungsfall existiert jenseits klassischer Konsumentenzahlungen.

Regulatorische Hürden und internationale Bedenken

Die technologischen Möglichkeiten von Stablecoins stehen regulatorischen Bedenken gegenüber. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) nimmt eine kritische Haltung ein. Generaldirektor Pablo Hernández de Cos erklärte in einer Rede auf dem Jackson Hole Economic Symposium im August 2026: „Stablecoins sind in großem Stil keine glaubwürdige Zahlungsmethode.“

Er warnte vor einer Schwächung der geldpolitischen Souveränität und dem Potenzial für eine „digitale Dollarisierung“ in anderen Rechtsräumen. Separat zeigen Daten, dass 98 Prozent der existierenden Stablecoins durch US‑Dollar gedeckt sind. Die BIZ äußert zudem Bedenken, dass Stablecoins die Refinanzierungskosten von Banken erhöhen und damit Zinsen für gewöhnliche Kreditnehmer verteuern könnten.

Hernández de Cos präferiert tokenisierte Einlagen als Alternative für den Großteil des täglichen Zahlungsverkehrs. Er argumentiert: „Tokenisierte Einlagen bieten einen direkteren Weg, die Vorteile der Tokenisierung zu nutzen und gleichzeitig die Grundlagen des Währungssystems zu wahren.“ Zugleich betont die BIZ, dass tokenisierte Einlagen noch Fragen der Interoperabilität, Governance und rechtlicher Rahmenbedingungen klären müssen.

Auf Gesetzesebene schufen die USA mit dem GENIUS Act (Guiding and Establishing National Innovation for U.S. Stablecoins Act) vom 18. Juli 2025 ein kalkulierbares regulatorisches Umfeld für Stablecoins.

US‑Finanzminister Scott Bessent äußerte sich positiv zu Stablecoins. Er sagte, sie könnten „den Status des Dollars als weltweit führende Reservewährung stärken und eine Nachfrage nach US‑Staatsanleihen im Wert von Billionen von Dollar schaffen“.

In Europa hat die MiCA‑Verordnung (Markets in Crypto‑Assets Regulation) einen einheitlichen aufsichtsrechtlichen Rahmen für alle 27 Mitgliedstaaten geschaffen. Das Ende der Übergangsfrist 2026 markiert den Beginn einer reiferen europäischen Kryptoindustrie. Zugleich gab es in Polen eine erhebliche Kluft bei der Umsetzung der MiCA‑Regulierung infolge eines innerpolitischen Streits.

Das brachte die heimische Krypto‑Branche in eine schwierige Lage.

Ausblick: Zwischen Innovation und Regulierung

Die Zukunft der Stablecoins hängt stark davon ab, wie nationale und internationale Regulierungsansätze aufeinander abgestimmt werden. In den USA werden eine regulatorische Öffnung und die Perspektive diskutiert, Stablecoins zur Stärkung der Dollarrolle zu nutzen. Indes äußern internationale Institutionen wie die BIZ grundsätzliche Bedenken hinsichtlich Finanzstabilität und geldpolitischer Souveränität.

Befürworter sehen Potenzial in der Technologie, zugleich bleiben erhebliche Fragen zur Integration in das bestehende Finanzsystem.

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Stablecoins sich als breite Zahlungsmethode etablieren können oder ob tokenisierte Einlagen die bevorzugte Alternative werden. Beobachter verfolgen, wie sich die Positionen von Regulierungsbehörden und Industrie weiterentwickeln.