Quanten-Hype trifft Milliardenbewertung: Pasqal trotzt geringem Umsatz mit Nasdaq-Debüt

Das französische Quantencomputing-Startup Pasqal debütiert im Zuge eines SPAC-Deals an der Nasdaq. Das Unternehmen erzielt dabei eine Bewertung von rund zwei Milliarden US-Dollar vor Kapitalzuführung. Die Notierung unter dem Kürzel „PSQL“ erfolgt durch die Fusion mit Bleichroeder Acquisition Corp. II und bringt Pasqal etwa 360 Millionen US-Dollar an frischem Kapital ein.

Die hohe Bewertung kontrastiert mit dem prognostizierten Jahresumsatz von 16,5 Millionen Euro für das Jahr 2025. Das Nasdaq-Debüt von Pasqal fällt in eine Zeit eines breiten Tech-Booms, der unter anderem durch verstärkte Aufmerksamkeit für Künstliche Intelligenz gekennzeichnet ist.

Strategischer Sprung an die US-Börse

Pasqal, 2019 gegründet, wählt den Weg einer SPAC-Fusion für den Börsengang in den USA. Diesen Weg nutzen zunehmend europäische Deeptech-Firmen. Pasqal begründet diesen Schritt mit dem Ziel, eine stärkere Basis für schnelleres Wachstum zu schaffen und die globale Sichtbarkeit zu erhöhen. Hauptsitz und Rechtsform des Unternehmens bleiben französisch.

Bpifrance sitzt im Board von Pasqal und beteiligt sich an der Finanzierung im Rahmen der Fusion. SEC-Unterlagen zeigen, dass größere Beteiligungen ausländischer Investoren in Frankreich die Genehmigung des Wirtschaftsministeriums erfordern. Parallel zum SPAC-Deal fließen rund 200 Millionen US-Dollar an Privatinvestitionen von Unternehmen wie Parkway, Quanta Computer, LG Electronics und der Reederei CMA CGM.

Beim Nasdaq-Debüt steigt der Aktienkurs initial um bis zu 73 Prozent. Anschließend stabilisiert sich das Kursniveau laut verschiedenen Berichten etwa 40 bis 60 Prozent über dem Ausgabepreis. Pasqal agiert damit in einem Marktumfeld, in dem europäische Wettbewerber wie IQM mit einer Bewertung von rund 1,9 Milliarden US-Dollar und das deutsch-schweizerische Terra Quantum mit einer angestrebten Bewertung von rund 3,5 Milliarden US-Dollar ebenfalls hohe Bewertungen erzielen oder anstreben.

Technologie und Marktpositionierung

Pasqal setzt auf eine Neutralatom-Plattform: Hier werden Atome mit Lasern in Gitterstrukturen gefangen und als Qubits genutzt. Vertreter des Unternehmens und frühe Unterstützer sehen diesen Ansatz als eine der führenden Plattformen im Quantencomputing. Mitgründer Alain Aspect, Physik-Nobelpreisträger 2022, prägte diese technologische Ausrichtung maßgeblich.

Seine spätere Arbeit zur Lasersteuerung von Atomen trug direkt zu Pasqals Prozessoren bei.

Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben sieben Quantenmaschinen, davon vier in nationalen Supercomputing-Zentren in Frankreich, Deutschland, Italien und Kanada. Die Produktionskapazitäten in Anlagen in Frankreich und Kanada ermöglichen den Bau von bis zu 13 Maschinen pro Jahr.

Pasqal listet mehr als 25 kommerzielle und wissenschaftliche Anwendungen auf, beispielsweise für die Energiewirtschaft, Finanzdienstleistungen und Materialforschung. Zu den Kunden zählen Saudi Aramco für die Modellierung unterirdischer Reserven und Crédit Agricole. Kurz vor dem Listing kündigt Pasqal ein Joint Venture namens Pasqal Arabia an.

Dieses soll in Zusammenarbeit mit der saudischen Investmentplattform Eleven Ventures Quantensysteme in der Golfregion ausrollen, betreiben und vermarkten.

Pasqal-CEO Wasiq Bokhari bestätigt, dass das Unternehmen Quantensysteme bereits in realen Betriebsumgebungen ausgerollt und an die bestehende Recheninfrastruktur der Kunden angebunden hat. Der Börsengang biete eine stärkere Basis für schnelleres Wachstum, so Bokhari.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Analysten und Investoren bewerten die Situation vielfach als „Optionalität“. Sie zahlen demnach anteilig für die Chance auf einen großen Durchbruch. Prinz Abdulaziz Bin Turki Bin Talal, Vorsitzender des Boards von Pasqal Arabia, vergleicht den aktuellen Stand des Quantencomputings sinngemäß mit dem von Künstlicher Intelligenz vor einigen Jahren.

Gleichwohl bleiben technische Herausforderungen bestehen: Anhaltende Fehler begrenzen die Zuverlässigkeit von Quantenprozessoren in größerem Maßstab. Die Branche sucht zudem nach einem „Killer-Anwendungsfall“ für den kommerziellen Durchbruch. Gegenwärtig konzentrieren sich Anwendungen vorrangig auf spezialisierte Probleme in der Materialwissenschaft, Wirkstoffforschung und Finanzmodellierung.

Die Nasdaq-Debüts europäischer Deeptech-Firmen interpretieren Beobachter als Hinweis auf eine Verschiebung der Kapitalmärkte. Viele Unternehmen suchen in den USA bessere Möglichkeiten für Finanzierung und Sichtbarkeit. Für Pasqal ist ein Zweitlisting an der Euronext Paris für Anfang 2027 angekündigt.

Es wird sich in den kommenden Jahren zeigen, ob die hohen Erwartungen an den Deeptech-Sektor in nachhaltige Umsätze und Gewinne münden.