Nach dem Tod des Schweizer Autosammlers Albert Spiess gab Automobili Lamborghini am 22. September 2026 sein Ableben bekannt. Spiess’ Sammlung, die über 100 Fahrzeuge umfasste, rückt damit in den Fokus der Sammlerszene. Insbesondere seltene Prototypen von Marcello Gandini sind Teil dieser Kollektion. Automobili Lamborghini würdigte Spiess als engen Freund und passionierten Unterstützer der Marke.

Der Markt für historische Automobile könnte durch die mögliche Freigabe dieser Stücke beeinflusst werden.

Ein Leben für seltene Automobile

Albert Spiess, geboren 1950, war ein Unternehmer und Autosammler. Er leitete die Spiess AG, einen Spezialisten für Bündnerfleisch, rund 40 Jahre lang. Die Spiess AG wurde 2008 von ORIOR übernommen; Spiess selbst ging am 30.

Juni 2012 in den Ruhestand. Bereits 1979 erwarb er seinen ersten Lamborghini, einen Countach LP400 S. Sein Sammlerfokus lag auf historisch bedeutsamen und einzigartigen Modellen, darunter Prototypen und Designstudien.

Spiess präsentierte 2013 bei den Schloss Bensberg Classics unter anderem einen 350 GTV, den Bertone Marzal, Bravo-Konzepte sowie einen Miura Roadster. Im Jahr 2014 umfasste seine Sammlung ebenfalls Aston Martin V8 Zagato und V12 Zagato. Dokumente belegen Beispiele aus seiner Sammlung und deren Marktwert.

Ein Maserati Boomerang wurde 2015 bei Bonhams’ Chantilly-Auktion für 3,335 Millionen Euro verkauft.

Ein Alfa Romeo 33 Stradale aus Spiess’ Bestand (Chassis 75033.110) gewann 2018 beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este die Coppa d’Oro und den Trofeo ASI. Ende 2025 enthielt seine Sammlung mindestens je ein Exemplar aller sechs modernen Lamborghini „few-off“-Serien: Reventón, Sesto Elemento, Veneno, Centenario, Sián und Countach LPI 800‑4. Für Spiess rekonstruierte Lamborghini Polo Storico den 1974 bei Crashtests zerstörten Countach LP500-Prototyp.

Der Wiederaufbau erforderte über 25.000 Arbeitsstunden und wurde 2021 beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este gezeigt.

Gandinis Vision im Nachlass

Zu den Kernstücken der Sammlung zählen Prototypen aus der von Marcello Gandini geleiteten Entwicklungsphase des Bugatti EB110. Hierzu gehören frühe A‑Prototypen (A3, A4, A5), die teilweise auch als DMD80 bezeichnet werden. Diese Fahrzeuge entsprechen Gandinis ursprünglicherem, kantigerem Design, bevor das Modell für die Serienproduktion angepasst wurde.

Marcello Gandini, 1938 geboren, verstarb am 13. März 2024 im Alter von 85 Jahren. Er ist bekannt für radikale Entwürfe wie den Lamborghini Miura und den Countach.

Zu seiner Arbeitsweise sagte er einmal: „I always loved things that moved. Not static objects. They never attracted me.“

Über Prototypen meinte er: „When we are talking about a prototype, The most important thing is to create a sensation. As much sensation as possible.“ Im Jahr 2018 wurde eine von Gandini entworfene Porsche‑911‑Karosserie bei einer Auktion von Gooding & Co. in Pebble Beach für 1,4 Millionen US-Dollar verkauft.

Marktauswirkungen und offene Fragen

Der Umfang und die Beschaffenheit von Spiess’ Sammlung, insbesondere die seltenen Gandini‑Prototypen, haben bei Sammlern und Beobachtern Aufmerksamkeit erzeugt. Solche Fahrzeuge gelten als bedeutende Zeugnisse des Industriedesigns und der Automobilgeschichte. Ihr Erscheinen auf dem Markt könnte die Preise für historische Automobile beeinflussen, insbesondere für seltene Prototypen und Designstudien.

Ähnliche Stücke in anderen Sammlungen könnten davon betroffen sein.

Konkrete Auktionspläne für Teile des Nachlasses sind noch nicht bekannt. Der Verkauf des Einstein‑Besso‑Manuskripts im November 2021 für 11,5 Millionen US-Dollar, bei einer Schätzung von zuvor zwei bis drei Millionen US-Dollar, zeigt, dass Objekte mit historischer und kultureller Bedeutung deutlich höhere Preise erzielen können als erwartet. Ob und wie sich dies auf den Markt für exklusive Automobile auswirkt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Beobachter erwarten, dass die Entwicklung der Preise für diese exklusiven Sammlerstücke weitere Aufschlüsse über die Wertschätzung von Industriedesign-Ikonen geben wird.