Alphabet-Präsidentin Ruth Porat treibt die massive Investition in künstliche Intelligenz voran. Das Unternehmen plant im laufenden Jahr 2026 rund 200 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner KI-Kapazitäten zu investieren. Porat, seit dem 1.
September 2023 Präsidentin und Chief Investment Officer (CIO), begründet die Ausgaben als notwendig für langfristiges Wachstum. Sie warnt davor, dass Unternehmen ins Hintertreffen geraten können, wenn sie bei KI zurückfallen.
Milliarden-Investitionen als strategische Priorität
Die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur prägen aktuell die Finanzstrategie von Alphabet. Im zweiten Quartal 2026 erreichte der Kapitalaufwand (CapEx) des Konzerns 44,9 Milliarden US-Dollar. Der Großteil dieser Summe floss in technische Infrastruktur zur Unterstützung von KI-Investitionen.
Diese Ausgaben führten dazu, dass Alphabet im genannten Quartal erstmals seit über 20 Jahren als börsennotiertes Unternehmen einen negativen Free Cash Flow von 5,9 Milliarden US-Dollar auswies.
Für das Jahr 2027 erwartet Alphabet noch höhere Investitionen, da die Nachfrage nach Rechenleistung (Compute) weiter steigt und der Konzern sich als „kapazitätsbeschränkt“ sieht. Porat, die zuvor fast ein Jahrzehnt als CFO von Alphabet tätig war, betont die Dringlichkeit dieser Strategie. Sie sagt, Investitionen müssten für langfristiges Wachstum getätigt werden, weil es zu spät sei, erst zu handeln, sobald der Bedarf offensichtlich werde.
Diese Haltung knüpft an Googles „AI-first“-Strategie von 2016 an.
Porats Rolle als strategische Investorin
Als Präsidentin und CIO verantwortet Porat die Unternehmensinvestitionen von Alphabet. Dazu gehören die Investmentvehikel GV (Google Ventures) und CapitalG sowie das Portfolio der Other Bets. Zu den Other Bets zählen unter anderem Waymo und Verily. Zu ihrem Aufgabenbereich gehören zudem Real Estate and Workplace Services und weitere Unternehmensinfrastruktur.
In ihrer neuen Position, die sie am 1. September 2023 angetreten hat, berichtet Porat an CEO Sundar Pichai. Sie ist zudem Mitglied des Board of Directors bei Blackstone Inc. und in Gremien wie der Stanford Management Company und dem Council on Foreign Relations aktiv.
Porats Karriere führte sie vor Alphabet zu Morgan Stanley. Dort spielte sie eine Rolle bei der Schuldenfinanzierung, die Amazon während der Dot-Com-Blase half, und beriet während der Finanzkrise 2008 US-Behörden. Aus diesen Erfahrungen zieht sie die Lehre, die größte Quelle der Verwundbarkeit frühzeitig zu identifizieren und dagegen vorzugehen, da sie sonst im entscheidenden Moment nicht adressiert werden kann.
Wachstum im Cloud-Geschäft und externe Finanzierungen
Alphabets Cloud-Sparte Google Cloud verzeichnete im zweiten Quartal 2026 ein Umsatzwachstum von 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar. Der Betriebsgewinn lag bei 8,8 Milliarden US-Dollar und hatte sich damit mehr als verdreifacht. Porat verweist darauf, dass der Wert, den Partner in Unternehmen und Behörden sehen, die Nachfrage nach Compute antreibt und dies eine längerfristige Chance darstellt.
Alphabets Engagement in KI zeigt sich auch in externen Finanzierungsrunden. Isomorphic Labs, aus DeepMind ausgegliedert und von Alphabet unterstützt, schloss 2025 eine externe Runde über 600 Millionen US-Dollar ab. Eine weitere Runde über 2,1 Milliarden US-Dollar folgte 2026. Bedrock Robotics, ein Portfolio-Unternehmen von CapitalG, sammelte in einer Series-B-Runde 270 Millionen US-Dollar ein.
Marktreaktionen und Ausblick
Nachdem Alphabet im Juli 2026 den CapEx-Ausblick für 2026 auf bis zu 205 Milliarden US-Dollar anhob, sank der Aktienkurs um mehr als sechs Prozent. Investoren wägen die Balance zwischen notwendigen Zukunftsinvestitionen und kurzfristiger Profitabilität ab.
Porat hält entgegen, dass es unlogisch sei, in einer kapazitätsbeschränkten Position mit hoher Nachfrage keinen Return erzielen zu können. Entscheidend seien der Wert für Partner und die Effizienz, mit der Compute-Kapazitäten bereitgestellt werden.
Die langfristigen Auswirkungen von Alphabets KI-Strategie hängen von der Umsetzung der Investitionen ab. Die Märkte werden beobachten, ob die Ausgaben in steigende Umsätze und verbesserte Wettbewerbsfähigkeit münden. Offen bleibt, wie schnell sich der negative Free Cash Flow umkehren lässt und welche Auswirkungen das auf die Unternehmensbewertung hat.







