Amazon transformiert sich zunehmend vom „Everything Store“ zum „Everyday Store“. Im Fokus dieser Strategie steht Whole Foods Market. Konzerninterne Anpassungen und die Stärkung des Lebensmittelgeschäfts sollen die Kundenbindung erhöhen und Amazons Marktposition im physischen Handel festigen.
Strategische Akquisition und Ziele
Im August 2017 erwarb Amazon Whole Foods Market für 13,7 Milliarden US-Dollar. Whole Foods, bekannt für sein Bio- und Naturkostangebot, sollte nicht nur das Online-Geschäft ergänzen, sondern als physische Präsenz die Kundenbeziehungen im gesamten Amazon-Ökosystem vertiefen.
Zum Zeitpunkt der Akquisition verfügte Whole Foods über 460 Filialen. Amazons Anteil am Online-Lebensmittelhandel lag laut Quellen bei etwa einem Prozent.
Unmittelbar nach dem Abschluss kündigte Amazon Preissenkungen für Grundnahrungsmittel wie Bananen, Lachs und Bio-Eier bei Whole Foods an. Die Maßnahme zielte darauf ab, das Image der Kette als teurer Anbieter – auch als „Whole Paycheck“ bezeichnet – zu korrigieren und eine breitere Kundenschicht zu erreichen. Nach der Ankündigung stieg der Aktienkurs von Amazon.
Gleichzeitig fielen die Kurse von Wettbewerbern wie Kroger, Ahold Delhaize, Sprouts, SuperValu, Costco und Walmart. Analysten schätzten den Verlust aus den Aktien von Lebensmittelhändlern an einem Tag auf rund 22 Milliarden US-Dollar. Der Fußgängerverkehr in Whole Foods-Filialen stieg in der Woche nach der Übernahme um 33 Prozent, wie Daten der Thasos Group zeigen.
Herausforderungen und Kurskorrekturen
Trotz anfänglicher Zustimmung erwies sich die Integration als komplex. Quellen beschreiben kulturelle Reibungen zwischen Amazons datengesteuertem Effizienzansatz und der dezentralen, kundenorientierten Kultur von Whole Foods. Die Harvard Business School Professoren Dennis Campbell und Tatiana Sandino charakterisieren dies als Konflikt zwischen Skalierbarkeit und individueller Kundenfokussierung.
Whole Foods verlor in den Folgejahren seinen Platz auf der Fortune-Liste der besten Arbeitgeber.
Im Januar 2026 kündigte Amazon die Schließung aller Amazon Go- und Amazon Fresh-Filialen an. Einige dieser Standorte sollen in Whole Foods-Märkte umgewandelt werden. Amazon plant zudem, in den nächsten Jahren über 100 neue Whole Foods-Filialen zu eröffnen. Diese Maßnahmen signalisieren eine stärkere Fokussierung auf die Marke Whole Foods als physischen Lebensmittel-Anker.
Whole Foods als Kernstück der Everyday-Strategie
Jason Buechel, CEO von Whole Foods und Vice President von Amazon Worldwide Grocery Stores, betont die zentrale Rolle von Whole Foods für die Konzernstrategie. Er stellte fest: „Amazon war bekannt als der Everything Store, und ich glaube, mit Lebensmitteln werden wir der Everyday Store werden.“
Amazon weist für den Bereich Worldwide Grocery Stores einen Umsatz von mehr als 150 Milliarden US-Dollar im letzten Jahr aus. Whole Foods beschäftigte im Jahr 2023 105.000 Mitarbeiter.
Ein wichtiger Aspekt der Strategie ist die Integration in das Prime-Ökosystem. Prime-Mitglieder erhalten Vorteile bei Bestellungen und Zahlungsangeboten bei Whole Foods. Karteninhaber erhalten beispielsweise fünf Prozent Cashback auf Einkäufe bei Whole Foods.
Mehr als die Hälfte der US-Haushalte sind Prime-Mitglieder. Amazon liefert Lebensmittel in 5.000 US-Städte und -Gemeinden und plant eine Ausweitung des Same-Day-Delivery-Services für frische Lebensmittel.
Technologische Integration und Zukunftsperspektiven
Amazon experimentierte mit Technologien wie dem „Just Walk Out“-System. Die Technologie wurde später aus einigen Whole Foods-Filialen entfernt. Gleichwohl ist sie in über 360 Drittanbieterstandorten in mehreren Ländern im Einsatz. Amazon plant, sie bis 2026 in mehr als 40 Logistikzentren in Nordamerika, beispielsweise in Pausenräumen, zu integrieren.
Amazon testet außerdem ein neues In-Store-Format namens Amazon Grocery in ausgewählten Whole Foods-Filialen, unter anderem in Chicago und Plymouth Meeting, Pennsylvania. Parallel dazu kündigte Amazon Pläne an, ein „New Supercenter“-Konzept zu erproben, das ein breites Sortiment an frischen Lebensmitteln und allgemeiner Ware bieten soll.
Die Konzentration auf Whole Foods und die geplante Expansion neuer Filialen spiegeln Amazons fortgesetztes Engagement im Lebensmittelhandel wider. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Neuausrichtung der physischen Ladenstrategie auf den Marktanteil des Konzerns auswirken wird. Marktbeobachter verweisen darauf, dass ein Großteil des Lebensmittelhandels weiterhin offline stattfindet.
Analysten verfolgen die Entwicklung daher genau.
Die angekündigte Umwandlung einiger Amazon Go- und Fresh-Standorte in Whole Foods-Märkte sowie die geplanten Neueröffnungen deuten auf eine Prioritätensetzung zugunsten der etablierten Marke Whole Foods hin.







