Die weltgrößte Kinokette AMC Entertainment meldet für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von 1,60 Milliarden US-Dollar, bleibt unter dem Strich jedoch in den roten Zahlen. Das hauseigene Abonnement-Modell AMC Stubs A-List zieht weiterhin ein Millionenpublikum in die Kinosäle. Zugleich verhindert die hohe Zinslast bislang einen nachhaltigen Sprung in die Gewinnzone.

Das Unternehmen refinanzierte im Oktober 2026 Verbindlichkeiten im Umfang von 3,97 Milliarden US-Dollar, während wiederkehrende Kapitalmaßnahmen den Wert für bestehende Aktionäre verwässern.

Das Abonnement als Frequenztreiber an den Kinokassen

Der operative Aufschwung des US-Konzerns stützt sich maßgeblich auf ein Programm, das 2018 als direkte Reaktion auf den Konkurrenten MoviePass an den Start ging. Mittlerweile zählt AMC Stubs A-List mehr als 1,1 Millionen Abonnenten. Die Mitgliederbasis hat sich damit binnen fünf Jahren mehr als verdoppelt.

A-List-Mitglieder zeichnen inzwischen für rund 20 Prozent aller Kinobesuche von AMC in den USA verantwortlich. Im zweiten Quartal 2026 stieg die weltweite Besucherzahl um 13,5 Prozent auf 71,3 Millionen Gäste. Der Mai markierte dabei mit 25,5 Millionen Eintritten den stärksten Mai seit dem Vorkrisenjahr 2019.

Das Abo-Modell funktioniert vor allem als Hebel für das margenstarke Gastronomiegeschäft. Typische Abonnenten besuchen zwei bis drei Vorstellungen pro Monat. Je nach Kontingent umfasst das Programm bis zu drei oder vier Filme pro Woche, einschließlich Premium-Formaten wie IMAX und Dolby Cinema.

Die Besuchsfrequenz von Abonnenten liegt damit um das 2,4- bis 3,2-Fache über der von Gelegenheitskunden.

An den Kinotheken erwirtschaftet AMC traditionell den profitabelsten Teil seines Geschäfts, da Kinopopcorn Margen zwischen 800 und 1.200 Prozent erzielt. Entsprechend stiegen die Einnahmen im Segment Food und Beverage im zweiten Quartal 2026 um 15,3 Prozent auf 576,1 Millionen US-Dollar. Die Erlöse aus dem Ticketverkauf kletterten parallel um 13,2 Prozent auf 863,1 Millionen US-Dollar.

Die monatlichen A-List-Gebühren liegen je nach Region gestaffelt bei 24 bis 30 US-Dollar.

Zinslast neutralisiert operative Zuwächse

Trotz des Rekordumsatzes von 1,60 Milliarden US-Dollar weist AMC im zweiten Quartal 2026 einen Nettoverlust von 11,4 Millionen US-Dollar aus. Das vorangegangene Geschäftsjahr 2025 schloss der Konzern mit einem Fehlbetrag von 632 Millionen US-Dollar bei Erlösen von 4,85 Milliarden US-Dollar ab. Zinstragende Schulden machen mittlerweile rund 93 Prozent des Gesamtkapitals aus und engen den finanziellen Spielraum drastisch ein.

Zinszahlungen und Finanzierungskosten belaufen sich auf rund 100 Millionen US-Dollar pro Quartal. Dieser Schuldendienst absorbiert die operativen Zuwächse fast vollständig. Die Ursachen für diese Bilanzschwäche wurzeln in der aggressiven Expansionsphase vor Ausbruch der Pandemie.

Zwischen 2015 und 2019 expandierte AMC unter Führung von Chief Executive Officer Adam Aron und übernahm Wettbewerber wie Carmike Cinemas, Odeon und UCI Cinemas sowie die Nordic Cinema Group. Die zinstragenden Verbindlichkeiten stiegen in diesem Zeitraum auf rund fünf Milliarden US-Dollar an. Der pandemiebedingte Umsatzeinbruch im Jahr 2020 um 77 Prozent traf das Unternehmen folglich mit voller Härte und vernichtete die verbliebenen Eigenkapitalpuffer.

Aktuell belaufen sich die zinstragenden Finanzverbindlichkeiten auf rund vier Milliarden US-Dollar. Berücksichtigt man zusätzlich langfristige Miet- und Leasingverpflichtungen, summieren sich die Brutto-Gesamtverbindlichkeiten auf mehr als acht Milliarden US-Dollar.

Zeitgewinn durch Umschuldung und Verwässerung

Im Oktober 2026 schloss AMC eine umfassende Refinanzierung über 3,97 Milliarden US-Dollar ab. Die Transaktion gliedert sich in Hochzinsanleihen über 2,0 Milliarden US-Dollar mit Renditen im niedrigen Neun-Prozent-Bereich, ein Leveraged-Loan-Paket über 850 Millionen US-Dollar sowie eine Second-Lien-Kreditlinie über 1,12 Milliarden US-Dollar unter Beteiligung der Deutschen Bank. Damit verschafft sich das Management Luft und verlagert wesentliche Fälligkeiten auf die Jahre 2031 und 2033.

Bereits im Frühjahr 2026 hatte die europäische Konzerntochter Odeon Altschulden durch ein vorrangiges Darlehen über 425 Millionen US-Dollar zu einem Zinssatz von 10,50 Prozent restrukturiert. Das Unternehmen löste damit ältere Tranchen ab, die noch mit 12,75 Prozent verzinst waren.

Gleichzeitig greift AMC fortlaufend auf Debt-for-Equity-Swaps und direkte Kapitalerhöhungen zurück, um die Passivseite zu entlasten. Anfang Mai 2026 wandelte der Konzern Muvico-Anleihen im Wert von 155,8 Millionen US-Dollar in rund 142 Millionen neue Stammaktien um. Ende Juni 2026 platzierte das Management weitere 95,25 Millionen Aktien über Roth Capital Partners, was einen Bruttoerlös von rund 200 Millionen US-Dollar einbrachte.

Diese Mittel dienten unter anderem der Tilgung nachrangiger Anleihen über 125,5 Millionen US-Dollar. Die Ankündigung der Maßnahme löste am Kapitalmarkt jedoch schwere Verwerfungen aus: Der Aktienkurs brach an einem einzigen Handelstag um 24,82 Prozent auf 2,075 US-Dollar ein. Seit Anfang 2020 hat AMC insgesamt mehr als 792 Millionen neue Stammaktien ausgegeben, was den Anteil der Altaktionäre massiv verwässerte.

Strukturelle Fragen belasten die Bewertung

Operativ sendet die Kinobranche derweil positive Signale. AMC sicherte sich beispielsweise für den Kinostart von Greta Gerwigs neuem Narnia-Projekt ein 49-tägiges Exklusivfenster vor der Veröffentlichung auf Netflix. Vereinbarungen wie diese stärken das Kinoerlebnis gegenüber dem Streamingmarkt.

Branchenbeobachter beurteilen die Zukunft des Konzerns dennoch zurückhaltend. Alicia Reese, Vice President Equity Research bei Wedbush Securities, betont, dass Gläubiger zwar verhandlungsbereit bei Umschuldungen bleiben, die anhaltende Debatte über die fehlende Profitabilität von AMC jedoch die gesamte Bewertung dämpfe. Eric Wold, Senior Analyst bei B.

Riley Securities, hebt hingegen hervor, dass die historischen Übernahmen AMC eine enorme Verhandlungsmacht gegenüber den großen Hollywood-Studios gesichert haben.

Entscheidend für die Zukunft bleibt der Schuldendienst. Die Zinsaufwendungen von rund 400 Millionen US-Dollar pro Jahr setzen eine Hürde, an der sich die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells messen lassen muss. Solange der operative Cashflow diesen Kapitalbedarf nicht vollständig deckt, bleiben erneute Aktienemissionen und bilanzielle Restrukturierungen die wahrscheinlichsten Mittel des Managements, um die Solvenz zu sichern.