Die Diskussion um die Zukunft der Commerzbank spitzt sich zu: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil empfängt am 14. September in Berlin den Chef der italienischen UniCredit, Andrea Orcel. Diese Einladung signalisiert einen Strategiewechsel der Bundesregierung.

Angesichts der von UniCredit gesicherten Anteile von nahezu 50 Prozent kann die Regierung eine Übernahme nicht mehr verhindern. Stattdessen versucht sie nun, Bedingungen zu diktieren und Einfluss auf die künftige Ausrichtung des deutschen Instituts zu nehmen.

UniCredit sichert sich entscheidende Anteile

UniCredit hat sich in den vergangenen zwei Jahren strategisch am Markt positioniert. Seit September 2024, als der Bund einen Teil seiner staatlichen Beteiligung verkaufte, hat die italienische Großbank ihren Anteil an der Commerzbank sukzessive auf bis zu 49,65 Prozent ausgebaut. Diese Transaktion fällt in eine Phase, in der die damalige Bundesregierung unter Kanzler Olaf Scholz und Finanzminister Christian Lindner Gesprächsangebote von Orcel ablehnte.

Die aktuelle Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz steht damit vor einem vollendeten Faktum: UniCredit hält fast die Hälfte der Anteile. Damit verfügt sie über großen Einfluss auf die künftige Ausrichtung der Commerzbank, auch wenn eine formale Mehrheitsübernahme erst oberhalb von 50 Prozent Anteilen liegt.

Die Commerzbank selbst agiert in dieser Situation. Unter Chefin Bettina Orlopp bestätigt das Institut direkte Gespräche mit UniCredit. Orlopp knüpft ihre weitere Amtszeit bis 2029 an eine strategische Einigung mit dem Aufsichtsrat über die künftige Ausrichtung der Bank.

Sie warnt davor, dass bei einer Integration „keine Wertvernichtung“ passieren dürfe und fordert Mitspracherechte bei der Strategie. Parallel dazu startete die Commerzbank am 3. September 2026 ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro, das bis spätestens 10.

Februar 2027 läuft. Die Aktie notiert bei 42,72 Euro, nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 43,03 Euro. Das entspricht rund 48 Prozent über dem Tief vom vergangenen Oktober.

Bundesregierung fordert Garantien

Bundesfinanzminister Klingbeil steht vor der Aufgabe, die Interessen des Finanzstandorts Deutschland und der Commerzbank zu wahren. Die Bundesregierung, die weiterhin gut 12 Prozent der Commerzbank-Anteile hält (in einer Quelle 12,1 Prozent), ist zweitgrößter Aktionär. Sie fordert daher Zusagen.

Dazu zählen der Schutz der Rolle der Commerzbank für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands, die Sicherung von Arbeitsplätzen sowie der Erhalt des Finanzstandorts Frankfurt.

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein unterstreicht diese Forderungen. Er verlangt, dass der rechtliche Sitz und der Vorstand der Commerzbank dauerhaft in Frankfurt bleiben. Zudem soll das Institut als Aktiengesellschaft deutschen Rechts bestehen bleiben.

Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann kritisiert zugleich das Vorgehen von UniCredit. Er bemängelt, dass die italienische Bank „mit einem finanziell unattraktiven Angebot eine Mehrheit erreichen“ konnte, ohne eine angemessene Kontrollprämie zu zahlen. Weidmann fordert deshalb eine Überprüfung des deutschen Übernahmerechts.

Er plädiert außerdem dafür, dass der Bund vorerst Aktionär bleibt, um Standortinteressen zu vertreten. Die Gewerkschaft Verdi bekräftigt diese Position und warnt vor einem ähnlichen Schicksal wie bei der HypoVereinsbank nach deren Übernahme durch UniCredit im Jahr 2005. UniCredit-Chef Orcel bezeichnete den staatlichen Anteilseigner indes als Stabilitätsanker für die gesamte Gruppe.

Nächste Schritte und Markterwartungen

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht in einer vorläufigen Einschätzung keinen Ablehnungsgrund für eine Kontrollübernahme der Commerzbank durch UniCredit. Eine nächste wichtige Wegmarke ist die außerordentliche Hauptversammlung von UniCredit am 21. September 2026 in Mailand. Auf dieser Versammlung könnten strukturelle Maßnahmen zur Kapitalstruktur und zu M&A-Projekten auf die Agenda kommen.

Zudem plant UniCredit bis zur zweiten Hälfte des Jahres 2026 den Ausbau von Krypto-Verwahr- und Brokerage-Dienstleistungen. Auch die Einführung eines MiCA-regulierten Euro-Stablecoins über das Konsortium Qivalis ist vorgesehen. Die Bank nennt Krypto-Angebote als Teil ihrer Strategie, Margen im Investmentbanking und der Vermögensverwaltung zu verbreitern.

Beobachter erwarten, dass die Entwicklung der Commerzbank in den kommenden Monaten stark von den Entscheidungen UniCredits und den Verhandlungen mit der Bundesregierung abhängen wird.