Animoca Brands, bekannt als Web3-Gaming-Unternehmen, hat mit „Minds“ eine agentische KI-Plattform gestartet. Mitbegründer und Executive Chairman Yat Siu betont, dass dies keine Abkehr, sondern eine Evolution darstellt. Die im Februar eingeführte Plattform integriert über 50 verschiedene KI-Modelle. Entwickler profitieren von einem Investitionsprogramm von bis zu 10 Millionen US-Dollar.

Animoca Brands positioniert sich an der Schnittstelle von Web3 und künstlicher Intelligenz. Das Unternehmen will das sogenannte „agentic web“ aktiv mitgestalten.

Von Web3-Gaming zur KI-Entwicklung

Animoca Brands war acht Jahre lang als Web3-Gaming-Plattform aktiv. Das in Hongkong ansässige Unternehmen erweitert sein Portfolio nun um „Minds“, eine KI-Agentenplattform. Yat Siu bezeichnet diesen Schritt als Weiterentwicklung, nicht als Abkehr vom Gaming-Geschäft.

Das Gaming-Geschäft bleibt bestehen, während Minds die Vision eines agentenbasierten Internets vorantreibt. Die Cloud-Plattform ermöglicht die Erstellung anpassbarer KI-Agenten. Diese können über E-Mail, Telegram und WhatsApp interagieren. Für die Nutzung sind weder dedizierte Hardware noch spezifische Programmierkenntnisse notwendig.

Minds integriert mehr als 50 verschiedene KI-Modelle. Primär kommt das chinesische Open-Source-Modell MiniMax M3 zum Einsatz. Daneben werden Modelle wie Gemini, Grok und Claude für bestimmte Aufgaben genutzt. Das System optimiert im Hintergrund die Kosten und die Qualität der Ausgabe.

Ein Marktplatz für autonome Agenten

Im Zentrum von Minds steht ein Marktplatz mit rund 5.000 „Skills“ für KI-Agenten. Nutzer erstellen Skills, indem sie einem Agenten ein GitHub-Repository zuweisen. Der Agent wandelt den Code in eine Fähigkeit um, die innerhalb einer Stunde veröffentlicht werden kann.

Der erste „Builder“ trägt die anfänglichen Token-Kosten. Andere Nutzer zahlen anschließend einen Bruchteil für die Nutzung, der Ersteller erhält einen Anteil.

Yat Siu gibt an, selbst etwa 300 Agenten zu nutzen. Er generiert damit monatlich zwischen 600 und 1.000 US-Dollar aus diesen Skills. Er vergleicht diese Einnahmen mit denen, die Entwickler über Smartphone-App-Stores erzielen.

Animoca Brands hat ein Investitionsprogramm von bis zu 10 Millionen US-Dollar für Entwickler angekündigt. Dieses Programm richtet sich an diejenigen, die Anwendungen auf der Minds-Plattform entwickeln.

Das „Agentic Web“ als nächste Phase

Yat Siu prognostiziert, dass in den kommenden Jahren 50 bis 100 Milliarden autonome KI-Agenten online Transaktionen durchführen. Die Vorstellung eines „agentic web“, in dem viele Interaktionen durch Agenten abgewickelt werden, ist ein wiederkehrendes Thema bei Animoca Brands. Branchenexperten schätzen, dass der agentische Handel bis 2030 ein weltweites Volumen von 1,5 Billionen US-Dollar erreichen könnte.

Diese Entwicklung wirft Fragen zu Wirtschaftsmodellen und Währungssystemen auf. Erald Ghoos, CEO von OKX Europe, spekuliert über die Entstehung einer „Superwährung“ speziell für KI-Agenten. Diese werde keine Fiat-Währung sein. Animoca Brands sieht Krypto-Wallets als mögliche Infrastruktur für finanzielle Interaktionen der KI-Agenten.

Ausblick: Integration und offene Fragen

Animoca Brands integriert Minds in verschiedene Projekte und Partnerschaften. Yield Guild Games (YGG) startet mit vibecode.game eine Plattform für KI-gestützte Spieleentwicklung. YGG richtet zudem einen globalen Game Jam mit Minds by Animoca Brands aus.

The Sandbox, ein weiteres Projekt im Animoca-Portfolio, prüft KI-Integrationen. Open Campus, eine dezentrale Bildungsinitiative von Animoca Brands, unterstützt einen „Creative Minds Jam“. Dort entwickeln Teilnehmer KI-Lösungen für die Creator Economy.

Die Einführung von Minds positioniert Animoca Brands im Bereich agentischer KI-Agenten. Es bleibt offen, wie schnell sich eine Agenten-Ökonomie skaliert. Zudem sind mögliche regulatorische oder technische Herausforderungen noch unklar. Ebenso bleibt die Rolle von Animoca Brands und Minds in einem sich rasch entwickelnden Wettbewerbsumfeld abzuwarten.