Künstliche Intelligenz ist tief in den Märkten verankert und beeinflusst zahlreiche Branchen sowie diverse Anlageklassen. Viele Anlageexperten warnen daher vor einem KI-Klumpenrisiko im Depot. Eine tatsächliche Diversifikation, die über KI-bezogene Anlagen hinausgeht, erweist sich zunehmend als schwierig.

Die Dominanz weniger Tech-Konzerne

Die US-Börse hängt nach Einschätzung des Ökonomen Edgar Walk immer stärker von einer geringen Anzahl an Konzernen ab. Dies führt zu Klumpenrisiken für Anleger. Große Technologiekonzerne wie Nvidia, Microsoft, Apple, Alphabet und Amazon dominieren Indizes und ETFs.

Ein substanzieller Anteil des angelegten Vermögens ist somit von der Entwicklung dieser wenigen Unternehmen abhängig, selbst bei scheinbar breit gestreuten Portfolios. Der MSCI World Index ist stark in den USA übergewichtet: Rund 72 Prozent seiner Bestandteile sind US-Aktien. Diese Konzentration beinhaltet zudem ein Währungsrisiko in Bezug auf den US-Dollar.

In einem konkreten Beispiel machten Technologieaktien etwa 31,4 Prozent des MSCI World aus. Die vier größten Einzelpositionen – Nvidia, Microsoft, Apple und Alphabet – erreichten zusammen 18,1 Prozent des Indexgewichts; die Aktien aller fünf wichtigsten europäischen Länder kamen in diesem Beispiel auf 11,5 Prozent. Beliebte ETFs, die den S&P 500 abbilden, enthalten nach Recherchen etwa ein Drittel der Marktkapitalisierung aus dem KI-Sektor.

Im Nasdaq 100 liegt dieser Anteil bei über 40 Prozent. Apple, Microsoft und Amazon machen dort zusammen fast ein Drittel des Index aus.

Unsichtbare Abhängigkeiten in Portfolios

Anleger unterschätzen häufig das Ausmaß ihrer Abhängigkeit von KI-Werten. Vermögensverwalter Peter Hartmann von der TOP Vermögen AG weist darauf hin, dass viele Investoren nicht erkennen, wie stark ihre Portfolios bereits im Bereich Künstlicher Intelligenz engagiert sind. Wer in einen MSCI-World-ETF investiert, agiert demnach häufig bereits als signifikanter KI-Investor, auch wenn er sich breiter gestreut wähnt.

In einem beispielhaften ETF-Portfolio belief sich der US-Anteil auf 72,4 Prozent, der Technologie-Anteil auf 55,3 Prozent. Der Anteil der vier größten Tech-Aktien lag hier bei 21,2 Prozent; Nvidia allein machte 7,6 Prozent aus, was mehr ist als die Aktien aller Euro-Länder zusammen. Klumpenrisiken entstehen, wenn Vermögen zu stark auf einzelne Unternehmen, Branchen, Regionen, Währungen oder Anlageklassen konzentriert ist und die Korrelation der Anlagen dadurch steigt.

Diskussion um Bewertungen und Blasenrisiko

Die Konzentration in wenigen Tech-Werten führt zu einer Debatte über mögliche Marktüberbewertungen und Blasenrisiken. Warnsignale sind unter anderem das hohe Shiller-KGV des S&P 500, das im Sommer 2026 über 40 notierte und damit nahe dem Niveau der Jahrtausendwende lag. Auch der sogenannte Buffett-Indikator deutet auf eine ambitionierte Bewertung des US-Aktienmarkts hin.

Demgegenüber stehen erwartete Gewinnentwicklungen: Für das zweite Quartal 2026 werden beim S&P 500 rund 23 Prozent Gewinnwachstum prognostiziert. Die sogenannten Magnificent Seven sollen demnach um gut 31 Prozent wachsen, die übrigen 493 Unternehmen ebenfalls um rund 23 Prozent. Dies ist ein Argument, das gegen die Blasen-These vorgebracht wird, weil steigende Gewinne hohe Kursniveaus fundamental stützen können.

Peter Hartmann sieht die Bewertung differenziert. Er kommentiert: „Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.“ Einige Unternehmen wie Nvidia, Microsoft und Broadcom haben nach seiner Einschätzung ihre Investitionen in KI bereits monetarisieren können und erzielen große Umsätze sowie Gewinne.

Gleichzeitig warnt er davor, dass enttäuschende Quartalszahlen einzelner Schwergewichte starke negative Folgen auslösen könnten.

Herausforderungen der Diversifikation

Die Omnipräsenz von KI erschwert die Abgrenzung des Sektors für Diversifikationszwecke. Dass ein Drittel des S&P 500 beziehungsweise über 40 Prozent des Nasdaq 100 dem KI- oder KI-nahen Bereich zugerechnet werden, unterstreicht die Schwierigkeit, reine KI-Investments von anderen Technologie-Werten klar zu trennen.

Vermögensverwalter wie Hartmann streben eine breite Streuung über Nordamerika, Europa und Schwellenländer an. Zugleich bedeutet ein Investment in globale Indizes heute oft automatisch ein Engagement im KI-Bereich. Zusätzliche Wetten auf diesen Sektor sind damit in vielen Fällen nicht nötig. Die Regel „nicht alle Eier in einen Korb legen“ bleibt weiterhin relevant.

Die weitere Entwicklung der Klumpenrisiken hängt von der Profitabilität der führenden Tech-Konzerne und möglichen Regulierungen ab. Offen bleibt, wie Märkte auf enttäuschende Zahlen einzelner Schwergewichte reagieren würden. Weitere Risikofaktoren sind das hohe US-Staatsdefizit – das die USA im aktuellen Jahr auf rund zwei Billionen US-Dollar zusteuern lässt – und die damit verbundene Unsicherheit über den US-Dollar als Reservewährung.

Beobachter wie Stefan Riße warnen vor einer Unterschätzung des Währungsrisikos.