Angesichts gestiegener Zinsen rücken Anleihen-ETFs verstärkt in den Fokus von Investoren. Diese börsengehandelten Indexfonds, oft auch Renten- oder Bond-ETFs genannt, bilden Anleihen-Indizes nach. Damit ermöglichen sie einen einfachen Zugang zu Staats- und Unternehmensanleihen.
Nach Jahren der Niedrigzinsphase erholten sich die Anleihekurse seit dem Jahr 2022. Die laufenden Zinszahlungen liegen nun wieder über dem früheren Niveau.
Anleihen-ETFs als Stabilitätsanker
Anleihen-ETFs investieren in ein Portfolio aus Anleihen und bieten so Diversifikation über Länder, Laufzeiten und Emittenten hinweg. Staaten und Unternehmen nutzen Anleihen zur Geldbeschaffung an Kapitalmärkten und zahlen dafür Zinsen an Anleger. Anleihen-ETFs gelten als Sicherheitsbaustein und können in volatilen Marktphasen das Portfolio stabilisieren.
Sie weisen tendenziell eine negative Korrelation zu Aktien auf. Der Zinsanstieg hat die Ertragsaussichten für diese Anlageklasse verbessert: Einige Bond-ETFs erreichten über fünf Jahre eine Performance von bis zu 30,6 Prozent, zudem lieferten gute Produkte in den vergangenen fünf Jahren Renditen von etwa vier bis fünf Prozent vor Steuern.
Die Kombination aus breiter Streuung und einfacher Handelbarkeit macht ETFs attraktiv. Ein direkter Kauf einzelner Anleihen kann Mindestanlagebeträge und Konzentrationsrisiken mit sich bringen. Sparraten sind bei ETFs bereits ab 25 Euro möglich.
Julius Weller, Vice President Broker bei Scalable Capital, weist darauf hin, dass Anleihen in volatilen Phasen zur Portfoliostabilisierung beitragen können. In Deutschland stehen Investoren rund 550 bis über 650 Anleihen-ETFs zur Auswahl.
Kosten und Kennzahlen im Blick
Die laufenden Kosten, die sogenannte Total Expense Ratio (TER), vieler Anleihen-ETFs sind niedrig. Der Amundi Prime Global Government Bond ETF weist eine TER von 0,05 Prozent auf. Andere Kategorien wie Geldmarkt- oder Staatsanleihen-ETFs sind bereits ab etwa 0,07 Prozent TER verfügbar.
Währungsgesicherte Varianten können pro Jahr 0,02 bis 0,15 Prozent mehr kosten. Diese Kostenvorteile unterscheiden ETFs von vielen aktiv gemanagten Fonds.
Die Duration misst die Zinssensitivität eines Fonds. Bei einer Duration von zehn Jahren würde ein Zinsanstieg um einen Prozentpunkt theoretisch zu einem Kursrückgang von etwa zehn Prozent führen. Hochwertige Anleihen-ETFs zeigen typische Jahresvolatilitäten im Bereich von drei bis acht Prozent.
Aktien-ETFs liegen in der Regel deutlich höher, etwa bei 15 bis 25 Prozent. Empfehlungen für den Anleihenanteil im Portfolio bewegen sich häufig im Bereich von 20 bis 40 Prozent.
Vielfalt der Anleihen-ETF-Produkte
Der Markt bietet Produkte für unterschiedliche Bedürfnisse. Dazu zählen Staatsanleihen-ETFs, Unternehmensanleihen-ETFs – unterteilt in Investment Grade und High Yield – Schwellenländer-Anleihen-ETFs sowie Geldmarkt-ETFs. Zusätzlich sind ETFs nach Laufzeiten oder Währungen differenziert verfügbar.
Staatsanleihen gelten bei Ländern mit guter Bonität als sicherer. Als Referenzwerte wurden ein EZB-Leitzins von circa 2,0 Prozent und ein Fed-Leitzins von 4,25 bis 4,5 Prozent genannt. Schwellenländer-ETFs bieten höhere Renditechancen bei erhöhtem Risiko.
BlackRock führte mit den iBonds ein Produkt ein, das die Diversifikation und Handelbarkeit eines ETF mit einer festen Laufzeit verbindet. Es soll nach Fälligkeit die Investition plus Zinsen zurückzahlen.
Risiken und wichtige Überlegungen
Anleihen-ETFs sind nicht risikofrei. Ein zentrales Risiko ist das Bonitätsrisiko: Bei Zahlungsausfall eines Emittenten drohen Verluste. Zinsänderungsrisiken wirken sich auf den Kurswert bestehender Anleihen aus.
Fonds mit längerer Duration sind davon stärker betroffen. Bei Anleihen in Fremdwährung kommt das Währungsrisiko hinzu. Einige ETFs bilden Indizes synthetisch nach.
Dabei besteht ein Kontrahentenrisiko, das üblicherweise auf maximal zehn Prozent des Fondsvermögens begrenzt ist. Im Unterschied zu einzelnen Anleihen, die bei Haltung bis zur Fälligkeit den Nennwert zurückzahlen, unterliegen Anleihen-ETFs laufenden Kursschwankungen, da die im Fonds enthaltenen Papiere gehandelt werden.
Ausblick auf die Rolle in der Anlagestrategie
Die Erholung der Anleihemärkte und das gestiegene Zinsniveau haben Anleihen-ETFs wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Wie sich die Renditen künftig entwickeln, hängt maßgeblich von der Entwicklung der Inflation und der Leitzinsen ab. Liquidität und vergleichsweise niedrige Kosten sind Merkmale, die Anleihen-ETFs für Anleger interessant machen.
Dies gilt insbesondere für Investoren, die Stabilität und regelmäßige Erträge suchen. Analysten beobachten die geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbanken genau, da diese den weiteren Kurs der Anleihemärkte maßgeblich beeinflussen werden.







