Apple verschärft seine Klage gegen OpenAI und einen ehemaligen Ingenieur. Nach einer forensischen Analyse liegen dem Konzern neue Beweise vor, die den Vorwurf des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen stützen. Apple beschuldigt den früheren Mitarbeiter, vertrauliche Schaltpläne heruntergeladen und diese bei OpenAI, unter anderem zum Training eines KI-Agenten, genutzt zu haben.

Apple legt neue Beweise vor

Apple reicht im Rechtsstreit gegen OpenAI und ehemalige Mitarbeiter einen Schriftsatz ein, der neue Beweismittel präsentiert. Diese basieren auf einer forensischen Analyse des ehemaligen Apple-Dienstlaptops von Chang Liu. Liu war acht Jahre als Senior System Electrical Engineer bei Apple tätig, bevor er im Januar 2026 zu OpenAI wechselte.

Apple wirft ihm vor, vertrauliche Schaltpläne heruntergeladen und bei seiner neuen Tätigkeit eingesetzt zu haben. Dies soll auch das Training eines KI-Agenten umfasst haben.

Im Fokus steht ein Vorfall vom 18. März 2026. Liu rief laut Apple einen vertraulichen Schaltplan für einen Stromrichter aus dem internen Netzwerk ab und nutzte diesen in einer LTspice-Simulation.

Ein interner Chatverlauf, den Apple in Gerichtsunterlagen zitiert, deutet auf die Nutzung für einen KI-Agenten hin: Liu schrieb demzufolge, sein KI-Agent habe „learned how to run LTspice, look at result, tune compensation parameter“. Ein Kollege antwortete daraufhin: „Oh man! Why do they even need you then?“

Zudem beschuldigt Apple Liu und eine OpenAI-Kollegin, Yu‑Ting Peng, Beweismittel vernichtet zu haben. Dies geschah, nachdem Liu von einer internen Untersuchung bei Apple erfuhr. Apple beantragt aufgrund der neuen Beweise eine beschleunigte Beweisaufnahme, eine sogenannte expedited discovery, und eine einstweilige Verfügung.

Diese soll OpenAI die Nutzung von Apples Technologien in Hardwareprojekten untersagen. OpenAI weist die Vorwürfe zurück und beantragt die Abweisung der Klage.

Ausnutzung einer Zero-Day-Schwachstelle

Apple behauptet, Liu habe eine zuvor unbekannte Authentifizierungslücke in Apples internem Netzwerk ausgenutzt. Nach seinem Wechsel zu OpenAI soll er über Wochen hinweg Dutzende vertrauliche Dokumente heruntergeladen haben. Dazu zählen Engineering-Präsentationen, technische Spezifikationen und proprietäre Projektdaten.

Apple gibt an, die Schwachstelle inzwischen behoben zu haben. Eine Zusammenstellung der heruntergeladenen Dokumente umfasste laut Klageschrift mehr als tausend Seiten.

OpenAI verteidigt Lius Zugriff als „residual access“. Das Unternehmen erklärt, Liu habe ehemaligen Kollegen geholfen, die ihn um Unterstützung baten. OpenAI führt an, dies sei ein häufiges Problem, da Apple den Systemzugang von ausscheidenden Mitarbeitern nicht richtig verwalte.

Apple legt den neuen Schriftsätzen zufolge Beweise vor, die zeigen sollen, dass die Daten für Arbeiten bei OpenAI genutzt wurden.

Weitreichende Vorwürfe und OpenAIs Hardware-Ambitionen

Die Vorwürfe richten sich nicht nur gegen Chang Liu. In der Klage ist auch Tang Yew Tan genannt. Er war früher Vice President of Product Design für iPhone und Apple Watch bei Apple und verließ den Konzern im Februar 2024. Tan ist Mitbegründer von io Products; OpenAI übernahm das Unternehmen im Mai 2025 für 6,5 Milliarden US-Dollar. Tan ist bei OpenAI als Chief Hardware Officer benannt.

Apple wirft Tan vor, Bewerber gebeten zu haben, physische Bauteile aus unveröffentlichten Apple-Produkten, wie Akkus oder Mainboards, zu Vorstellungsgesprächen bei OpenAI mitzubringen. Dort sollen diese in „Show and Tell“-Sitzungen präsentiert worden sein. Der Konzern behauptet weiter, Tan habe neuen Mitarbeitern Ratschläge gegeben, wie sie Apples Sicherheitsmaßnahmen beim Austritt umgehen könnten.

Apple vermutet, elf weitere ehemalige Apple-Mitarbeiter könnten in ähnliche Aktivitäten verwickelt sein. Mehrere ehemalige Mitarbeiter hätten sich gemeldet, um Apple-Dienstgeräte zurückzugeben, die sie nach dem Wechsel zu OpenAI behalten hatten. Mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter arbeiten laut Schriftsätzen mittlerweile bei OpenAI.

Apple stellt die Vorwürfe in den Kontext von OpenAIs Plänen, ein Endkundengeschäft im Hardwarebereich aufzubauen, etwa KI-gestützte Smart Speaker. Ein geplanter Börsengang wird in den Schriftsätzen als zusätzlicher Druckfaktor genannt. OpenAI wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Klage unter anderem als „careless, aggressive and oddly personal“.

Das Unternehmen erklärte außerdem, man habe „we do not have, nor want, any of their trade secrets“ und sei „much more interested in building innovative products and technologies that push the frontier“.

Auswirkungen und Gerichtstermin

Der Fall wird am 1. Oktober 2026 vor Richter Edward J. Davila am zuständigen Bundesgericht in Kalifornien verhandelt. Dort werden die Anträge von Apple und OpenAI geprüft. Formal bleibt die kommerzielle Partnerschaft zwischen Apple und OpenAI, etwa die Integration von ChatGPT in Apple Intelligence und Siri, vorerst bestehen.

Der Streit verdeutlicht die Relevanz von Schutzmaßnahmen gegen Datendiebstahl und Industriespionage. Eine Bitkom-Studie aus August 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass 96 Prozent der deutschen Unternehmen von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen sind oder dies vermuten. Die geschätzten Schäden für die deutsche Wirtschaft werden darin mit 211 Milliarden bis 270,8 Milliarden Euro angegeben.

Die Studie weist zudem auf einen Anstieg KI-gestützter Angriffe und auf eine verstärkte Nutzung krimineller Strukturen durch Nachrichtendienste hin.