Hamburg etabliert sich zunehmend als Hotspot für digitale Innovationen. Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte schreibt hier das Startup Applike. Seit elf Jahren entwickelt das Unternehmen unter der Führung von Jonas Thiemann und Carlo Szelinsky Software zur Vermarktung von Spiele-Apps. Nach eigenen Angaben hat Applike weltweit über eine Milliarde App-Downloads ausgelöst.
Das Hamburger Unternehmen gilt als Marktführer im Segment der Spiele-App-Vermarktung. Im April 2022 wurde Applike mit rund einer halben Milliarde Euro bewertet.
Präzision durch Algorithmen: Das Geschäftsmodell
Applike betreibt ein Bonusprogramm für Nutzer von Spiele-Apps. Konsumenten laden die Applike-Software herunter und erhalten Punkte für das Spielen bestimmter mobiler Games. Diese Punkte können sie anschließend bei Partnern einlösen, beispielsweise für Gutscheine oder Prämien.
Applike generiert Einnahmen, sobald ein Nutzer über die Plattform ein Spiel anklickt und installiert. Das Unternehmen setzt auf intelligente Verhaltensalgorithmen, die mithilfe Künstlicher Intelligenz arbeiten. Eine eigene Automatisierungslösung namens „Evolix“ analysiert und prognostiziert das Nutzerverhalten in Apps.
Diese Technologie ermöglicht eine präzise Aussteuerung von Werbekampagnen. Sie prognostiziert, welche Nutzer welche Spiele mit hoher Wahrscheinlichkeit installieren und aktiv nutzen werden. Jonas Thiemann erklärt: „Wir sagen voraus, was der Nutzer vermutlich als Nächstes in der App tun wird.“
Der Ansatz hat sich laut Unternehmen bewährt, da Applike „weltweit mehr als eine Milliarde App-Downloads ausgelöst“ hat, so Thiemann.
Wachstum und globale Expansion
Applike verzeichnet einen Umsatz von 1 Milliarde US-Dollar. Von Januar bis Juni des laufenden Jahres gibt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 54 Prozent an.
Das Unternehmen wurde nach eigenen Angaben schnell profitabel und blieb es. Die Gründer Jonas Thiemann und Carlo Szelinsky lernten sich bei einem Start-up-Wettbewerb an der Wirtschaftshochschule WHU kennen. Thiemann sagt dazu: „Das erste Startup hat uns gelehrt, wirklich genau aufs Geld zu schauen.“
Applike agiert von Hamburg aus global und ist weltweit in über 1.000 Apps integriert. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird in den USA erwirtschaftet. Weniger als zehn Prozent der Einnahmen stammen aus Deutschland. Zum Jahresstart eröffnete Applike das erste Büro in Brasilien, um das Geschäft in Südamerika auszubauen.
Bertelsmanns Rolle und Wettbewerbsvergleich
Ein zentraler Wachstumsfaktor ist die Beteiligung des Medienunternehmens Bertelsmann aus Gütersloh. Bertelsmann ist Hauptinvestor und hält die größte Beteiligung an Applike. Jonas Thiemann und Carlo Szelinsky besitzen jeweils zehn Prozent am Unternehmen.
Im April 2022 investierte Bertelsmann rund 100 Millionen Euro in Applike. Die Unternehmensbewertung lag zu diesem Zeitpunkt bei etwa einer halben Milliarde Euro.
Applike ist Teil der Sparte „Next“ von Bertelsmann Investments. Carsten Coesfeld, Chef von Bertelsmann Investments, bezeichnet Applike als „besondere Erfolgsgeschichte für Bertelsmann Investments“. Coesfeld betont zudem eine langfristige Ausrichtung bei Beteiligungen, was einen schnellen Exit nicht in den Vordergrund rückt.
Wie viel Risikokapital Bertelsmann insgesamt in Applike investiert hat, kommuniziert der Konzern nicht im Detail.
Im globalen Wettbewerb wird Applike unter anderem mit Applovin verglichen. Der börsennotierte Konkurrent aus den USA wird mit über 100 Milliarden US-Dollar bewertet und nähert sich einem Quartalsumsatz von zwei Milliarden US-Dollar. Thiemann kommentiert diesen Vergleich prägnant: „Die größten Firmen der Welt sind Firmen, die Geld mit Werbung verdienen.“
Technologische Innovation: Der Sprung zur generativen KI
Applike investiert in Forschung und Entwicklung, insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz. Das Unternehmen plant den Launch einer KI-Lösung, die ähnlich einem Sprachmodell (Large Language Model, LLM) funktioniert, bis zum Jahresende. Thiemann führt aus: „Die KI, die ähnlich wie ein LLM, also ein Sprachmodell, funktioniert, werden wir bis Jahresende launchen.“
Jonas Thiemann äußerte sich zudem zur Zukunft des Unternehmens: „Ich bin überzeugt, dass Applike eine der größten deutschen europäischen Technologiefirmen werden kann.“ Er ergänzte seine Vision mit den Worten: „Mein Hauptanliegen ist, zu zeigen, dass man es in Deutschland schaffen kann.“
Ausblick: Offene Fragen und Beobachtungen
Applike hat sich in elf Jahren vergleichsweise zurückhaltend in der Öffentlichkeit entwickelt. Das Unternehmen gibt zwar Umsatz- und Wachstumszahlen an, wollte laut Recherche jedoch nicht alle Geschäftszahlen detailliert offenlegen. Thiemann vermied es im Gespräch mit dem Handelsblatt, konkrete Geschäftszahlen zu nennen.
Ob und wann Applike den Schritt an den Kapitalmarkt wagen wird, bleibt offen. Thiemann äußert sich dazu nicht. Bertelsmann-Manager Coesfeld betont unterdessen eine langfristige Perspektive.
Die Expansion nach Südamerika und die angekündigte KI-Entwicklung sind zentrale Bestandteile der aktuellen Unternehmensstrategie. Analysten werden die Umsatzentwicklung und die Marktfähigkeit der neuen KI-Lösungen genau beobachten, um das weitere Potenzial von Applike einzuschätzen.







