Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci haben ein neues Unternehmen namens Arife gegründet. Dieser Schritt, der die weitere Entwicklung von mRNA-Therapien in Mainz fokussiert, signalisiert ein klares Bekenntnis zum Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland. Zudem zerstreut er Befürchtungen, die Gründer könnten ins Ausland abwandern.
Arife firmiert als Europäische Aktiengesellschaft (SE) und wurde am 1. September in Mainz registriert. Dies geschah vor dem angekündigten Ausscheiden der Gründer aus ihren operativen Rollen bei Biontech Ende 2026.
Mit Arife wollen Sahin und Türeci wieder stärker in die Forschung einsteigen. Sie setzen damit ihre Pionierarbeit fort, die sie mit dem Covid-19-Impfstoff weltweit bekannt gemacht und Biontech Milliardenerträge beschert hat. Sahin und Türeci bleiben mit rund 16 Prozent der Aktien weiterhin Anteilseigner von Biontech.
Fokus auf nächste Generation der mRNA-Therapien
Arife konzentriert sich auf die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung pharmazeutischer Produkte. Im Mittelpunkt stehen mRNA-Therapien sowie die Erforschung der nächsten Generation mRNA-basierter Medikamente. Biontech selbst konzentriert sich derweil zunehmend auf die Onkologie.
Für Arife ist eine Belegschaft im niedrigen dreistelligen Bereich geplant, wovon ein Großteil von Biontech wechseln soll. Das Grundkapital des neuen Unternehmens beträgt 120.000 Euro. Als designierter Finanzvorstand ist Michael Maximilian Kring vorgesehen. Er war bereits von 2009 bis 2014 Finanzchef bei Biontech und ist derzeit Finanzchef von Cellbrick Therapeutics.
Standort Deutschland als bewusste Wahl
Die Entscheidung für Mainz als Unternehmenssitz wird von lokalen Akteuren als Bestätigung des regionalen Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts gewertet. Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) äußerte sich erfreut über den Verbleib der Gründer und hob die geschaffenen Rahmenbedingungen für Investitionen hervor. Die Stadt Mainz nahm in den Jahren 2021 und 2022 fast 3,3 Milliarden Euro an Gewerbesteuern ein, maßgeblich durch Biontech.
Karina Szwede, Hauptgeschäftsführerin der IHK Rheinhessen, bezeichnet die Entscheidung als wichtiges Signal für die Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze und die Stärkung des Umfelds aus Forschung, Startups und etablierten Unternehmen. Der Name Arife ist ein weiblicher Vorname türkischer Herkunft und bedeutet im Türkischen „die Wissende“. Die Gründung zerstreut frühere Befürchtungen, Sahin und Türeci könnten ihre nächste unternehmerische Herausforderung im Ausland suchen, etwa dort, wo Wagniskapital leichter verfügbar sei oder die Börsenfantasie ausgeprägter erscheine.
Herausforderungen bei Aufteilung von Know-how und Personal
Die Trennung zwischen Biontech und Arife gestaltet sich komplex. Berichten zufolge sind Verhandlungen über die Aufteilung von Vermögenswerten, Patenten und Personal noch nicht abgeschlossen. Zwischen den Unternehmen besteht demnach ein Streit um Umfang und Bedingungen der Abspaltung. Eine Einigung ist noch nicht unterschrieben, ein vollständiger Abbruch der Verhandlungen wird nicht ausgeschlossen.
Die Übertragung von Know-how und Patentrechten stellt eine zentrale Herausforderung dar. Patente für Wirkstoffe liegen derzeit bei Biontech. Ein diskutiertes Modell sieht vor, dass Biontech relevante Rechte und Technologien in Arife einbringt und dafür eine Minderheitsbeteiligung sowie Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren erhält.
Arife würde demnach einen Teil der frühen Forschung übernehmen und geeignete Wirkstoffe später an Biontech zur klinischen Weiterentwicklung übergeben. Ob dieses Modell umgesetzt wird, bleibt offen; insbesondere Özlem Türeci soll Berichten zufolge Vorbehalte gegenüber Biontechs Position in dieser Frage haben.
In den betroffenen Forschungsteams herrscht laut Berichten noch Unklarheit, da beide Unternehmen auf historisch gewachsenes Wissen um die mRNA-Technologie zugreifen wollen. Zudem gibt es Berichte, dass Sahin Vertraute aus dem Biontech-Team für Arife gewinnen will; solche Abwerbeversuche könnten eine Schwächung für Biontech bedeuten. Im Unternehmensregister sind derzeit ein Vorstand und drei Aufsichtsräte für Arife aufgeführt; die finale Zusammensetzung der Unternehmensspitze nach dem Ausscheiden von Sahin und Türeci bei Biontech ist noch nicht öffentlich bekannt.
Ausblick: Ein Neubeginn mit Komplikationen
Arife soll den operativen Betrieb am 1. Januar 2027 aufnehmen. Guido Oelkers soll spätestens am 1. Februar 2027 den Vorstandsvorsitz bei Biontech antreten.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie die Verhandlungen zwischen Biontech und Arife ausgehen. Beobachter achten auf eine zeitnahe Einigung, da diese sowohl die Startbedingungen für Arife als auch die strategische Ausrichtung von Biontech beeinflusst. Die Folgen könnten weitreichend für den Forschungsstandort Deutschland sein.







