Arqus Aerospace: Neuordnung der Verteidigungsökonomie durch Dual-Use-Systeme
Arqus Aerospace, ein Unternehmen mit Sitz in München und hybridem Arbeitsmodell, entwickelt taktische Sicherheitsinfrastruktur gegen Roboterschwärme und orbitale Bedrohungen. Das Unternehmen konzentriert sich auf Low-Cost-Energiesysteme, die die wirtschaftliche Kostenkurve zugunsten des Verteidigers verschieben sollen. Arqus adressiert dabei sowohl terrestrische als auch orbitale Domänen.
Im Rahmen einer Projektstudie in Kooperation mit der Technischen Universität München (TUM) sucht Arqus derzeit Unterstützung für verschiedene kommerzielle Strategieprojekte.
Strategische Geschäftsfelder für zivile und militärische Märkte
Die kommerzielle Ausrichtung von Arqus umfasst vier strategische Projekttracks. Diese dienen der Entwicklung kommerzieller Geschäftsmodelle für Anwendungen am Boden und im Orbit.
- Track 01: Hier definiert und validiert Arqus eine Go-to-Market-Strategie für den Schutz kritischer ziviler Infrastruktur in Deutschland. Der Fokus liegt auf Abwehrmaßnahmen gegen unbemannte Flugsysteme (Counter-UAS).
- Track 02: Ziel ist die Geschäftsmodellierung zur Weltraumschrottreduktion und -versicherung. Arqus entwickelt ein kommerzielles Modell für Deorbiting und Nudging in Zusammenarbeit mit Weltraumversicherern und Satellitenbetreibern.
- Track 03: Dieser Track beinhaltet den Aufbau, Einsatz und die Validierung eines B2G Lead Trackers und Governmental Sales Cycle Tools. Es soll die Sales-Pipelines für langzyklische staatliche und verteidigungsbezogene Beschaffungsprozesse verfolgen.
- Track 04: Arqus konzentriert sich auf das Investment Management für nicht-dilutive Finanzierungen. Dazu gehören der Aufbau und die Umsetzung einer Roadmap für Zuschüsse, öffentliche Forschungs- und Entwicklungsfonds sowie Verteidigungsinitiativen.
Parallel zur terrestrischen Strategie arbeitet Arqus an Konzepten zur Reduktion von Weltraumschrott. Diese Initiative bindet Versicherer und Konstellationsbetreiber ein und adressiert das wachsende Orbitalvolumen. Prognosen zufolge starten bis 2035 voraussichtlich mehr als 6.500 Erdbeobachtungssatelliten. Dies generiert Fertigungsaufträge von rund 160 Milliarden US-Dollar.
Finanzierung im Wandel der Beschaffung
Arqus verfolgt explizit den Aufbau eines Investment Managements für nicht-dilutive Finanzierungen, wie Zuschüsse und öffentliche Forschungsfonds, beschrieben in Track 04. Diese Strategie steht im Kontext eines wachsenden „Commercial-First“-Ansatzes, den die US-Regierung für nationale Sicherheitsraumfahrtsysteme verfolgt. Die US-Regierung nutzt dabei bestehende kommerzielle Fähigkeiten, statt alle Technologien selbst zu entwickeln und zu betreiben.
Dies senkt Vorabinvestitionen und hebelt private Investitionen.
Der Aufbau eines B2G Lead Trackers und eines Governmental Sales Cycle Tools soll die Verfolgung langzyklischer staatlicher Beschaffungsprozesse erleichtern. Solche Prozesse gelten als komplex und zeitaufwendig. Sie stellen für junge Firmen eine Herausforderung dar, bieten aber auch Zugang zu staatlichen Budgets.
Als Beispiel für das Volumen staatlicher Aufträge nennt die EU-Konstellation IRIS². Sie umfasst mindestens 348 Satelliten und geschätzte Gesamtkosten von 15,6 Milliarden Euro. Für die MEO-Schicht von IRIS² erhielt OHB einen Auftrag über knapp 1 Milliarde Euro für den Bau von 18 Satelliten.
In einem anderen Bericht wird der Auftragswert mit rund 1,2 Milliarden US-Dollar beziffert.
Kommerzialisierung von Weltraum und Verteidigung: Ausblick
Arqus’ Vorhaben agiert in einem Marktumfeld, in dem kommerzielle Akteure im Verteidigungs- und Raumfahrtbereich zunehmend an Bedeutung gewinnen. Verteidigungsnutzer fordern souveränen Zugang zu Erdbeobachtungsfähigkeiten, während kommerzielle Betreiber zunehmend Partner bei deren Bereitstellung werden. Diese Entwicklung beeinflusst Konstellationsarchitekturen, Beschaffungsstrategien und Investitionsentscheidungen maßgeblich.
Marktrecherchen zeigen, dass Faktoren wie Wiederbesuchsraten, Persistenz, großflächige Abdeckung und Interoperabilität stärker in den Vordergrund rücken. Die reine Bildauflösung verliert indes an relativer Bedeutung. Technologische Trends umfassen zudem leistungsfähigere On-Board-Computing-Lösungen und Edge-Computing im Orbit.
Auch Diskussionen zu Startkapazitäten und Materialwissenschaften im Weltraum prägen den Markt. Die Projektstudie mit der TUM soll die kommerziellen Ansätze von Arqus weiter konkretisieren. Der genaue Gründungsstatus von Arqus ist aus der verfügbaren Ausschreibung nicht eindeutig ersichtlich, doch deuten die Formulierungen in der Studienbeschreibung auf ein frühes Stadium hin.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Ergebnisse der Studien und die Beschaffung nicht-dilutiver Mittel auf die kommerzielle Etablierung des Unternehmens auswirken werden.







