Asiatische Aktienmärkte stehen aktuell unter erheblichem Druck. Steigende Ölpreise, ausgelöst durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten und einen auf den Golf von Mexiko zusteuernden Sturm, belasten die Handelsplätze. Hinzu kommen anhaltende Sorgen um globale Anleiherenditen sowie die Erwartung weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank, welche die Risikobereitschaft von Anlegern dämpfen.

Besonders technologielastige Märkte in Südkorea und Japan verzeichnen ausgeprägte Verluste. Diese Märkte gelten als zinsreagibel und sind laut Berichten stärker von Öllieferungen abhängig. Parallel dazu zeigen die US-Märkte an der Wall Street teilweise Rekordstände, was eine Divergenz in der globalen Anlegerstimmung unterstreicht.

Geopolitische Spannungen treiben Ölpreise

Die Ölpreise legen zu. Die Nordseesorte Brent notiert über 106 US-Dollar pro Barrel und verzeichnet seit September einen Zuwachs von über 18 Prozent. Auch US-Öl der Sorte WTI steigt im Preis.

Ursächlich für den Anstieg sind anhaltende Konflikte zwischen Saudi-Arabien und den Huthi-Rebellen im Jemen. Zudem beeinflussen Spannungen zwischen den USA und dem Iran in der Straße von Hormus die Preisentwicklung.

Die Straße von Hormus, ein wichtiger Engpass für etwa ein Fünftel des weltweiten Seeölhandels, ist bisher nicht blockiert. Schiffsverfolgungsdienste melden jedoch gestaute Tanker. Dies ist ausgelöst durch Ängste vor Angriffen und Probleme mit Versicherungen.

US-Präsident Donald Trump lehnte einen iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus ab, kündigte aber an, die Gespräche fortzusetzen.

Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen weist darauf hin, dass ein massiver und länger anhaltender Ölpreisanstieg schwerwiegende Folgen für die Weltwirtschaft hätte.

Zinsangst dominiert Anleihemärkte

Neben den Ölpreisen belasten steigende globale Anleiherenditen die Marktstimmung. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg auf 5,5185 Prozent und näherte sich damit ihrem höchsten Stand seit 2004. Auch die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen liegen über fünf Prozent.

Diese Entwicklung spiegelt eine Neubewertung der Zinserwartungen für die Federal Reserve wider. Mark Cabana, Rates-Stratege bei der Bank of America, beurteilt erhöhte Renditen als eine wichtige Quelle der Volatilität.

Die US-Erzeugerpreise fielen höher aus als erwartet, was Inflationssorgen schürt und die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung durch die Fed erhöht. Am Zinsterminmarkt sind Wahrscheinlichkeiten von 72 Prozent beziehungsweise 66 Prozent für eine weitere Zinserhöhung im Oktober eingepreist. Anleger warten auf das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung und die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreise für August, die als wichtig für die zukünftige Zinsentscheidung gelten.

Asiatische Indizes unter Druck

Die Kombination aus höheren Ölpreisen und Zinsunsicherheit setzt die asiatischen Aktienindizes unter Druck. Der südkoreanische KOSPI fiel je nach Quelle um rund zwei bis über drei Prozent. Einzelne Werte wie Samsung Electronics und SK Hynix verzeichneten dabei Verluste von mehr als vier Prozent.

Der japanische Nikkei 225 brach zum Handelsstart ein und wies im Tagesverlauf teils deutlich negative Ergebnisse auf. Berichte sprechen von Verlusten bis zu 5,2 Prozent. Auch der TOPIX gab nach.

In China sank der Shanghai Composite um etwa 1,8 Prozent. Der CSI 300 fiel je nach Quelle um bis zu 2,3 Prozent. Der Hang Seng in Hongkong notierte in einem berichteten Spannungsfeld zwischen rund 0,9 und 1,4 Prozent Verlust. Die Märkte in Indien gaben ebenfalls nach; der Nifty 50 verlor mehr als ein Prozent.

Der Chipherstellersektor geriet zusätzlich unter Druck, nachdem OpenAI das Training einiger fortschrittlicher KI-Modelle pausiert hatte. Dies löste Befürchtungen einer Verlangsamung der KI-Entwicklung und damit geringerer Nachfrage nach Halbleiterchips aus. Unternehmen wie Kioxia Holdings und Semiconductor Manufacturing International Corp (SMIC) verzeichneten Kursrückgänge.

Ausblick: Fokus auf Geldpolitik und Rohstoffmärkte

Die Entwicklung der asiatischen Aktienmärkte bleibt eng mit der weiteren Entwicklung der Energiepreise und der globalen Geldpolitik verknüpft. Die Unsicherheit über den Verlauf der Konflikte im Nahen Osten und deren mögliche Auswirkungen auf die Ölversorgung wird weiterhin die Rohstoffmärkte beeinflussen. Analysten beobachten die bevorstehenden Entscheidungen der Federal Reserve genau.

Jede Änderung im Ton der US-Notenbank bezüglich weiterer Zinsschritte kann die globalen Kapitalströme und damit die asiatischen Märkte beeinflussen. Zudem gibt es Erwartungen an mögliche Zinsschritte der Bank of Japan im Oktober, um der Yen-Schwäche zu begegnen, was Folgen für den Nikkei und die Region haben könnte. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich die Lage an den Ölmärkten entspannt und ob die Zinsängste nachlassen.

Bis dahin werden Investoren den 7.000-Punkte-Bereich im Auge behalten, wie Kiwoom-Securities-Stratege Han Ji-young hinsichtlich des KOSPI anmerkt. US-Arbeitsmarktdaten, koreanische Exportzahlen und Ergebnisse von Micron gelten als nächste Tests für die Stimmung im Halbleitersektor.