Europas wertvollstes börsennotiertes Unternehmen ASML meldet für das dritte Quartal 2026 einen deutlichen Umsatz- und Gewinnsprung. Trotz dieser Zahlen und eines angehobenen Ausblicks für das Gesamtjahr reagierte der Markt zunächst verhalten. Analysten achten besonders auf die weitere Entwicklung der Margen und das langfristige Wachstum.

ASML verzeichnet deutliches Wachstum

ASML, der weltweit größte Anbieter von Halbleiter-Produktionsanlagen, berichtet für das dritte Quartal 2026 einen Umsatz von 11,66 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal 2026 lag der Umsatz noch bei 9,3 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis im dritten Quartal beläuft sich auf 4,96 Milliarden Euro, verglichen mit 2,9 Milliarden Euro im Vorquartal.

Christophe Fouquet, CEO von ASML, kommentierte: „Wir haben einen Rekordumsatz erwirtschaftet.“ Ein Ende des aktuellen Wachstums sei nicht in Sicht. Das Unternehmen führt diese Entwicklung maßgeblich auf die anhaltend hohe Nachfrage nach Hochleistungsprozessoren zurück, insbesondere für KI-Anwendungen.

Markt reagiert verhalten trotz positivem Ausblick

Am Tag der Meldung verzeichnete die ASML-Aktie auf Tradegate einen leichten Abschlag von rund einem Prozent und notierte bei 1.496 Euro. Nach den Ergebnissen des zweiten Quartals 2026 hatte der Kurs noch um etwa vier Prozent zugelegt.

ASML hob die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 auf 44 bis 45 Milliarden Euro an. Zuvor lag die Spanne bei 43 bis 45 Milliarden Euro. Für das vierte Quartal 2026 prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz zwischen 14,2 und 15,2 Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge von 57 Prozent. Die Analystenerwartung für den Umsatz lag bei 14,19 Milliarden Euro, für die Bruttomarge bei 55,4 Prozent.

Kapazitätsausbau und die Rolle Chinas

ASML plant, die Produktionskapazitäten für moderne EUV- und DUV-Anlagen in den kommenden Jahren auszuweiten. Ziel ist, die Low-NA-EUV-Kapazität von rund 65 Einheiten im Jahr 2026 auf etwa 85 Einheiten für 2027 zu steigern. Das entspricht einem Plus von rund 30 Prozent.

Für 2028 werden weitere 30 Prozent Kapazitätserweiterung geprüft. Bei DUV-Immersions-Anlagen ist eine Steigerung von etwa 130 Einheiten im Jahr 2026 auf rund 170 Einheiten für 2027 vorgesehen.

EUV-Anlagen für 2027 sind bereits ausverkauft. Das Unternehmen nimmt laut Angaben bereits Aufträge für 2028 an. Analysten wie Javier Correonero von Morningstar sehen im vollen Auftragsbestand Potenzial für weiteres Wachstum.

Dies gelte insbesondere, wenn Prognosen für 2029 und 2030 konkreter werden. Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor für die Umsatzentwicklung 2027 sind Lieferungen nach China. Eine weitere Verschärfung der Exportregeln durch die US-Regierung würde ein Risiko für ASML darstellen.

ASML gilt als einzig verfügbares Unternehmen für die Schlüsseltechnologie moderner Lithografie-Systeme. Das Unternehmen kommt auf schätzungsweise 94 Prozent Marktanteil bei Lithografie-Anlagen.

Ausblick auf zukünftige Entwicklungen

Die Quartalszahlen bestätigen die derzeit dominante Marktstellung von ASML im Bereich Lithografie. Dies wird durch die anhaltende Nachfrage nach KI-Chips gestützt. Der angehobene Ausblick für 2026 und die geplanten Kapazitätserweiterungen deuten auf Vertrauen in die Nachfrage hin.

Jefferies beließ die Empfehlung für die ASML-Aktie nach den Zahlen des dritten Quartals auf „Hold“ mit einem Kursziel von 1.650 Euro.

Für die weitere Bewertung bleiben insbesondere die Entwicklung der Bruttomarge nach dem vierten Quartal sowie politische Eingriffe in Form von Exportbeschränkungen, vorrangig im Verhältnis zu China, zentrale Faktoren. Marktteilnehmer werden zudem Bestellungen für 2028 und Aussagen zu den Jahren 2029 und 2030 genau verfolgen. Damit lässt sich das langfristige Wachstumspotenzial des Chipausrüsters besser einschätzen.