Autohaus König meldet Insolvenz an: Druck auf den deutschen Fahrzeughandel wächst
Die Autohaus-Gruppe König, der größte Renault-Händler Deutschlands, hat Insolvenz beantragt. Das Amtsgericht Charlottenburg bestätigte am 1. September 2026 die Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters für die Autohaus König GmbH und ihre hundertprozentige Tochtergesellschaft in Teltow.
Dieser Schritt verdeutlicht den anhaltenden Druck auf den deutschen Fahrzeughandel. Die Branche steht zwischen strukturellem Wandel und konjunkturellen Herausforderungen.
Betrieb läuft trotz hoher Belastungen weiter
Das Unternehmen, 1966 in Berlin gegründet, betrieb zuletzt rund 80 bis 84 Standorte in Deutschland. Trotz jüngster operativer Erfolge sieht es sich erheblichen finanziellen Belastungen gegenüber. Autohaus König vertreibt Marken wie Renault, Dacia, Opel, Fiat, Jeep, Suzuki, BYD, Kia und Citroën.
Im ersten Quartal 2025 wurden nach eigenen Angaben 11.600 Fahrzeuge verkauft und ein Werkstattumsatz von 6,8 Millionen Euro erzielt. Dies markierte neue Höchstwerte für das Unternehmen.
Die letzten offiziellen Zahlen von September 2023 bis August 2024 wiesen einen Umsatz von 570 Millionen Euro und einen Gewinn von rund 1,2 Millionen Euro aus. Zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung standen diesen Kennzahlen jedoch Verbindlichkeiten von über 212 Millionen Euro gegenüber. Die liquiden Mittel betrugen 1,3 Millionen Euro, ergänzt durch ein nicht abgerufenes Kreditdarlehen von 250.000 Euro.
Der Geschäftsbetrieb läuft nach Auskunft der Geschäftsführung und des vorläufigen Insolvenzverwalters Dr. Rainer Eckert uneingeschränkt weiter. Dies betrifft Verkauf, Werkstätten, Ersatzteilversorgung und alle Serviceleistungen an den rund 80 Standorten.
Auch laufende Aufträge, Reparaturen und Fahrzeugbestellungen sollen planmäßig bearbeitet werden. Rund 1200 Mitarbeitende sind von dem Verfahren betroffen; ihre Löhne für August 2026 sind über das Insolvenzgeld gesetzlich abgesichert. Die Geschäftsführung betonte, bis zuletzt intensiv um eine Lösung außerhalb der Insolvenz gerungen zu haben.
Gläubigerausschuss installiert, Hersteller reagieren
Für die betroffenen Gesellschaften wurde ein vorläufiger Gläubigerausschuss eingesetzt. Zu dessen Mitgliedern gehören Vertreter von Renault, der Stellantis Bank, Euler Hermes und der Bundesagentur für Arbeit. Ein Sprecher von Stellantis, einem der größten Partner der König-Gruppe, äußerte Bedauern über die Insolvenzbeantragung.
Stellantis arbeitete in den Wochen zuvor gemeinsam mit Management, Finanzierungs- und Beratungspartnern intensiv an einer Restrukturierungs- und Finanzierungslösung. Trotz Prüfung verschiedener Optionen konnte kurzfristig keine nachhaltige Gesamtlösung aller Beteiligten erzielt werden. Stellantis kündigte an, den weiteren Prozess konstruktiv zu begleiten.
Die Zusammenarbeit mit Stellantis Financial Services und dem Insolvenzverwalter soll Fortführungs-, Sanierungs- oder Nachfolgelösungen prüfen.
Insolvenzverwalter Dr. Rainer Eckert hob das Geschäftsmodell und das Engagement der Mitarbeitenden hervor. Die konstruktive Haltung der Herstellerpartner und die Bereitschaft aller Beteiligten, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten, stimmten ihn zuversichtlich für den weiteren Verlauf des Verfahrens.
Die Mehrheitsgesellschafterin Dagmar König suchte Berichten zufolge bereits im Vorfeld nach einem Käufer für ihre Anteile.
Autohandel in der Krise: Symptom einer Branchenentwicklung
Branchenbeobachter werten die Insolvenz des Autohauses König als symptomatisch für die Krise des deutschen Automobilhandels. Der Sektor leidet unter wachsenden Vorgaben der Hersteller, steigender Bürokratie und einer schwächeren Konsumlaune. Die Transformation vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb erfordert zudem Investitionen in digitale Prozesse und Ladeinfrastruktur, während die Margen unter Druck geraten.
Helmut Peter, Präsident des Thüringer Kfz-Landesverbands, sieht einen wesentlichen Grund für die Schwierigkeiten der Autohaus König GmbH in ihrem raschen Wachstum. Damit verbunden waren Herausforderungen bei der professionellen Steuerung der Beziehungen zu Herstellern und Importeuren. Große Autohausgruppen mit vielen Standorten sind demnach besonders anfällig bei einer Abschwächung der Nachfrage oder veränderten Herstellerkonditionen.
Die genaue Ursache für die Zahlungsunfähigkeit, trotz positiver Betriebsleistung im ersten Quartal 2025, bleibt Gegenstand der Untersuchung.
Medien und Beobachter nannten als mögliche Ursachen zudem hohe Finanzierungskosten und eine aggressive Wachstumsstrategie durch Übernahmen. Für Kunden mit Anzahlungen bemühen sich Geschäftsführung und Insolvenzverwalter in Abstimmung mit den Herstellerpartnern um individuelle Lösungen. Branchenvertreter erwarten voraussichtlich keine größeren Nachteile für Kunden, da Verträge und Garantieansprüche bei Übernahmen üblicherweise bestehen bleiben.
Sanierung im Blick: Die Zukunft einer Branche
Die nächsten Schritte im Insolvenzverfahren konzentrieren sich auf die Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und die Erarbeitung eines Sanierungskonzepts. Der vorläufige Insolvenzverwalter wird die finanzielle Lage der Unternehmensgruppe detailliert prüfen und Gespräche mit allen Gläubigern, Banken und Herstellerpartnern führen. Ziel ist die nachhaltige Restrukturierung und Fortführung des Unternehmens, um Arbeitsplätze zu sichern und die Kundenversorgung aufrechtzuerhalten.
Die Branche beobachtet, inwieweit eine Sanierung gelingt und welche Lehren aus diesem Fall für den deutschen Automobilhandel gezogen werden können. Die Gründung des Verbandes der Automobilhändler Deutschlands (VAD) am 18. September 2025, rund ein Jahr vor der Insolvenzanmeldung des Autohauses König, werten Berichte als Zeichen für zunehmenden Konsolidierungs- und Anpassungsdruck im Sektor.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich der Fahrzeughandel in diesem Spannungsfeld neu aufstellt.







