Der Berliner Netzwerkhersteller AVM forciert den Generationswechsel im Heimnetz und bringt schrittweise neue Router auf Basis des aktuellen Standards Wi-Fi 7 auf den Markt. Während die Neuzugänge gesteigerte Datendurchsätze und moderne Vernetzungsstandards bieten, setzt das Unternehmen zugleich den Rotstift an zentralen Ausstattungsmerkmalen an. Das deutet auf eine gezielte Segmentierung hin, mit der der deutsche Marktführer Kostenvorteile realisiert und höherpreisige Glasfaser-Kombi-Modelle abgrenzt.
Der VDSL-Nachfolger und die Sechs-Gigahertz-Lücke
Im Mittelpunkt des Modellwechsels für traditionelle Kupferanschlüsse steht die FRITZ!Box 7690, die als Nachfolger des Modells 7590 AX antritt. Das Gerät unterstützt Supervectoring 35b mit Datenraten von bis zu 300 MBit/s und kombiniert das DSL-Modem mit dem Funkstandard IEEE 802.11be. Nach Angaben des Herstellers verdoppelt die Neuentwicklung den theoretischen WLAN-Durchsatz gegenüber dem Vorgänger auf kumuliert bis zu 7.200 MBit/s.
Konkret stehen rechnerisch bis zu 5.760 MBit/s im 5-GHz-Band und bis zu 1.440 MBit/s im 2,4-GHz-Bereich zur Verfügung. Technisch bedeutet das einen Kompromiss: AVM konzipiert die 7690 als reines Dualband-Gerät mit acht Antennen und verzichtet auf das 6-GHz-Frequenzband.
Dieses Spektrum gilt in der Netzwerktechnik als zentraler Baustein von Wi-Fi 7, weil dort breitere Kanäle, geringere Latenzen und die volle Leistungsfähigkeit der Multi-Link-Operation zum Tragen kommen. Endgeräte mit Wi-Fi-7-Chipsatz wie das Samsung Galaxy S25 Ultra oder das iPhone 16 Pro Max schöpfen die Vorzüge des Standards an einem reinen Kupferanschluss mit Dualband-Router somit nur eingeschränkt aus. Das Fehlen des Frequenzbereichs dient erkennbar dazu, höher positionierte Pro-Modelle funktional abzuheben.
Sparmaßnahmen bei Schnittstellen und Modellhierarchie
Neben dem Verzicht auf das 6-GHz-Band zeigt die Hardwarearchitektur weitere Einsparungen. AVM stattet die FRITZ!Box 7690 sowie die FRITZ!Box 6670 Cable nur mit einem USB-2.0-Port aus, während beim Vorgänger 7590 AX noch zwei USB-3.0-Anschlüsse verbaut waren. Das Kabelmodell 6670 bietet trotz DOCSIS-3.1-Unterstützung und integriertem DVB-C-Fernsehtuner ebenfalls nur die langsamere Schnittstelle.
Der Rückschritt reduziert laut Hersteller Lizenz- und Schaltungskosten. Zudem vermindert er mögliche Hochfrequenzstörungen, die USB 3.0 im 2,4-GHz-Bereich verursachen kann. Für Anwender, die den Router als einfachen Netzwerkspeicher einsetzen, bedeutet die Drosselung jedoch spürbar geringere Übertragungsraten.
Gleichzeitig steigt das Preisniveau: Die FRITZ!Box 7690 startet mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 329 Euro. Anschlussseitig bietet das Gerät zwei 2,5-Gigabit-LAN-Ports, von denen einer als WAN nutzbar ist, sowie zwei klassische Gigabit-Buchsen.
Eine umfassendere Ausstattung bleibt Modellen wie der FRITZ!Box 5690 Pro vorbehalten. Dieser Hybrid-Router vereint ein Glasfaser-Modem für GPON und AON mit einer VDSL-Einheit und bietet Triband-Wi-Fi 7 inklusive 6-GHz-Band. Die theoretische Bruttobandbreite summiert sich auf bis zu 18.490 MBit/s.
Zudem verfügt das Modell über einen USB-3.1-Anschluss. Mit einem Preis von rund 321 Euro UVP beziehungsweise etwa 356 Pfund in Großbritannien positioniert AVM das Gerät als Brückentechnologie für den Umstieg von Kupfer auf Glasfaser.
Smart Home und Peripherie als Wachstumshebel
Parallel baut das Unternehmen die Smart-Home-Funktionen aus. Neben dem proprietären Standard DECT-ULE integrieren die neuen Router erstmals native Zigbee-Funkchips. Das Betriebssystem FRITZ!OS 8 bereitet die Geräte softwareseitig zudem auf den Standard Matter vor und führt erweiterte Energiemonitoring-Funktionen ein, um Verbrauchswerte von Netzwerkknoten detailliert zu erfassen.
Die Hardware-Offensive flankiert AVM mit passender Peripherie. Für den Ausbau der Reichweite stehen der Steckdosen-Repeater FRITZ!Repeater 1700 für 109,99 Euro sowie der FRITZ!Repeater 2700 für 149 Euro bereit. Letzterer erreicht Bruttoraten von bis zu 6,5 GBit/s und stellt einen 2,5-Gigabit-LAN-Port bereit.
Für ältere Endgeräte führt der Hersteller den FRITZ!WLAN Stick 6700 zu einem Preis von 65 Euro ein. Der Client unterstützt die Bänder 2,4 GHz, 5 GHz und 6 GHz sowie Multi-Link-Operation, setzt softwareseitig allerdings Windows 11 voraus. Reine Glasfaserkunden adressiert AVM mit der FRITZ!Box 5690, die ohne DSL-Modem zu einer UVP von 319 Euro erscheint und über USB 3.0 verfügt.
Wirtschaftliche Einordnung und Marktreaktionen
Im Kerngeschäft mit Netzbetreibern wie Deutsche Telekom, Vodafone, 1 und 1 sowie O2 balanciert AVM den technischen Fortschritt gegen steigende Produktionskosten ab. Die Beschränkung auf Dualband bei volumenstarken VDSL- und Kabelmodellen spart teure Hochfrequenzkomponenten, senkt den Energieverbrauch und schützt die Margen der Pro-Serie.
Branchenbeobachter sehen in dieser Strategie gleichwohl Risiken. Während AVM im deutschsprachigen Raum eine traditionell treue Kundschaft bindet, drängen internationale Wettbewerber zunehmend mit Triband-Geräten in den Markt. Für Systemintegratoren und Unternehmenskunden, die anspruchsvolle Homeoffice-Strukturen aufbauen, fällt der Verzicht auf das 6-GHz-Band ins Gewicht.
In den kommenden Quartalen wird sich an den Abrufzahlen der Provider zeigen, ob Kunden den Einstiegspreis von 329 Euro für die funktional reduzierte VDSL-Spitze mittragen oder die Nachfrage schneller als erwartet zu reinen Glasfaserlösungen abwandert.







