Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und ihr Chef Mark Branson prüfen Probleme bei offenen Immobilienfonds. Branson hat in der Vergangenheit bereits Übernahmen wie die der Commerzbank sowie Stressfälle bei Volksbanken und Berenberg begleitet.
Parallel dazu rücken weltweit Risiken im Private-Credit-Sektor in den Fokus der Aufseher. Insbesondere Kreditvergaben für Immobilienprojekte werden kritisch betrachtet. Die australische Aufsichtsbehörde ASIC warnt, dass solche Kredite anfällig sind für Inflation, Kostensteigerungen, Projektverzögerungen und unrealistische Vermögensbewertungen.
Parallelen in Australien: Warnungen vor schlechten Praktiken
Die Entwicklungen in Deutschland stehen nicht isoliert da. Die australische Aufsichtsbehörde ASIC hat vor schlechten Praktiken im Private-Credit-Sektor gewarnt. Simone Constant, Kommissarin der ASIC, sagt, der Sektor sei „jetzt über Warnungen hinaus“ und solle sich auf Durchsetzungsmaßnahmen einstellen.
Der australische Private-Credit-Markt wird auf rund 200 Milliarden Australische Dollar geschätzt. Davon entfallen nach Schätzungen 40 bis 60 Prozent auf Immobilienkredite. Ein Beispiel ist der Immobilienentwickler Bathla, der mit rund drei Milliarden Australischen Dollar Schulden bei mehr als 40 Kreditgebern in die Verwaltung ging.
Constant hebt in diesem Zusammenhang die Bedeutung starker Governance, effektiver Aufsicht, klarer Offenlegung und präziser Bewertungen hervor.
Bank of England testet systemweite Schockszenarien
Die Bank of England (BoE) untersucht den Private-Credit-Markt mit einem systemweiten explorativen Szenario (SWES). Ziel ist, die Reaktion des Finanzsystems auf einen extremen Marktschock zu testen. Nathanaël Benjamin, Exekutivdirektor für Finanzstabilitätsstrategie und Risiko bei der BoE, hat Unternehmen zur Teilnahme aufgefordert.
Die BoE hat rund 50 Firmen, darunter große Private-Credit-Manager, zur Mitwirkung eingeladen. Die Ergebnisse sollen im kommenden Jahr veröffentlicht werden. Die Aufseher konzentrieren sich auf vier potenzielle Schwachstellen: übermäßige Verschuldung, Unsicherheit bei Bewertungen, Liquiditätsdiskrepanzen zwischen Anlegern und zugrundeliegenden Vermögenswerten sowie die Verknüpfungen des Private-Credit-Sektors mit dem breiteren Finanzsystem.
Regulierungserfahrungen aus der Silicon Valley Bank-Krise
Die Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) hat die Debatte über Aufsichtsmechanismen verstärkt. Michelle Bowman, Vizepräsidentin für Aufsicht bei der Federal Reserve, präsentierte erste Ergebnisse einer externen Überprüfung des SVB-Versagens. Bowman zufolge waren Verzögerungen bei aufsichtsrechtlichen Maßnahmen nicht primär auf Regulierungsanpassungen nach dem Jahr 2018 zurückzuführen.
Sie nennt als wesentlichen Faktor eine langjährige Kultur der Risikoaversion bei der Fed, in der Mitarbeiter untätig blieben, solange sie sich nicht absolut sicher über die Richtigkeit einer Maßnahme fühlten. Bowman betont, die Überprüfung diene dazu, Lehren zu ziehen und nicht primär Schuldzuweisungen vorzunehmen.
Dies steht in gewissem Kontrast zu einem internen Bericht von Michael Barr aus dem Jahr 2023. Barr kam zu dem Schluss, dass regulatorische Änderungen nach 2018 die Anforderungen für die SVB gesenkt und zusammen mit einem weniger durchsetzungsfähigen Aufsichtsansatz eine effektive Überwachung erschwert hatten.
Ausblick: Verstärkte Prüfung und Anpassungsdruck erwartet
Die laufenden Untersuchungen und Warnungen deuten auf verstärkte Prüfungen des Geschäfts mit offenen Immobilienfonds und des Private-Credit-Sektors hin. ASIC und die BoE nennen als Schwerpunkte unter anderem bessere Offenlegung, präzisere Bewertungen und eine robustere Steuerung von Liquiditätsrisiken. Die Ergebnisse der BoE-Übung werden im kommenden Jahr erwartet; die Diskussionen um die SVB-Überprüfungen haben bereits Fragen zur Rolle der Regulierung aufgeworfen.
Anbieter von offenen Immobilienfonds und Private-Credit-Fonds müssen ihre internen Prozesse und Governance-Strukturen prüfen. Genannt werden unter anderem präzisere Vermögensbewertungen und eine stärkere Steuerung von Liquiditätsrisiken. Die Entwicklungen signalisieren eine Periode verstärkter aufsichtsrechtlicher Prüfung und mögliche schärfere Vorgaben für den Markt.







