Die Bank of America hat in aktuellen Studien eine wachsende Skepsis wohlhabender Babyboomer gegenüber der nächsten Generation bezüglich der Fortführung philanthropischer Traditionen dokumentiert. Weniger als die Hälfte der Befragten (47 Prozent) glaubt, dass Erben auf familiäre Wohltätigkeit vorbereitet sind. Vor dem Hintergrund des sogenannten „Great Wealth Transfer“ von Billionen US-Dollar zwischen den Generationen bleibt dieses Thema relevant für Philanthropie und Vermögensverwaltung.

Skepsis der Boomer: Philanthropie im Fokus

Die von der Bank of America veröffentlichte Studie „Wealthy boomers doubt their heirs will keep giving“ berichtet von Besorgnis unter wohlhabenden Babyboomern in den USA. Nur 47 Prozent der Befragten glauben, die nächste Generation sei auf die Fortsetzung familiärer philanthropischer Anliegen vorbereitet. Im Jahr 2024 lag dieser Wert noch bei 55 Prozent.

Der Anteil der Eltern, die davon ausgehen, dass ihre Kinder ihr philanthropisches Engagement teilen, fiel laut Studie von 76 auf 65 Prozent. Grundlage hierfür ist eine Befragung von mehr als 1.430 wohlhabenden Personen in den USA ab 21 Jahren mit mindestens 3 Millionen US-Dollar an investierbaren Vermögenswerten (ohne Hauptwohnsitz).

Tom Thiegs von Ascent Private Capital Management (U.S. Bank) bestätigt die geschilderten Bedenken und hört solche Sorgen derzeit von sehr vermögenden Familien. Gleichzeitig zeigen die BoA-Daten, dass jüngere Generationen (Gen Z und Millennials) in mehreren Aspekten stärker engagiert sind als ältere Spender: Sie unterstützen im Schnitt zwölf wohltätige Zwecke gegenüber acht bei allen Spendern insgesamt.

Zudem sind sie fast doppelt so häufig in Donor-Advised Funds (DAFs) engagiert. Jennifer Chandler, Head of Philanthropic Solutions bei der Bank of America Private Bank, ordnet ein, dass jüngere Spender die Familientraditionen zwar achten wollen, zugleich aber ihre eigene Wirkung definieren möchten.

Der „Great Wealth Transfer“ und seine Dimensionen

Der sogenannte „Great Wealth Transfer“ beschreibt eine große Vermögensverschiebung zwischen den Generationen. Die Schätzungen hierzu variieren deutlich. Cerulli Associates prognostiziert ein Volumen von bis zu 124 Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2048.

Visa Business and Economic Insights schätzt, dass die Babyboomer im Jahr 2026 mindestens 93 Billionen US-Dollar an Vermögenswerten halten. Wayne Best, Chief Economist bei Visa, weist jedoch darauf hin, dass nicht alle 93 Billionen US-Dollar an Erben übergehen und noch weniger davon ausgegeben werden. Visa geht davon aus, dass rund 36 Billionen US-Dollar über 20 Jahre an Gen X und Millennials vererbt werden.

Davon würden etwa 8 Billionen US-Dollar tatsächlich ausgegeben.

Die unterschiedlichen Methodiken und Zeiträume der Studien erklären die Bandbreite der Schätzungen. Für Deutschland schätzt das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) ein Erbvolumen von rund 3,1 Billionen Euro im Zehnjahreszeitraum. Davon fließen laut DIA etwa 2,1 Billionen Euro an die nächste Generation.

Das DIW Berlin beziffert die jährlichen Schenkungen und Vererbungen zwischen 2012 und 2027 auf bis zu rund 400 Milliarden Euro jährlich.

Finanzielle Strategien der nächsten Generation

Die „2026 Bank of America Private Bank Study of Wealthy Americans“ hebt weitere Aspekte der Vermögensplanung hervor. Langlebigkeit ist demnach ein wichtiger Planungsfaktor: 92 Prozent der Befragten nennen Langlebigkeit als wichtigen Aspekt bei der Finanzplanung. 94 Prozent unternehmen Schritte zur Optimierung von Gesundheit und Langlebigkeit. Gespräche mit Beratern über Langlebigkeit führen 61 Prozent der Befragten.

Katy Knox, President der Bank of America Private Bank, stellt fest, dass der Great Wealth Transfer nicht nur Vermögen verschiebt, sondern auch verändert, wie Kunden ihren Reichtum definieren und handhaben.

Jüngere Investoren (Gen Z und Millennials, 21 bis 45 Jahre) zeigen ein verändertes Anlageverhalten: 67 Prozent von ihnen glauben, traditionelle Aktien und Anleihen könnten keine überdurchschnittlichen Renditen mehr liefern. Sie allokieren knapp halb so viel in traditionelle Aktien wie ältere Generationen, investieren aber mehr in alternative Anlageformen (15 Prozent) und Kryptowährungen (13 Prozent). Dies weist auf eine Neudefinition der Diversifikation hin.

Vermögensverwalter stehen vor der Herausforderung, auf diese neuen Präferenzen einzugehen. EY berichtet zudem, dass 50 Prozent der deutschen Kunden die Integration von KI in Produktangeboten erwarten.

Sorge vor mangelnder Motivation und Ungleichheit

Eine verbreitete Sorge unter sehr vermögenden Haushalten (UHNW, über 25 Millionen US-Dollar) betrifft die Motivation der Erben: 61 Prozent der UHNW-Befragten sind besorgt und ergreifen Maßnahmen. Genannte Maßnahmen sind unter anderem die Unterstützung von Unternehmensgründungen (51 Prozent), die Aufnahme von Bestimmungen in Trusts (41 Prozent) und die Nichtoffenlegung des vollen Familienvermögens (36 Prozent). Trent Von Ahsen von Cedar Point Capital Partners berichtet, dass seine Kunden Mentoring und phasenweise Vermögensübertragungen bevorzugen.

Studien wie die des Institute for Fiscal Studies (IFS) deuten zudem darauf hin, dass Erbschaften die Ungleichheit verstärken können: Für Millennials macht Erbe einen wachsenden Anteil des Lebenseinkommens aus. Ein großer Teil des Erbvolumens konzentriert sich auf wohlhabendere Haushalte. Das reichste Fünftel der Millennials hat dem IFS zufolge durch Erbe ein um 29 Prozent höheres Lebenseinkommen, bei den ärmsten Haushalten sind es 5 Prozent.

Dies legt nahe, dass der Vermögenstransfer bestehende Vermögenskonzentrationen stärken kann.

Ausblick auf zukünftige Entwicklungen

Die Ergebnisse der BoA-Studien und weiterer Institute zeigen eine komplexe Dynamik beim Vermögensübergang zwischen den Generationen. Die BoA-Studien weisen darauf hin, dass die Bedenken der Babyboomer gegenüber den philanthropischen Neigungen ihrer Erben nicht uneingeschränkt sind, da jüngere Generationen in mehreren Aspekten stärker spenden oder sich anders engagieren.

Der Umfang des Transfers deutet darauf hin, dass er Auswirkungen auf Finanzmärkte und Gesellschaft haben wird. Vermögensverwalter stehen vor der Herausforderung, sowohl traditionelle Präferenzen älterer Kunden als auch die veränderten Anlage- und Philanthropie-Präferenzen jüngerer Erben zu berücksichtigen. Dazu gehören Fragen der Asset-Allokation, der Einbindung alternativer Anlagen und der Beratung zu philanthropischen Strukturen.

Offen bleibt, inwiefern politische Maßnahmen und steuerliche Rahmenbedingungen diesen Transfer und seine sozialen Auswirkungen steuern können.