Europäische Zentralbanken überdenken die Goldlagerung in den USA
Zunehmende geopolitische Unsicherheiten und die Politik der US-Regierung unter Donald Trump verstärken in Europa die Debatte über die Sicherheit der im Ausland gelagerten Goldreserven. Ein erheblicher Teil der deutschen Bestände, rund 37 Prozent, liegt derzeit bei der Federal Reserve Bank in New York. Analysten und Politiker fordern teilweise eine Rückverlagerung nach Europa, um strategische Abhängigkeiten zu reduzieren.
Geopolitischer Druck und Misstrauen
Die Diskussion um die Sicherheit der im Ausland gelagerten Goldreserven intensiviert sich in den vergangenen Monaten. Mehrere Politiker und Finanzexperten äußern sich kritisch zur Lagerung in den USA. Sie verweisen dabei auf Trumps Wirtschaftspolitik und seinen Druck auf die Federal Reserve.
Achim Wambach, Präsident des ZEW, äußert: „Derzeit sind die USA kein verlässlicher Partner der EU.“ Stefan Riße von ACATIS Investment erklärt: „Unter Donald Trump ist Amerika nicht mehr berechenbar.“ Wolfgang Wrzesniok-Roßbach von Fragold warnt davor, die Goldreserven könnten im Krisenfall von der US-Regierung als „Faustpfand“ einbehalten werden.
Katharina Beck, finanzpolitische Sprecherin der Grünen, fordert, die Reserven dürften nicht zum „Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen“ werden. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des EU-Verteidigungsausschusses, verlangt angesichts der Lage eine Neubewertung der deutschen Bestände in den USA.
Gleichwohl warnen andere Experten vor übereilten Schritten. Ifo-Präsident Clemens Fuest rät davon ab, eine Rückholaktion in der aktuellen Situation zu forcieren.
Deutschlands goldene Rücklagen
Deutschland verfügt nach den Vereinigten Staaten über die weltweit zweitgrößten Goldreserven. Für die Jahre 2025 bis 2026 beläuft sich die Menge auf etwa 3.350,25 Tonnen. Der Marktwert dieser Bestände lag nach Quellenangaben am 26. Januar 2026 bei deutlich über 450 Milliarden Euro.
Teile der deutschen Bestände entstanden historisch aus Exportüberschüssen und Sicherheitsüberlegungen während des Kalten Krieges. Sie wurden deshalb im Ausland gelagert. Ende 2024 bis Anfang 2026 verwaltete die Deutsche Bundesbank rund 1.710 Tonnen, etwa 51 Prozent, in Frankfurt.
Rund 1.236 Tonnen, circa 37 Prozent, lagen bei der Federal Reserve Bank in New York. Weitere 405 Tonnen, das sind 12 Prozent, befanden sich bei der Bank of England in London.
Die Bundesbank beschloss 2013 ein Lagerstellenkonzept mit dem Ziel, die Inlandsbestände zu erhöhen. Bis 2017 wurden im Rahmen dieser Strategie 300 Tonnen aus New York und 374 Tonnen aus Paris nach Frankfurt gebracht. Das Pariser Depot wurde danach aufgelöst. Bundesbankpräsident Joachim Nagel lehnt laut Stellungnahmen weitere Rückholaktionen ab und betont das Vertrauen in die Fed New York.
Europäische Länder handeln
Einige europäische Zentralbanken haben bereits Umschichtungen vorgenommen. Die De Nederlandsche Bank, DNB, verlegte zwischen März und August 2026 insgesamt 86 Tonnen Gold aus Depots in den USA und Kanada nach Europa. Der Anteil in New York sank dabei von gut 31 Prozent auf 18,5 Prozent der niederländischen Reserven.
DNB-Chef Olaf Sleijpen nannte „Krisenvorsorge“ und „zunehmende geopolitische Unruhen“ als Gründe. Die DNB bezog sich dabei nicht explizit auf Trumps Politik. Analysten werten den Schritt jedoch als Ausdruck von Misstrauen gegenüber der US-Regierung.
Die Banque de France holte Anfang 2026 ihre zuletzt in den USA gelagerten Bestände zurück. Die Schweizerische Nationalbank hatte Bestände in New York bereits zwischen 2000 und 2008 verkauft oder verlagert. Laurent Schwartz vom Comptoir National de l'Or schätzt, der politische Kontext in den USA könne Zentralbanken dazu bewegen, andere Lagerorte zu bevorzugen.
Der Goldpreis als Indikator
Parallel zur öffentlichen Debatte stieg der Goldpreis. Im Januar 2026 durchbrach der Preis pro Feinunze die Marke von 5.000 US-Dollar. Bereits Ende 2024 war der Preis nach Angaben von Analysten deutlich gestiegen. Sichere Anlagen und geopolitische Verunsicherung gelten als treibende Faktoren für die erhöhte Nachfrage nach physischem Gold.
Mehrere Länder, darunter Polen, China und Indien, stocken ihre Goldreserven auf. Polen vergrößerte seine Bestände innerhalb kurzer Zeit um etwa ein Viertel.
Ausblick und offene Fragen
Die Debatte über mögliche Rückholaktionen dürfte angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen weiter intensiv bleiben. Befürworter verweisen auf strategische Unabhängigkeit. Kritiker wie Clemens Fuest warnen vor überstürzten Maßnahmen. Die Bundesbank hält an ihrer Strategie fest und betont das Vertrauen in die Fed New York.
Unklar bleibt, inwieweit die Federal Reserve Bank of New York auf die Wünsche einzelner Staaten reagieren kann. Im November 2025 meldete die Fed einen Abgang von 29,5 Tonnen aus New Yorker Tresoren. Beobachter achten zudem darauf, welche Effekte großflächige Verkäufe oder Umschichtungen durch Zentralbanken auf den Goldpreis haben könnten.







