Führende Köpfe der europäischen Finanzbranche versammeln sich Anfang September in Frankfurt zum Handelsblatt Banken-Gipfel 2026. Unter dem Motto „Zwischen Multi-Krisen und Rekordgewinnen: Erfolgreiches Banking nach dem Ende der Gewissheiten“ diskutieren CEOs großer Institute, Aufsichtsbehörden und Fintech-Führungskräfte über die Transformation des Sektors. Die Themen reichen von Künstlicher Intelligenz (KI) über Stablecoins bis zur Zukunft des Bankpersonals.

Wettbewerbsfähigkeit und Kapitalmobilisierung

Der Gipfel, angesetzt für den 2. und 3. September im Kap Europa, thematisiert die Stellschrauben, welche die Bankenlandschaft prägen. Insbesondere steht die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Institute auf der Agenda. Diese Debatte gewinnt vor dem Hintergrund globaler Entwicklungen und wachsender Konkurrenz an Relevanz.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beklagte, ein erheblicher Teil der europäischen Haushaltseinsparungen, rund 10 Billionen Euro, liege „leblos“ in Banken. Sie fordert, dieses Kapital für die Finanzierung von Unternehmen, zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Verteidigung und der grünen Transformation zu mobilisieren. Nach Berechnungen der EU-Kommission könnten durch das „Savings and Investments Union“-Paket zusätzliche Investitionen in Höhe von 470 Milliarden Euro freigesetzt werden.

Dies steht im Einklang mit dem Draghi‑Bericht. Dieser beziffert einen jährlichen Finanzierungsbedarf von 750 bis 800 Milliarden Euro für Digitalisierung, Industrie, Energie, Verteidigung und Infrastruktur in der EU.

Bonität im Wandel und digitale Innovationen

Ein zentraler Programmpunkt des Gipfels ist die Diskussion über Bonität und ihre Zukunft. Tanja Birkholz, Vorstandsvorsitzende der SCHUFA Holding AG, spricht am 2. September um 10:40 Uhr mit Astrid Doerner vom Handelsblatt über das Thema „Neues Zeitalter der Bonität: Zwischen Regulierung und Selbstwirksamkeit“.

Birkholz bezeichnete in einem Vorabstatement „Selbstwirksamkeit“ als das „spannendste Wort“. Die SCHUFA kündigte ihre Teilnahme am Gipfel bereits vor fünf Tagen via LinkedIn an. Die Entwicklung neuer Bonitätsmodelle, welche regulatorische Vorgaben und die Eigenverantwortung des Einzelnen ausbalancieren, wird dabei von besonderem Interesse sein.

Parallel dazu rückt die Digitalisierung in den Vordergrund. Am 19. August 2026 schlossen HSBC und Standard Chartered eine Transaktion mit tokenisierten Einlagen auf dem Blockchain‑basierten Ledgersystem von Swift ab. Lewis Sun, Head of Digital Currencies bei HSBC, bezeichnete dies als „Meilenstein für das Versprechen tokenisierter Einlagen“.

Sun betonte, digitale Gelder von Banken könnten institutionenübergreifend interoperabel sein, während die Integrität und regulatorische Aufsicht des bestehenden Finanzökosystems gewahrt blieben. Die Interoperabilität helfe zudem, „reale Herausforderungen zu lösen, wie die Bewegung von Liquidität weltweit, über Finanzinstitutionen hinweg, die Erhöhung der Cash‑Sichtbarkeit und die Reduzierung der Komplexität, die manchmal mit traditionellen grenzüberschreitenden Transaktionen verbunden ist.“

Europas digitale Defizite und die Rolle der KI

Die Auseinandersetzung mit neuen Technologien ist für Europa von Bedeutung. EZB‑Präsidentin Christine Lagarde äußerte sich besorgt über die erodierenden europäischen Wachstumsbedingungen. Diese würden „unwahrscheinlich in die Form zurückkehren, die wir einst kannten“, warnte sie.

Lagarde mahnte, Europa habe die erste digitale Revolution weitgehend verpasst. Diese Erfahrung dürfe sich bei der Künstlichen Intelligenz, „der zweiten digitalen Revolution“, nicht wiederholen.

Zahlen untermauern die Diskussion: Die kombinierte Marktkapitalisierung der 34 wertvollsten börsennotierten Technologieunternehmen Europas liegt bei etwa 1,37 Billionen Euro. Die US‑amerikanischen „Magnificent Seven“ kommen hingegen auf über 23 Billionen US‑Dollar. Auf dem Banken‑Gipfel steht deshalb auch die Frage, wie europäische Finanzinstitute KI implementieren; die Agenda nennt ausdrücklich „agentic AI“ als Schwerpunktthema.

Klimawandel und Nachhaltigkeitsfinanzierung

Der Aspekt der Nachhaltigkeit spielt für Finanzinstitute eine Rolle. BNP Paribas hat bis Ende September 2025 Finanzierungen für kohlenstoffarme Energie in Höhe von 38,3 Milliarden Euro bereitgestellt. Davon entfallen 35,6 Milliarden Euro auf erneuerbare Energien. Gleichzeitig belief sich das Engagement im Bereich fossile Energieproduktion auf 8,6 Milliarden Euro.

Die Bank strebt an, bis zum Ende des Jahrzehnts 90 Prozent ihrer Kreditengagements im Energiesektor auf kohlenstoffarme Energie zu konzentrieren. Laurence Pessez, Chief Sustainability Officer bei BNP Paribas, bezeichnete die Verpflichtungen als „großen Schritt auf Reisen, die vor mehr als 10 Jahren begannen“. Günther Thallinger, Vorstandsmitglied der Allianz, sagte: „Wenn die Versicherer im Geschäft bleiben wollen, muss die Versicherungsbranche an diesem Thema arbeiten.“

Ausblick auf die weitere Entwicklung

Der Handelsblatt Banken‑Gipfel bietet eine Plattform, um die Implementierung von KI, die Weiterentwicklung regulatorischer Rahmenbedingungen für digitale Assets und die Mobilisierung privaten Kapitals zu erörtern. Teilnehmende sind unter anderem die CEOs von Deutsche Bank, Commerzbank AG, ING Group und Revolut sowie hochrangige Aufseher und Fintech‑Führungskräfte. Die Ergebnisse der Diskussionen werden voraussichtlich Impulse für die Strategie europäischer Finanzinstitute in einem sich rasant wandelnden globalen Umfeld geben.