Das deutsche Bauhauptgewerbe verzeichnete im Juni 2026 deutliche Zuwächse. Der Auftragseingang erhöhte sich preis- und kalenderbereinigt um elf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Parallel dazu stiegen die Umsätze im Bauhauptgewerbe preisbereinigt um sieben Prozent.

Die Beschäftigtenzahl legte um zwei Prozent auf rund 545.000 Menschen zu. Diese Entwicklung resultiert wesentlich aus mehreren Großaufträgen im Hoch- und Tiefbau.

Auftragseingänge und Personalzahlen legen zu

Saison- und kalenderbereinigt wuchs der Auftragseingang im Juni um sechs Prozent gegenüber dem Mai. Der Hochbau stieg um neun Prozent und der Tiefbau um vier Prozent im Vergleich zum Vormonat. Real, kalenderbereinigt, erhöhte sich der Auftragseingang im Tiefbau um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, während der Hochbau ein Plus von vier Prozent verzeichnete.

Nominal lag der Auftragseingang im Juni 21 Prozent über dem Vorjahreswert.

Im Dreimonatszeitraum von April bis Juni 2026 stieg der saison- und kalenderbereinigte Auftragseingang um sechs Prozent gegenüber dem vorherigen Quartal. Dabei wuchs der Tiefbau um neun Prozent und der Hochbau um zwei Prozent. Die Umsätze beliefen sich nominal auf 11,2 Milliarden Euro, eine Steigerung von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Baugenehmigungen mit starkem Wachstum im ersten Halbjahr

Die Baugenehmigungen stiegen im ersten Halbjahr 2026 um über 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dies markiert das stärkste Wachstum für diesen Zeitraum seit dem ersten Halbjahr 2016. Die deutsche Gesamtwirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2026 saisonbereinigt um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Die Bauwirtschaft trug trotz einer weiterhin verhaltenen Nachfrage im Wohnungsbau und hoher Baukosten positiv zu diesem Wachstum bei. Die Deutsche Bundesbank bewertet einen Teil des Anstiegs als temporäre Auf- und Nachholeffekte nach witterungsbedingt gedämpfter Produktion in den Monaten Januar und Februar; die Bautätigkeit normalisierte sich ab März 2026.

Branchenvertreter bleiben verhalten optimistisch

Branchenvertreter beurteilen die jüngsten Zahlen zurückhaltend. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbands ZDB, kommentierte: „Der Juni war ein guter Monat für die Bauwirtschaft. Erfreulich ist vorrangig der kräftige Anstieg im Straßenbau und im öffentlichen Bau.

Doch nach einem schwankenden ersten Halbjahr wäre es verfrüht, von einer Bauwende zu sprechen.“ Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands HDB, ergänzte: „Ob es sich bei den Zuwächsen im Juni um eine Trendwende oder nur ein Strohfeuer handelt, bleibt abzuwarten.“ Der HDB hat seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 preisbereinigt von 2,5 Prozent auf ein Prozent gesenkt.

Die Skepsis der Branchenvertreter hängt auch mit der Situation im Wohnungsbau zusammen. Die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnungsbaukrediten verzeichnete im zweiten Quartal 2026 den stärksten Rückgang seit drei Jahren. Hohe Baukosten und gestiegene Zinsen belasten dieses Marktsegment und verteuern den Wohnungsbau für Privatpersonen und Investoren.

Die Bundesregierung tätigt unterdessen Milliardenausgaben für Straßen und Schienen, wovon die Baubranche profitiert. Die Junizahlen werden von Branchenvertretern und der Bundesbank überwiegend als Momentaufnahme in einem weiterhin volatilen Marktumfeld eingeschätzt, wie die Bundesbank in ihrem Monatsbericht hervorhebt.