Venture Capital: Benchmark lockert Exklusivitätsregeln aufgrund von KI-Boom

Der Venture-Capital-Fonds Benchmark weicht von der traditionellen Praxis ab, nicht gleichzeitig in direkt konkurrierende Startups zu investieren. Partner der Firma erklären, der Boom im Bereich Künstliche Intelligenz übe erheblichen Druck auf diese gewohnte VC-Praxis aus. Benchmark räumt ein, dass die alte Regel nicht mehr uneingeschränkt gilt.

Alter Grundsatz unter Druck

Die traditionelle Praxis im Venture Capital, nach der Investoren nicht in zwei direkt konkurrierende Unternehmen investieren, weicht zunehmend auf. Der aktuelle KI-Boom verstärkt diesen Druck deutlich. Partner bei Benchmark, bekannt für 10- bis 15-jährige Partnerschaften mit Gründern in der Frühphase, stellen fest, die alte Regel sei nicht mehr uneingeschränkt gültig.

Konflikte, die aus der Expansion von Portfoliounternehmen in angrenzende Bereiche resultieren, beschreiben sie als „Notwendigkeit, nicht Präferenz“. Eric Vishria, einer der Partner, äußert, die harte Realität dieser Welt sei, dass sich jedes Unternehmen schnell entwickle. Er fügt hinzu, Konflikte entstünden und dies sei die Realität der aktuellen Dynamik.

Die Konkurrenz im KI-Sektor illustrieren Beispiele wie OpenAI und Anthropic. Diese beiden großen KI-Labore teilen sich Dutzende Investoren. Auch der Fall um Factory, ein Startup, das einen KI-Agenten zur Softwareentwicklung baut, und dessen direkter Konkurrent Cognition, Hersteller des Devin Coding Agenten, zeigt Dilemmata auf.

Chris Degnan, ein ehemaliger Aufsichtsratsbeobachter und Berater bei Factory, wechselte später als Chief Revenue Officer zu Cognition. Vinod Khosla und seine Firma Khosla Ventures unterstützen sowohl Factory als auch Cognition. Eric Vishria sprach in diesem Zusammenhang von einem „insanely direct conflict“.

Herausforderung KI-Beschleunigung

Chetan Puttagunta, ein weiterer Partner, betont die Rolle der KI bei der Verschärfung dieses Problems. Er erklärt, KI beschleunige das Problem, und fügt hinzu, die Kosten für den Bau von Software gehen effektiv gegen Null. Puttagunta beschreibt Gründer als „incredibly ambitious“ und prognostiziert, solche Überschneidungen würden wahrscheinlich häufiger vorkommen.

Peter Fenton, ebenfalls Partner, bezeichnet das Problem als „Kryptonit“ und „das schwierigste Problem der Firma“. Zur Exklusivität merkt ein Benchmark-Partner an, sie bleibe in der sehr frühen Phase, die Benchmark bevorzugt, wirklich wichtig. Die Dinge entwickeln sich jedoch zweifellos.

Zugleich hat sich die Zeit zwischen Finanzierungsrunden von durchschnittlich 1,5 Jahren auf zwei Jahre erhöht — eine Zunahme um 33 Prozent.

Entwicklung des VC-Marktes im KI-Zeitalter

Der Venture-Capital-Markt erlebte in den 2020er Jahren nach einem Boom bis 2021 eine Umkehr. Insbesondere in den Jahren 2022 bis 2024 war ein dreijähriger Rückgang der Deal-Aktivitäten in frühen und späten Phasen zu verzeichnen. 2024 machten KI-Unternehmen über 46 Prozent der Deal-Aktivitäten und fast 29 Prozent des Wertes der VC-Deals aus.

Der Dollar-Umfang der Transaktionen übertraf im vierten Quartal 2024 das vierte Quartal 2023 um über 14 Prozent. Die Anzahl der Deals sank im gleichen Zeitraum um ein Viertel.

In Deutschland sank die Gesamtzahl der Finanzierungsrunden 2025 um fünf Prozent auf 716 Transaktionen gegenüber 2024. Das Gesamtvolumen der VC-Investitionen stieg um mehr als 1,3 Milliarden Euro beziehungsweise 19 Prozent auf rund 8,4 Milliarden Euro. Dies wurde nur von den Rekordjahren 2021 und 2022 übertroffen.

Die Anzahl der Transaktionen über 100 Millionen Euro stieg um 30 Prozent auf 18 Deals mit einem Gesamtvolumen von 3,72 Milliarden Euro. KI, Healthtech und Defence Tech gehörten zu den stärksten Branchen in Deutschland.

Ausblick und offene Fragen

Die Aufweichung der Exklusivitätsregeln durch Benchmark wirft Fragen nach den langfristigen Auswirkungen auf die Startup-Landschaft auf. Benchmark betont, Exklusivität in der sehr frühen Phase weiterhin als wichtig zu erachten. Die Firma lässt jedoch offen, wann ein Interessenkonflikt akzeptabel ist und wann nicht.

Die Konsequenzen für Gründungsverträge und die Beziehungen zwischen Investoren und Portfoliounternehmen werden sich zeigen müssen.

Es bleibt abzuwarten, ob weitere große VC-Firmen ihre Richtlinien an die Realitäten des KI-Marktes anpassen. Ein solcher Wandel könnte die Wettbewerbs- und Kooperationsmuster im Venture-Capital-Sektor nachhaltig beeinflussen.