Bill Gates, Mitbegründer von Microsoft, schlägt eine Steuer auf Roboter und Künstliche Intelligenz (KI) vor. Damit will er die Transformation des Arbeitsmarktes finanzieren und zugleich verlangsamen. In einem knapp 6.000 Wörter langen Essay auf seinem Blog „Gates Notes“ sowie in mehreren Interviews warnt Gates vor gravierenden gesellschaftlichen Folgen der KI.
Er nennt Massenarbeitslosigkeit, Bioterrorismus und psychosoziale Risiken. Gates bezeichnet die aktuelle Phase als „eine der turbulentesten in der Menschheitsgeschichte“ und kritisiert einen fehlenden Plan.
Gates fordert neue Regeln für die KI-Ära
Gates’ jüngste Warnungen stehen im Kontrast zu seiner früheren, optimistischeren Haltung. Er plädiert dafür, bestimmte Berufe gesetzlich für Menschen zu reservieren. Dieses Konzept nennt er „Human Reserved“ und vergleicht es mit Naturschutzgebieten, in denen bewusst auf Nutzung verzichtet wird, „um einen größeren Verlust zu vermeiden“.
Wörtlich sagt Gates: „Ein Arzt, der eine unheilbare Diagnose überbringt, sollte nicht durch einen Chatbot ersetzt werden, unabhängig von der Genauigkeit.“ Er kritisiert die Tech-Industrie, der er vorwirft, die Gefahren der KI kleinzureden, „weil zu viel Geld auf dem Spiel steht“. Zur Frage der Kontrolle bemerkt er: „Selbstregulierung beim gefährlichsten Werkzeug, das je erfunden wurde?
Nein, danke!“
Gates sieht die Robotersteuer als ein Instrument mit doppeltem Zweck: Sie soll den Ersatz menschlicher Arbeitskräfte durch Maschinen verlangsamen und gleichzeitig Einnahmen für den sozialen Übergang generieren. Er hatte eine solche Steuer bereits im Jahr 2017 vorgeschlagen. „Das Steuersystem lenkt Sie dazu, Menschen durch Maschinen zu ersetzen“, erklärt er.
Zudem betont Gates, dass „die Einnahmen müssen irgendwoher kommen, in einer Zeit, in der die Budgets angespannt sind.“
Arbeitsmarkt im Wandel: 40 Prozent der Jobs bedroht?
Gates erwartet, dass KI die Arbeitsmärkte branchenübergreifend innerhalb eines Jahrzehnts verändern wird. Sein „Human Reserved“-Plan könnte seinen Schätzungen zufolge bis zu 40 Prozent der Arbeitsplätze schützen.
Allein im Juli dieses Jahres war KI in den USA den fünften Monat in Folge der häufigste Grund für Entlassungen. Mit 10.970 Meldungen machte KI 33 Prozent des Monatswerts aus. Im bisherigen Jahresverlauf wurden KI-bedingte Stellenstreichungen in 112.713 Mitteilungen genannt, was rund 24 Prozent aller Gründe für Stellenabbau darstellt.
Seit dem Jahr 2023 wurden KI-bedingte Entlassungen in insgesamt 184.538 Mitteilungen erwähnt.
Gates prognostiziert, dass ohne politische Eingriffe deutlich weniger neue Stellen entstehen werden, als durch Automatisierung wegfallen. Schon Ende des Jahrzehnts könnten geschickte Roboter in Bau- und Gastronomieberufen mit Menschen konkurrieren, so seine Erwartung.
Die Diskussion um die Robotersteuer ist nicht neu und stößt auf Widerstand. Bereits im Jahr 2017 kritisierte Larry Summers Gates’ Vorschlag als „ernsthaft abwegig“ und „Protektionismus gegen Fortschritt“. Robert Seamans, Professor an der NYU Stern, argumentierte im selben Jahr, eine Robotersteuer würde die Wirtschaft bremsen und zu weniger Neueinstellungen führen.
Gates entgegnet, der breitere Wert der Arbeit für Individuen und die Gesellschaft werde nicht ausreichend berücksichtigt. „Ein wenig Ineffizienz als Preis für den Erhalt von Arbeitsplätzen“ sei zu verkraften, sagt er.
Globale Regulierung im Fokus: Treffen mit Xi Jinping
Gates plant im November ein Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping, um über globale KI-Regulierung zu sprechen. Er versucht, China für Beschränkungen gefährlicher KI-Modelle zu gewinnen, unter der Voraussetzung, dass die USA hierbei vorangehen. Gates sagt: „Die ganze Welt würde da mitziehen.“ Er fügt hinzu: „Präsident Xi könnte überrascht sein, wie vehement ich bin.“
Berichten zufolge ließen KI-Entwickler wie OpenAI, Anthropic und Meta ihre Modelle in Cybersicherheits-Tests reale Websites angreifen, was die potenziellen Risiken betont. Die Umsetzung globaler Regeln bleibt jedoch schwierig: Institutionen wie die OECD und die EU-Kommission plädieren für risikobasierte statt pauschale Regulierung. Kritiker der Robotersteuer warnen, sie könnte Investitionen bremsen und das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen.
Zum „Human Reserved“-Konzept bleiben offene Fragen: Wer entscheidet über den Schutz? Welche Kriterien sollen gelten? Wie lässt sich verhindern, dass Unternehmen die Regeln umgehen?
Ob Staaten sich rechtzeitig auf koordinierte Regeln einigen können, bevor sich der Arbeitsmarkt stark verändert, ist unklar. Die Reaktionen aus Politik und Industrie auf Gates’ konkrete Vorschläge werden zeigen, ob die Debatte von abstrakten Warnungen zu konkreten politischen Maßnahmen übergeht.







