Der Bitcoin-Kurs scheitert im Oktober wiederholt an der Marke von 87.000 US-Dollar und prallt an einer massiven Verkaufsfront im Orderbuch ab. Während kontinuierliche Zuflüsse in US-Spot-ETFs den Markt stützen, erhöht der gleichzeitige Aufbau von Fremdkapital im Terminmarkt das Risiko abrupter Korrekturen. Zugleich dämpfen Mehrjahreshöchststände bei den US-Anleiherenditen den Risikoappetit institutioneller Investoren und erschweren einen nachhaltigen Ausbruch in Richtung des bisherigen Allzeithochs.
Verkaufsdruck an der 87.000-Dollar-Linie
Die Spanne zwischen 86.500 und 87.500 US-Dollar erweist sich für die Krypto-Leitwährung als zähe Barriere. Mehrfach testete der Kurs diese Zone in den vergangenen Wochen und drehte dabei regelmäßig in Richtung 85.000 oder 82.000 US-Dollar ab. Hinter dieser anhaltenden Abweisung steht vorrangig die Kostenstruktur einer wesentlichen Anlegergruppe.
Investoren der Sechs- bis Zwölf-Monats-Kohorte, die überwiegend in der zweiten Jahreshälfte 2025 gekauft haben, weisen nach Daten des Analysehauses Glassnode eine aggregierte Kostenbasis von rund 87.700 US-Dollar auf. Annäherungen an dieses Niveau lösen verlässlich Verkäufe aus, da viele dieser Marktteilnehmer die Gelegenheit nutzen, um ihre Positionen ohne Verlust glattzustellen.
Überdies verstärken technische Marken den Widerstand. Der 20-Monats-Durchschnitt verläuft bei 87.165 US-Dollar, während der Eröffnungskurs des Jahres 2026 bei 87.490 US-Dollar liegt. In diesem engen Korridor überlagern sich das physische Angebot im Orderbuch und die On-Chain-Kostenbasen.
Das Handelsvolumen am Spotmarkt bleibt derweil verhalten und reicht nicht aus, um die kumulierten Verkaufswände an der 87.000-Dollar-Marke zügig zu absorbieren. Erst ein Tagesschlusskurs oberhalb von rund 86.700 US-Dollar brächte die Käufer dieser Kohorte wieder im Durchschnitt in die Gewinnzone. Bislang fehlt dem Markt jedoch die nötige Dynamik für einen solchen Durchbruch.
Fremdkapital treibt das Liquidationsrisiko
Während das Spotvolumen stagniert, nimmt die Spekulation an den Derivatemärkten spürbar zu. Das Open Interest bei Bitcoin-Futures stieg per 20. Oktober um 4,2 Prozent auf 645.410 BTC, nachdem es nach dem CME-Verfall im September auf rund 628.000 BTC zurückgegangen war.
Dieser Zuwachs geht mit einem aggressiven Hebeleinsatz der Trader einher. Krypto-Börsen wie Kraken bieten für ausgewählte Spot-Konten einen 20-fachen Hebel, während auf Perpetual-Kontrakten Hebel von bis zu 100 möglich sind. Die annualisierten Funding-Rates normalisierten sich in Spitzenzeiten auf sieben bis neun Prozent, was einen moderaten Überhang an Long-Positionen signalisiert.
Die Kehrseite dieser Entwicklung zeigt sich in dichten Liquidationsclustern, die sich nahe den Marken von 85.000 und 87.000 US-Dollar ballen. Rutscht der Kurs unter zentrale Unterstützungen, drohen automatische Glattstellungen eine Abwärtsspirale auszulösen. Wie empfindlich dieses Gefüge reagiert, zeigte sich Anfang Oktober: Binnen 24 Stunden wurden Positionen im Volumen von rund 434 Millionen US-Dollar zwangsliquidiert, wovon etwa drei Viertel auf Long-Wetten entfielen.
Institutionelle ETF-Zuflüsse stützen den Markt
Als stabilisierender Gegenpol zu den spekulativen Terminmärkten fungieren die US-Spot-ETFs. Die regulierten Fonds verwalten mittlerweile ein Vermögen von rund 109 Milliarden US-Dollar, was etwa 6,4 Prozent der gesamten Bitcoin-Marktkapitalisierung entspricht. Der iShares Bitcoin Trust von BlackRock dominiert das Geschehen und vereint an umsatzstarken Handelstagen bis zu 75 Prozent des gesamten ETF-Volumens auf sich.
Auch traditionelle Finanzhäuser bauen ihr Engagement aus. Der ETF von Morgan Stanley hält über 10.500 Bitcoin mit einem Gegenwert von rund 900 Millionen US-Dollar. Allein am 19. und 20. Oktober verbuchten die Spot-Fonds einen Nettozufluss von 526 Millionen US-Dollar, nachdem am 21. September mit 999 Millionen US-Dollar ein Tagesrekord verzeichnet worden war.
Die aggregierte Kostenbasis der ETF-Investoren liegt bei rund 81.500 US-Dollar. Zusammen mit dem offenen Interesse im Optionsmarkt, dessen Max-Pain-Level für den wöchentlichen Verfall bei etwa 82.000 US-Dollar liegt, bildet die Zone zwischen 81.500 und 82.000 US-Dollar ein starkes Unterstützungsband. Sollte diese Bastion brechen, rückt aus Sicht der On-Chain-Analyse der sogenannte True Market Mean bei rund 77.500 US-Dollar in den Fokus.
Die Kostenbasis kurzfristiger Halter verläuft darunter bei etwa 74.600 US-Dollar.
Parallel dazu treiben Treasury-Pioniere ihre Käufe voran: Das Softwareunternehmen Strategy stockte seinen Bestand jüngst um 1.665 Einheiten auf insgesamt 847.666 BTC auf und meldete zugleich Aktienrückkäufe im Umfang von 176 Millionen US-Dollar.
Restriktive Anleihemärkte dämpfen die Risikobereitschaft
Das makroökonomische Umfeld setzt dem Vorstoß nach oben enge Grenzen. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren bei etwa 5,32 Prozent, 30-jährige Papiere bieten rund 5,67 Prozent und zweijährige Anleihen werfen etwa 4,83 Prozent ab. Diese Niveaus markieren Mehrjahreshöchststände.
Solch attraktive, risikolose Renditen binden institutionelles Kapital am Rentenmarkt und erschweren die Umschichtung in volatile Anlageklassen wie Krypto-Assets.
Zusätzliche Unsicherheit speist sich aus dem Rohstoffsektor, wo der Preis für Brent-Öl in einer Spanne zwischen 100 und 102 US-Dollar je Barrel verharrt. Zugleich signalisieren schwache US-Arbeitsmarktdaten mit einem Zuwachs von lediglich 29.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft im September eine Abkühlung der Konjunktur. In der Folge sanken die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der Federal Reserve im Oktober von über 70 Prozent auf 25 bis 33 Prozent.
Richtungsentscheidung vor dem Monatsende
In den verbleibenden Oktobertagen steuert der Markt auf mehrere wegweisende Wegmarken zu. Am 30. Oktober läuft der monatliche Optionsverfall mit einem nominalen Open Interest von rund 11,2 Milliarden US-Dollar aus.
Aus der impliziten Standardabweichung leitet der Markt für diesen Stichtag eine erwartete Handelsspanne von 78.300 bis 87.100 US-Dollar ab. FxPro-Analyst Alex Kuptsikevich verweist darauf, dass sich der Kurs der Spitze eines technischen Dreiecks aus horizontalem Widerstand und ansteigender Unterstützung nähert — eine Konstellation, die im Vorfeld des Ausbruchs typischerweise mit anziehender Volatilität einhergeht.
Gleichzeitig stehen weitreichende strukturelle Weichenstellungen an. Bis zum 11. November prüft der Indexanbieter MSCI den potenziellen Ausschluss von Strategy aus seinen Aktienindizes, da das Unternehmen unter neue Klassifizierungsregeln für rein finanzorientierte Beteiligungsgesellschaften fallen könnte.
Auf regulatorischer Ebene treibt die US-Börsenaufsicht SEC unter Chair Paul Atkins neue Vorgaben zur institutionellen Verwahrung voran, während Coinbase eine Clearing-Lizenz der Derivateaufsicht CFTC erhalten hat, um die eigene Infrastruktur auszubauen.
Ob Bitcoin die Hürde bei 87.000 US-Dollar nachhaltig überwindet oder die Unterstützung bei 81.500 US-Dollar testet, entscheidet sich daran, ob die institutionelle Nachfrage am Spotmarkt stark genug bleibt, um die aufgelaufenen Fremdkapitalpositionen zu absorbieren.







