Bitcoin hat am Montag die Marke von 85.000 US-Dollar überschritten und erreichte damit ein Achtmonatshoch. Der Kurs der Kryptowährung stieg um 5,8 Prozent auf bis zu 85.863,40 US-Dollar und setzte damit eine Rallye fort, die Bitcoin in der vergangenen Woche um mehr als acht Prozent zulegen ließ. Damit notiert Bitcoin auf dem höchsten Niveau seit Ende Januar 2026 und reduziert seinen Jahresverlust auf unter drei Prozent.

Der Aufschwung speist sich aus Regulierungsentwicklungen in den USA, einem Short Squeeze und makroökonomischen Faktoren.

Regulierungsoptimismus beflügelt Märkte

Ein wesentlicher Impulsgeber für die jüngste Rallye sind die Entwicklungen im US-Regulierungsumfeld. Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC genehmigte am Donnerstag (17. September 2026) den limitierten Handel mit tokenisierten Aktien auf bestimmten Blockchain-Plattformen.

Parallel reichte die Commodity and Futures Trading Commission (CFTC) am Freitag (18. September 2026) einen neuen Vorschlag zur Regulierung von Kryptomärkten und -transaktionen ein.

Alice Liu, Head of Research bei CoinMarketCap, interpretiert dies als Zeichen, dass Händler die Aussicht auf eindeutigere US-Regeln nicht aufgegeben haben. Der im Senat gescheiterte „CLARITY Act“ hatte zum Ziel, einen umfassenden Regulierungsrahmen für digitale Vermögenswerte zu schaffen. Matt Hougan, CIO von Bitwise Asset Management, sieht das Scheitern nicht als Rückschlag.

Er argumentiert, die SEC und die CFTC agierten derzeit als die "pro-Krypto-SEC“ beziehungsweise "pro-Krypto-CFTC“ in der Geschichte der USA und könnten viele Inhalte des Gesetzes auf praktische Weise umsetzen. Dan Morehead von Pantera Capital vertritt eine ähnliche Sicht.

Short Squeeze treibt Kurs dynamisch an

Innerhalb von 24 Stunden wurden laut Coinglass Kryptopositionen im Wert von 877,31 Millionen US-Dollar liquidiert. Davon entfielen 740,79 Millionen US-Dollar auf Short-Positionen, was rund 84 Prozent der Gesamtsumme entspricht. Bitcoin-Shorts machten 277,5 Millionen US-Dollar des Gesamtwerts aus.

Mehr als 126.000 Konten wurden laut Quellen liquidiert. Die größte Einzelorder war eine BTC/USDT-Position über 11,29 Millionen US-Dollar auf Binance. Das 24-Stunden-Handelsvolumen stieg um 39 Prozent auf 224 Milliarden US-Dollar.

Alice Liu stellt fest, dass Händler nun „Hebel in die Stärke“ investieren, anstatt in diese hineingedrängt zu werden. Zugleich stieg das Futures Open Interest von Bitcoin in den vergangenen sieben Tagen um acht Prozent auf 55,7 Milliarden US-Dollar. Das gesamte Futures Open Interest überschritt erstmals seit Wochen 700.000 Bitcoin.

Makroökonomische Faktoren und ETF-Zuflüsse

Fallende Ölpreise und stabilisierte Renditen von US-Staatsanleihen verbesserten das Umfeld für Risikoanlagen. Brent notierte am Montag bei rund 101 US-Dollar pro Barrel; WTI fiel um mehr als 2,5 Prozent auf etwa 89 US-Dollar pro Barrel. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen lag am Montag bei rund 4,96 Prozent, nachdem sie zuvor kurzzeitig über fünf Prozent gelegen hatte.

Konstantinos Chrysikos vom Broker Kudo nennt die Rückkehr fallender Renditen und abnehmende Inflationssorgen als Stütze für die Bitcoin-Nachfrage. Eine mögliche Deeskalation im Nahen Osten, etwa durch Änderungen an der Straße von Hormus, könnte Risikowerte zusätzlich begünstigen.

Die Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten erneut Zuflüsse: Am Montag lagen die Nettozuflüsse bei fast einer Milliarde US-Dollar, dem neuntgrößten jemals verzeichneten Volumen. Für die Woche bis Freitag beliefen sich die Nettozuflüsse auf rund sechs Millionen US-Dollar. Kumulierte Nettoabflüsse über die letzten drei Monate liegen bei 7,932 Milliarden US-Dollar.

Dean Chen von Bitunix interpretiert die jüngsten Zuflüsse als taktisches Repositionieren und nicht als strukturellen Übergang zu digitalen Assets.

Analysten sehen „Krypto-Frühling“ und Bullenmarkt

Mehrere Analysten erklären den Krypto-Winter für beendet. Matt Hougan von Bitwise sagte: „It’s crypto spring, the crocuses are blooming“ und fügte hinzu, dies könne der stärkste und längste Bullenmarkt in der Geschichte der Kryptowährungen werden. Zach Pandl, Head of Research bei Grayscale, sieht den Bärenmarkt als beendet an und verortet ein zyklisches Tief bei rund 58.000 US-Dollar.

Diese Einschätzung äußerte er bereits im September in einer Podcast-Episode.

Einige Beobachter sehen zudem eine Rotation von Kapital aus KI-Aktien zurück in Krypto-Werte. Hougan sagte, der KI-Boom habe zuvor „den gesamten Sauerstoff aus dem Raum gesogen“, und nun kehre ein Teil dieses Kapitals zurück.

Ausblick: Nächste Hürden und langfristige Perspektiven

Technisch hat Bitcoin das Niveau von 80.000 US-Dollar übertroffen. Analysten von BTIG gehen davon aus, dass bei einem Halten des 75.000-US-Dollar-Niveaus ein weiterer Anstieg über 82.000 US-Dollar in Richtung 90.000 US-Dollar möglich ist. Glassnode bewertet die Rückeroberung des True Market Mean als Zeichen, dass Bitcoin „zurück in einem bullishen Regime“ sei.

Die nächsten technischen und ökonomischen Marken werden als Kostenbasis der Unternehmen bei etwa 80.000 US-Dollar und die ETF-Kostenbasis bei rund 85.000 US-Dollar genannt.

Trotz Optimismus warnen andere Marktbeobachter vor Überhitzung. Der Fear-and-Greed-Index erreichte sein höchstes Niveau seit Juli 2025. Aaron Dishner von Kitco sieht darin ein „Gewinnmitnahme-Warnsignal“ und warnt vor möglichen plötzlichen Korrekturen von bis zu etwa 17 Prozent oder einem stärkeren Panikverkauf von rund 19 Prozent.

In den kommenden Tagen stehen weitere Daten und Ereignisse an, die den Markt beeinflussen können: der geplante Trump-Xi-Gipfel am 24. September, die PCE-Inflationsmessung am 30. September und der US-Arbeitsmarktbericht am 2.

Oktober. JPMorgan-Analysten sehen zudem darin, dass ein Abbau von Short-Positionen in Bitcoin-ETFs weiterhin einen relativen Vorteil für Bitcoin gegenüber Gold bedeuten könnte. Der Markt bleibt damit zwischen technischer Stärke, regulatorischen Entwicklungen und makroökonomischen Risiken.