Wallets mit einem Bestand von 100 bis 1.000 Bitcoin haben in den vergangenen Wochen ihre Bestände aufgestockt. Seit Anfang Juli akkumulierten diese Adressen insgesamt 113.950 BTC. Der Gegenwert dieser Menge liegt, berechnet mit rund 85.000 US-Dollar pro BTC, bei etwa 9,7 Milliarden US-Dollar.
Einige Beobachter sehen die Entwicklung als Indikator für das Verhalten größerer Investoren in unsicheren Marktphasen.
Akkumulation trotz Kursrückgängen
Seit Anfang Juli, genauer seit dem 15. Juli, erhöhten Wallets mit 100 bis 1.000 BTC ihre Gesamtbestände um 2,22 Prozent auf 5,24 Millionen BTC. Die Käufe erfolgten in einer volatilen Marktphase.
Der Bitcoin-Kurs lag zeitweise über 94.000 US-Dollar und fiel anschließend auf rund 84.581 US-Dollar. Im Verlauf der Akkumulationsanalyse wurde ein Kurs von 77.666 US-Dollar registriert; Ende September lag der Kurs an anderer Stelle bei über 83.800 US-Dollar.
On-Chain-Analysten wie Santiment werten die Käufe von Adressen der Größe 100 bis 1.000 BTC, oft als „Delfine“ bezeichnet, als Hinweis auf mögliche Kursentwicklungen und eine Stabilisierung des Marktes. Parallel dazu veräußerten Kleinanleger Bitcoin-Positionen, häufig mit realisierten Verlusten. Ein Nutzer auf X kommentierte, diese Divergenz zeige, dass größere Akteure weiterhin akkumulieren, während kleinere Halter verkaufen.
Unterscheidung von „Walen“ und „Delfinen“
Die Branchenbegriffe für Großinvestoren sind nicht einheitlich definiert. Manche Quellen zählen Adressen mit 100 bis 1.000 BTC zu den relevanten Großakteuren. Andere setzen die Schwelle für „Wale“ bei über 1.000 BTC oder sogar bei über 10.000 BTC an.
Richard „Richy“ Dittrich von der Börse Stuttgart beziehungsweise Bison bezeichnet Bestände ab 1.000 BTC als „Wal“, ab 10.000 BTC als „Megawal“ und Adressen mit 100 bis 1.000 BTC als „Delfine“.
Die Aktivitäten dieser Gruppen beobachten Marktteilnehmer genau, da ihre Käufe das verfügbare Angebot reduzieren und damit den Marktpreis beeinflussen können. Zugleich gibt es Gegenstimmen: Julio Moreno, Leiter Research bei CryptoQuant, weist darauf hin, dass Teile der beobachteten Bestandsveränderungen interne Umstrukturierungen von Börsen sein können. Hierbei werden Coins zwischen Wallets verschoben, statt durch offene Marktkäufe zu entstehen.
Nach Herausfiltern solcher internen Transfers stellte Moreno einen eher bärischen Trend bei großen Investoren fest. Diese Beobachtung steht im Widerspruch zu Analysen von Santiment und Glassnode, die von einer Zunahme der Bestände einzelner Wal-Gruppen berichten.
Marktbewegungen und makroökonomische Faktoren
Die Phase der beobachteten Akkumulation fiel mit steigender kurzfristiger und mittelfristiger Volatilität zusammen. Die 30-Tage-implizite Volatilität stieg von 41 auf 49 Prozent, die Sechs-Monats-Volatilität von 46 auf 49 Prozent.
US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten an einem Tag Abflüsse in Höhe von 373 Millionen US-Dollar. Für den BlackRock iShares Bitcoin Trust war dies der größte tägliche Rückgang seit seinem Start im Januar 2024.
Die zusammengefasste Bilanz der Wal- und Delfin-Kategorien (Adressen mit über 1.000 BTC und solche mit 100 bis 1.000 BTC) war laut einer Quelle im Dezember von etwa 3,2 Millionen BTC auf knapp unter 2,9 Millionen BTC gefallen und korrigierte anschließend leicht auf 3,1 Millionen BTC. Nach der jüngsten Akkumulationsmeldung nennt Santiment für die Gruppe der 100 bis 1.000-BTC-Wallets 5,24 Millionen BTC. Die Berichterstattung weist hier unterschiedliche Zahlenangaben auf.
Der Markt wurde früher auch von anderen Ereignissen beeinflusst. Beispielsweise führte die Einführung von Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel in El Salvador im September 2021 zu einem kurzfristigen Kurseinbruch von etwa 20 Prozent. Branchenexperte Will Clemente bezeichnet die globale Akkumulation von Bitcoin unter anderem als Allokation, die auch als Absicherung gegen geldpolitische und geopolitische Risiken gesehen wird.
Ausblick: Die Rolle der Großinvestoren
Die Akkumulation durch Großinvestoren wird in der Branche als wichtiger Faktor für die Marktdynamik betrachtet. Käufe großer Adressen reduzieren das frei verfügbare Angebot und können damit kursrelevante Effekte haben. Gleichzeitig zeigen die widersprüchlichen Interpretationen der On-Chain-Daten, dass nicht klar ist, wie viel der beobachteten Zunahme tatsächlich aus offenen Marktkäufen resultiert und wie viel aus internen Transfers besteht.
Die näher rückenden Bitcoin-Halving-Ereignisse, bei denen die Belohnung für Miner halbiert wird und das Angebotswachstum sinkt, werden in Analysen als möglicher Verstärker der Nachfrage genannt. Analysten und On-Chain-Dienste werden die Bestandsentwicklung der Großinvestoren weiterhin beobachten, da deren Handlungen Impulse für den weiteren Kursverlauf geben können.







