Der S&P 500 erreicht wiederholt neue Höchststände und überschritt zuletzt am 6. Oktober 7.840 Punkte. Bitcoin kann dieser Rallye jedoch nicht folgen.

Während die Marktkapitalisierung des S&P 500 allein im August um geschätzte 2,1 Billionen US-Dollar zulegte – ein Wert, der fast der gesamten Kryptomarktkapitalisierung entspricht – verzeichnete Bitcoin im gleichen Zeitraum lediglich ein Plus von rund zwei Prozent und notierte bei etwa 64.600 US-Dollar. Dies wirft die Frage auf, ob sich die größte Kryptowährung von den traditionellen Märkten entkoppelt hat.

KI-Rallye befeuert Aktienmarkt, Bitcoin fehlt der Katalysator

Die aktuelle Stärke des Aktienmarktes wird primär von KI- und Halbleiteraktien sowie von Mega-Caps getragen. Goldman Sachs hob am 28. Mai 2026 sein Jahresendziel für den S&P 500 auf 8.000 Punkte an. Die Bank begründete die Anpassung mit erwartetem Gewinnwachstum, das zu einem erheblichen Anteil von KI-bezogenen Unternehmen stammen soll.

Adam Haeems, Head of Asset Management bei der Tesseract Group, stellt fest, dass Bitcoin kaum direkte Exposition gegenüber diesen Wachstumstreibern des S&P 500 besitzt. Paul Howard, Senior Director bei Wincent, weist ebenfalls darauf hin, dass die auf KI und Mega-Caps fokussierte Aktienrallye nicht zwangsläufig zu Kapitalflüssen in den Kryptomarkt führt.

Historisch bestand zwischen 2020 und 2023 eine positive Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 mit einem Korrelationskoeffizienten von 0,7726. Glassnode zeigt jedoch, dass Bitcoin den S&P 500 in den vergangenen drei Monaten nur an etwa einem Drittel der Handelstage übertroffen hat. Dies markiert die längste Phase relativer Underperformance in der sechsjährigen Datenreihe.

Das BTC/S&P-Preis-Ratio, das die Performance von Bitcoin relativ zum S&P 500 misst, ist seit Jahresbeginn gesunken und bleibt unter Druck.

Zinsumfeld und Liquidität bleiben entscheidend

Das Zinsumfeld beeinflusst beide Märkte. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt weiterhin über fünf Prozent und damit deutlich über dem Niedrigzinsumfeld der Bullenmärkte 2020 bis 2021. Ein nachlassender Zins- und Dollar-Druck kommt dem Aktienmarkt zugute.

Umgekehrt führten die Ankündigung der Federal Reserve und die Erwartung weiterer Zinserhöhungen am 27. September 2026 zu Rückgängen bei Kryptowährungen, Aktien und Anleihen.

Steigende Zinsen hatten bereits Anfang 2022 zu einem stärkeren Rückgang von Bitcoin beigetragen. Im August kündigte das US-Finanzministerium an, Rückkäufe langlaufender Anleihen zu erhöhen. Daraufhin stieg Bitcoin nach Berichten um etwa 28 Prozent.

Richard Galvin, Executive Chairman bei DACM, spricht von einer vorübergehenden Schwächephase bei Bitcoin. Paul Howard sagt, der Kryptomarkt suche einen eigenen Katalysator, unabhängig von US-Aktien. Mögliche Treiber könnten im vierten Quartal regulatorische Klarheit und anhaltendes Wachstum bei Stablecoins sein.

Bitcoin-spezifische Belastungen und Hoffnungsschimmer

Neben makroökonomischen Faktoren beeinflussen auch bitcoin-spezifische Ereignisse die Stimmung. Berichtet wurde unter anderem über einen Coldcard-Exploit mit Schäden in der Größenordnung von 120 Millionen US-Dollar sowie über Unsicherheit rund um den CLARITY Act. Zudem gab es Meldungen über die Liquidation von 1.030 BTC im Wert von rund 66,14 Millionen US-Dollar durch Strategy, ein Unternehmen, das mit Michael Saylor in Verbindung gebracht wird.

Gleichzeitig zogen US-Spot-Bitcoin-ETFs in der Woche bis zum 25. September 2026 rund 2,4 Milliarden US-Dollar an. Laut Daten sind dies die größten wöchentlichen Zuflüsse seit Oktober des Vorjahres. Nach Nettoabflüssen von mehr als fünf Milliarden US-Dollar bis Ende Juli summieren sich die Nettozuflüsse in die Fonds im Jahr 2026 nun auf fast eine Milliarde US-Dollar.

Die US-Derivateaufsicht CFTC genehmigte am 29. Mai 2026 KalshiEXs BTCPERP als ersten regulierten Bitcoin-Perpetual-Futures-Kontrakt an einer US-Börse. Coinbase Financial Markets erhielt zudem einen No-Action-Letter für den Zugang zu Deribit-Perpetual-Futures.

Trotz dieser Schritte hin zu stärkerer Regulierung und Integration sieht JPMorgan-Chef Jamie Dimon den Entwurf des CLARITY Act kritisch. Er warnt, der Entwurf könne Krypto-Firmen erlauben, zinstragende Produkte ohne dieselben AML-, Sanktions- und Kapitalreserveanforderungen wie Banken anzubieten. Diese politischen und regulatorischen Unsicherheiten prägen weiterhin das Marktumfeld für Bitcoin.

Die weitere Entwicklung der Regulierung und die Reaktion der Marktteilnehmer auf diese Rahmenbedingungen bleiben entscheidend für die Performance der Kryptowährung.