Bitcoin trotzt politischem Gegenwind und makroökonomischen Herausforderungen und erreicht Kurse, die zuletzt vor acht Monaten verzeichnet wurden. Die Kryptowährung durchbricht die 85.000 US-Dollar-Marke, getragen von einer Short-Squeeze-Dynamik und verstärkten institutionellen Käufen. Das Comeback erfolgt, obwohl der CLARITY Act im US-Senat scheiterte, die Federal Reserve die Zinsen erhöhte und Unsicherheiten im KI-Sektor bestehen.

Am Montag überwindet Bitcoin die Marke von 85.000 US-Dollar und erreicht einen Höchststand von 87.000 US-Dollar. Dieser Anstieg entspricht einem Zuwachs von 1,1 Prozent innerhalb der letzten 24 Stunden und einem Plus von 14,6 Prozent über die vergangene Woche. In den vergangenen drei Monaten gewinnt Bitcoin fast 35 Prozent an Wert.

Institutionelle Käufe und die Auflösung von Short-Positionen gelten als Haupttreiber dieser Aufwärtsbewegung.

Makroökonomische Entwicklungen und regulatorischer Rückschlag

Die aktuelle Kursentwicklung findet unter widrigen makroökonomischen Bedingungen und einem Rückschlag in der US-Kryptoregulierung statt. Der CLARITY Act, ein Gesetzentwurf zur Marktstruktur für Kryptowährungen, scheitert am 15. September im US-Senat mit 49 zu 50 Stimmen.

Dieses Ergebnis liegt zehn Stimmen unter der benötigten Mehrheit von 60 Stimmen. Marktbeobachter hatten eine Aufteilung der Aufsicht zwischen der SEC und der CFTC erwartet. Dan Morehead von Pantera Capital kommentiert diese Entwicklung nüchtern: „The industry doesn’t need Congress.“

Er ist der Ansicht, dass SEC und CFTC viele der Regelungen ohnehin umsetzen.

Einen Tag nach der Abstimmung erhöht die Federal Reserve die Zinsen einstimmig um 25 Basispunkte. Dies ist die erste Zinserhöhung seit 2023 und setzt den Leitzins der Fed auf 3,75 bis 4 Prozent fest. Gleichzeitig erhöht die Bank of Japan die Zinsen auf ein 31-Jahres-Hoch.

Die zehnjährige Treasury-Rendite überschreitet zudem die Fünf-Prozent-Marke. Trotz dieser restriktiven Geldpolitik und der Belastung durch Verunsicherung im KI-Sektor, die den Halbleiterindex um über fünf Prozent fallen ließ, bleibt der Kryptomarkt vergleichsweise resilient.

Short-Squeeze befeuert den Kurs

Die Rally wird durch einen Short-Squeeze befeuert. Über eine Milliarde US-Dollar an Krypto-Positionen werden liquidiert, davon 843 Millionen US-Dollar auf Short-Positionen. Zwischen 126.000 und 135.000 Konten werden in der stärksten Stunde des Ausbruchs geschlossen.

Über 300 Millionen US-Dollar werden innerhalb einer Stunde liquidiert, wovon 97 Prozent Short-Positionen betreffen. Als Bitcoin die 80.000 US-Dollar-Marke durchbricht, werden rund 250 Millionen US-Dollar an Shorts im gesamten Kryptomarkt liquidiert. Daten von Glassnode deuten darauf hin, dass Bitcoin wieder „in a bullish regime“ operiert.

Lacie Zhang von Bitget Wallet erklärt die Dynamik: US-Spot-ETF-Zuflüsse und Short-Covering hätten den Kurs über die psychologisch wichtige 80.000 US-Dollar-Marke getrieben. Diese Kombination von Faktoren verstärkt den Aufwärtsdruck.

Institutionelles Interesse und ETF-Entwicklungen

Die Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen am Tag der gescheiterten Senatsabstimmung Abflüsse von rund 450 Millionen US-Dollar. Dies ist der höchste Wert seit Juni. Nur drei Sitzungen später fließen ihnen jedoch 433 Millionen US-Dollar zu.

Am Donnerstag nach der Abstimmung über den CLARITY Act verzeichnen die ETFs Nettozuflüsse von 159,5 Millionen US-Dollar; BlackRock’s IBIT zieht davon 183,7 Millionen US-Dollar an. Über die vergangene Woche verzeichnen die ETFs Nettozuflüsse von rund 475 Millionen US-Dollar. Diese Zuflüsse erfolgen trotz kumulativer Nettoabflüsse von 7,932 Milliarden US-Dollar über die letzten drei Monate.

MicroStrategy kauft zwischen dem 14. und 20. September weitere 950 Bitcoin für rund 75 Millionen US-Dollar. Marc van der Chijs, Mitbegründer von Hut8, betont die strategische Rolle von Bitcoin: „among all holdable assets, Bitcoin is still the ultimate choice for foundational allocation.“

Ausblick auf die Markt- und Regulierungslage

Der Markt blickt nun auf die weiteren Schritte der Regulierungsbehörden. Die SEC veröffentlicht eine Ausnahmeregelung für den Handel mit tokenisierten Aktien kurz nachdem der CLARITY Act scheitert. Die CFTC übermittelt eine Regelsetzung zur Krypto-Regulierung zur Überprüfung an das Weiße Haus.

Diese Schritte zeigen, dass die Regulierung des Kryptomarktes auch ohne den CLARITY Act aktiv vorangetrieben wird, wenn auch in einer möglicherweise fragmentierteren Form.

JPMorgan-Analysten um Nikolaos Panigirtzoglou schätzen, dass eine Reduzierung der Short-Positionen in IBIT Bitcoin gegenüber Gold unterstützen könnte. Matt Hougan, CIO bei Bitwise, erwartet „the strongest and longest-running bull market in crypto’s history.“ Analysten bei BTIG nennen ein mögliches Ziel von 90.000 US-Dollar, sofern die 75.000 US-Dollar-Marke hält.

Beobachter wie Zach Pandl von Grayscale werten die Reaktion des Marktes nach schlechten Nachrichten als Hinweis, dass der Markt zuvor überverkauft gewesen sein könnte. Das „Golden Cross“, das Bitcoin am vergangenen Samstag bildet, als der 50-Tage-EMA den 200-Tage-EMA übertrifft, wird von Marktteilnehmern als technisches bullishes Signal gesehen.