US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen nach einer Phase starker Zuflüsse nun deutliche Abflüsse. Diese Trendwende setzt den Bitcoin-Kurs unter Druck und lässt ihn unter wichtige Preisniveaus fallen. Die Entwicklung spiegelt eine Verschiebung der Anlegerstrategien wider, beeinflusst von makroökonomischen Faktoren wie hohen US-Treasury-Renditen und einem starken US-Dollar.

Erhebliche Mittelabzüge belasten den Bitcoin-Kurs

Die US-Spot-Bitcoin-ETFs erleben derzeit signifikante Netto-Abflüsse, die den Bitcoin-Kurs belasten. An einem Mittwoch im Oktober 2026 verzeichneten die Fonds Netto-Abzüge von 485 Millionen US-Dollar. Davon entfielen 207,7 Millionen US-Dollar auf BlackRocks IBIT, 105,1 Millionen US-Dollar auf Fidelitys FBTC und 101,7 Millionen US-Dollar auf Ark ARKB.

Der Bitcoin-Kurs fiel an diesem Tag um 2,6 Prozent von etwa 85.550 US-Dollar auf 83.300 US-Dollar und rutschte unter die Marke von 83.000 US-Dollar. Das Wochenhoch lag zuvor bei fast 87.000 US-Dollar. Auch andere Kryptowährungen wie Ether und XRP verloren am selben Tag jeweils rund fünf Prozent beziehungsweise 5,5 Prozent.

Die Entwicklung stand im Kontrast zu den Zuflüssen von 118,8 Millionen US-Dollar, die noch am Dienstag der Woche registriert wurden.

Im April 2026 erreichte ein einzelner Handelstag Netto-Abflüsse von über 263 Millionen US-Dollar. Auch im September 2026 wurden an einem Tag Abflüsse von rund 148,7 Millionen US-Dollar verzeichnet, wobei Fidelitys FBTC mit 125,6 Millionen US-Dollar den größten Anteil hatte. Eine Woche bis zum 22.

Januar 2026 sah Netto-Abflüsse von rund 1,22 Milliarden US-Dollar über vier Handelstage hinweg. Dies stellte den stärksten wöchentlichen Rückzug seit November 2025 dar.

Gründe für den Strategiewechsel institutioneller Anleger

Ein wesentlicher Faktor für die aktuellen Abflüsse ist die Auflösung sogenannter „Basis Trades“ durch institutionelle Anleger. Bei diesen Arbitrage-Geschäften profitierten Investoren von der Preisdifferenz zwischen Bitcoin-Spot-Märkten und Bitcoin-Futures-Kontrakten. Berichten zufolge lag die Rendite dieser Strategie vor einem Jahr bei rund 17 Prozent.

Aktuell wird sie mit unter fünf Prozent angegeben.

Angesichts der US-Treasury-Renditen, die sich nahe 5,3 Prozent bewegen, sind diese Arbitrage-Geschäfte für institutionelle Akteure weniger attraktiv geworden. Gleichwohl beeinflussen makroökonomische Entwicklungen das Anlageverhalten. Die hohen Renditen für US-Staatsanleihen bieten eine risikoärmere Alternative.

Ein starker US-Dollar und erhöhte Energiepreise dämpfen zudem die Nachfrage nach risikoreicheren Anlagen wie Bitcoin.

Der US-Dollar-Index hielt sich um 102,23 und damit nahe seinem 18-Monats-Hoch. Zudem kletterte der Brent-Rohölpreis aufgrund erneuter Angebotsbedenken im Golf über 101 US-Dollar pro Barrel. Dies sind zusätzliche Faktoren, die institutionelle Investoren zur Umschichtung ihrer Portfolios bewegen könnten.

Historische und aktuelle ETF-Ströme

Die Einführung der ersten elf US-Spot-Bitcoin-ETFs im Januar 2024 durch die US Securities and Exchange Commission (SEC) markierte einen Einschnitt für den Markt. Zu den Produkten zählen BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) und Fidelitys Wise Origin Bitcoin Fund (FBTC). Bob Pisani von CNBC bezeichnete den Start als eine der erfolgreichsten Produkteinführungen in der Finanzgeschichte.

Bis Januar 2025 lagen demnach rund 113 Milliarden US-Dollar in Bitcoin-ETFs. Aktuell belaufen sich die Gesamt-Assets under Management aller Bitcoin-ETFs in den USA laut ETF.com auf 82,29 Milliarden US-Dollar. Während des ersten Quartals 2026 verzeichneten Bitcoin-ETFs Netto-Abflüsse von insgesamt rund 500 Millionen US-Dollar.

Allein im November 2025 betrugen die Abflüsse 3,5 Milliarden US-Dollar, im Dezember 2025 1,1 Milliarden US-Dollar und im Januar 2026 1,61 Milliarden US-Dollar. Im Februar 2026 wurden Abflüsse von 207 Millionen US-Dollar ausgewiesen. Im März 2026 gab es mit 1,32 Milliarden US-Dollar wieder positive Netto-Zuflüsse, den ersten positiven Monat seit Oktober 2025.

Die Bitcoin-Bestände der ETFs sanken von einem Höchststand von 1,38 Millionen BTC im Oktober 2025 auf einen Tiefpunkt von 1,28 Millionen BTC und erholten sich seither teilweise auf 1,31 Millionen BTC. Laut Daten aus Juni 2026 hielt IBIT 794.428 BTC, FBTC 182.842 BTC und ARKB 33.105 BTC. Die durchschnittliche Kostenbasis für ETF-Investoren lag Ende März 2026 bei etwa 84.000 US-Dollar.

Ausblick: Fed-Entscheidungen und Marktentwicklung

Die aktuelle Marktlage verdeutlicht die erhöhte Sensibilität des Bitcoin-Marktes gegenüber geldpolitischen Entscheidungen und makroökonomischen Indikatoren. Investoren blicken auf anstehende Fed-Sitzungen, bei denen Zinsentscheidungen erwartet werden. Zudem fielen US-PCE-Inflationsdaten niedriger aus als erwartet, was die Gemengelage komplizierter macht.

Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) schlug föderale Hebelgrenzen vor und erklärte Pläne zum Verbot von 100x-Multiplikatoren für den Krypto-Handel. Analysten beobachten, ob sich die Abflüsse in den kommenden Wochen fortsetzen oder ob sich der Bitcoin-Kurs stabilisiert, etwa als Reaktion auf geldpolitische Entscheidungen oder neue Impulse aus dem Kryptosektor. Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von der Anpassung institutioneller Anlagestrategien und der globalen Wirtschaftslage ab.