Das Analysehaus Galaxy Research erklärt den jüngsten Bitcoin-Bärenmarkt für beendet und diagnostiziert den Übergang in eine Akkumulationsphase. Die Research-Einheit des Krypto-Finanzdienstleisters stützt ihre These auf die erfolgreiche Verteidigung des Juni-Tiefs bei rund 76.500 US-Dollar sowie auf die Bestätigung an den langfristigen Trendlinien. Während der laufende Monat mit einem Minus von mehr als vier Prozent das historische Muster eines schwachen Oktobers fortschreibt, verändert sich die strategische Ausgangslage für institutionelle Investoren vor dem anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve grundlegend.
Historische Muster stützen die Bodenbildung
Zentraler Pfeiler der Analyse ist die Rückeroberung des gleitenden 50-Wochen-Durchschnitts. Bitcoin verbrachte zuvor 44 Wochen unterhalb dieses Indikators und markiert in der Woche bis zum 18. Oktober den fünften wöchentlichen Schlusskurs in Folge oberhalb der Marke.
Aktuell notiert der Markt bei rund 80.000 US-Dollar und liegt damit etwa fünf Prozent über der entscheidenden Durchschnittslinie von circa 76.000 US-Dollar.
Seit dem Jahr 2011 trat eine vergleichbare Konstellation nach einer mindestens 44-wöchigen Schwächephase lediglich viermal auf. In jedem dieser Zyklen fiel der Kurs in den darauffolgenden zwölf Monaten nie tiefer als 8,4 Prozent unter den 50-Wochen-Durchschnitt und erreichte im weiteren Verlauf jeweils ein neues Allzeithoch. Derzeit bewegt sich die Notierung rund 36 Prozent unter ihrem Rekordstand von etwa 126.000 US-Dollar.
Alex Thorn, Chefanalyst bei Galaxy Research, verweist zudem auf die zeitliche Struktur der Preiskorrektur. Das Zyklustief vom 30. Juni bei 76.500 US-Dollar bildete sich 916 Tage nach dem vorangegangenen Halving heraus. Dieser Wert deckt sich mit vergangenen Zyklen, deren Wendepunkte historisch im Zeitfenster zwischen Tag 777 und Tag 912 nach der Halbierung der Blockbelohnung lagen.
Gleichzeitig fiel der zyklische Einbruch mit 53 Prozent historisch milde aus, während frühere Bärenmärkte Rückgänge zwischen 77 und 93 Prozent verzeichneten. Die Analysten definieren jedoch ein klares Abbruchkriterium für ihr Basisszenario: Ein Wochenschlusskurs unter der Schwelle von 76.540 US-Dollar, der nicht innerhalb eines Monats zurückerobert wird, invalidiert die These eines abgeschlossenen Bärenmarktes.
Institutionelle Investoren fokussieren Bitcoin-ETFs
Die institutionellen Kapitalströme spiegeln diesen Stimmungsumschwung vorerst mit zeitlicher Verzögerung wider. US-amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen am 26. Oktober zwar Nettozuflüsse in Höhe von 110 Millionen US-Dollar, die fast vollständig auf den iShares Bitcoin Trust (IBIT) von BlackRock entfallen.
Diese Bewegung folgt allerdings auf zwei vorangegangene Handelstage mit deutlichen Abflüssen von 635,5 Millionen US-Dollar und 137,9 Millionen US-Dollar.
Entsprechend bleibt die Gesamtbilanz für den laufenden Monat negativ. Der Netto-Saldo für Oktober weist ein Defizit von rund 314 Millionen US-Dollar auf. Gleichwohl bauten US-Spot-ETFs ihre Bestände seit dem 30. Juni kumuliert um rund 87.000 Bitcoin aus.
Auffällig ist die selektive Kapitalallokation der Großanleger. Während Bitcoin frische Mittel anzieht, melden US-Spot-Ether-ETFs zeitgleich Nettoabflüsse zwischen 88 und 90 Millionen US-Dollar. Diese Diskrepanz unterstreicht, dass institutionelle Marktteilnehmer ihr Engagement derzeit primär auf die nach Marktkapitalisierung führende Kryptowährung konzentrieren.
Fundamentaldaten signalisieren Verkaufsunlust
Neben der Charttechnik stützen On-Chain-Daten die These einer tragfähigen Konsolidierung. Erstmals in der Historie eines Bitcoin-Bärenmarktes fiel das sogenannte MVRV-Verhältnis nie unter die Parität. Der Marktwert sank somit zu keinem Zeitpunkt unter den realisierten Wert der zirkulierenden Coins, was die Widerstandskraft der bestehenden Halterbasis belegt.
Zugleich geht die Verkaufsaktivität langjähriger Investoren deutlich zurück. Wallets mit einer Inaktivität von mindestens fünf Jahren transferieren im laufenden Jahr durchschnittlich 34.000 Bitcoin pro Monat. Im Vergleich zum Jahr 2024, als dieser Wert noch bei 67.000 Einheiten lag, hat sich das bewegte Altbestand-Volumen nahezu halbiert.
Vor diesem Hintergrund stuft Thorn das aktuelle Bewertungsniveau als attraktiven Einstiegszeitpunkt für langfristig orientierte Anleger ein.
Als übergeordneter makroökonomischer Treiber fungiert zudem die US-Staatsverschuldung von mittlerweile 40,44 Billionen US-Dollar. Sie dient Marktbeobachtern zunehmend als Kernargument, Bitcoin als Absicherung gegen schleichende Währungsabwertung im Portfolio zu verankern.
Technische Hürden vor dem Zinsentscheid der Federal Reserve
Gleichwohl agiert der Markt kurzfristig in einem fragilen Umfeld. Kurskorrekturen im globalen Technologiesektor und anhaltende Inflationsrisiken belasten die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer. Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick der Finanzmärkte auf die Zinsentscheidung der Federal Reserve am Mittwoch.
Analysten stecken für die kommenden Handelstage klare technische Marken ab. Tim Sun von HashKey definiert die Marke von 75.000 US-Dollar als fundamentale Unterstützungslinie. Stephen Wundke von Algoz identifiziert hingegen die Zone um 82.000 US-Dollar als zentralen Schlüsselwiderstand.
Ein Ausbruch über diese Schwelle erwies sich bereits bei den Erholungsversuchen im August und September als zwingende Voraussetzung für nachhaltige Aufwärtsdynamik.
Ob die von Galaxy Research ausgerufene Akkumulation die Basis für einen neuen Bullenmarkt bildet, entscheidet sich daran, wie die Marktteilnehmer die geldpolitischen Signale aus Washington an diesen charttechnischen Schlüsselmarken verarbeiten.







