Bitcoin nähert sich der 70.000 US-Dollar-Marke, ein Niveau, das die Kryptowährung zuletzt Anfang Juni erreichte. Die Rallye, die Bitcoin in der Spitze auf 69.698 US-Dollar trieb, folgte einer Ankündigung des US-Finanzministeriums. Dies deutet auf eine mögliche Erholungsphase nach Monaten des Verkaufsdrucks hin und löste einen massiven Short Squeeze am Kryptomarkt aus.
Makroökonomischer Impuls durch US-Finanzministerium
Die jüngste Kursrallye steht in direktem Zusammenhang mit einer Entscheidung des US-Finanzministeriums. Das Ministerium gab am 19. August 2026 bekannt, die Volumina der Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen ab dem 9. September von maximal 2 Milliarden auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Operation zu verdoppeln.
Marktteilnehmer interpretierten die Ankündigung als eine Form quantitativer Lockerung. Eine solche Maßnahme schwächt den Dollar und stützt knappe Vermögenswerte wie Bitcoin. Matt Mena, Senior Strategist bei 21Shares, bemerkt dazu: „The market read this as a quiet form of quantitative easing, a move that weakens the dollar and sends scarce, debasement-hedge assets like Bitcoin higher.“
Die US-Staatsverschuldung wird erwartungsgemäß vor Monatsende 40 Billionen US-Dollar erreichen. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg zuletzt über 5,33 Prozent und erreichte damit das höchste Niveau seit 2007.
Es handelt sich jedoch nicht um die klassische quantitative Lockerung einer Zentralbank. Quantitative Lockerung impliziert Anleihekäufe mit neu geschaffenem Geld. Die Rückkäufe des US-Finanzministeriums sind ein Instrument des Schuldenmanagements, das die Liquidität im Markt für ältere, weniger gehandelte Staatsanleihen verbessern soll.
Ungeachtet dieser technischen Unterscheidung reagierte der Markt mit verstärkter Nachfrage nach Bitcoin.
Short Squeeze treibt Bitcoin in die Höhe
Die unmittelbare Folge der Kursbewegung war ein massiver Short Squeeze. Investoren, die auf fallende Bitcoin-Kurse gesetzt hatten, mussten ihre Positionen durch Käufe decken. Daten von Coinglass zeigen, dass am 19. August 2026 über 1,1 Milliarden US-Dollar an Short-Positionen in Bitcoin liquidiert wurden.
21Shares schätzt, dass insgesamt etwa 1,5 Milliarden US-Dollar an Short-Positionen gedeckt werden mussten. Davon entfielen rund 700 Millionen US-Dollar auf eine einzige Minute. Dies könnte nach Einschätzung des Analysehauses der größte Short Squeeze in der Geschichte von Bitcoin gewesen sein.
Der Mechanismus verstärkt den Aufwärtsdruck auf den Kurs, da Deckungskäufe die Nachfrage erhöhen. Der Bitcoin-Kurs stieg an einem Tag um über 8 Prozent und erreichte auf Coinbase 69.698 US-Dollar. Ein vergleichbares Niveau wurde zuletzt am 2. Juni verzeichnet.
Diese Entwicklung folgte auf einen Kurssturz im Oktober, bei dem Bitcoin um rund 40 Prozent von 115.000 US-Dollar fiel. Damals kam es zu Liquidationen von über 19 Milliarden US-Dollar.
Erholungsphase und wachsende institutionelle Nachfrage
Die Rallye deutet darauf hin, dass Bitcoin sich möglicherweise in einer Erholungsphase befindet. Zach Pandl, Head of Research bei Grayscale, äußert: „Our best guess is that Bitcoin potentially bottomed at $58,000 earlier this summer… and [that] it’s a compelling time for investors with longer-term horizons to be allocating to Bitcoin and the crypto asset class.“
Parallel dazu verzeichnen Spot-Bitcoin-ETFs Zuflüsse. Allein in den ersten beiden Augustwochen flossen laut Berichten rund 1 Milliarde US-Dollar in diese Fonds. Im vergangenen Jahr übertraf die institutionelle Nachfrage das Mining-Angebot von Bitcoin bereits um das 5,6-fache. Die Volatilität von Bitcoin lag 2025 bei 84 Prozent und wird aktuell mit etwa 43 Prozent angegeben.
Die US-Börsenaufsicht SEC schlug zudem am Dienstag vor der Rallye ein regulatorisches Rahmenwerk für Krypto-Assets vor. Die Details stehen noch aus. Marktteilnehmer nennen eine klarere Regulierung als einen Faktor, der das Vertrauen institutioneller Anleger beeinflussen könnte.
Ausblick auf die weitere Entwicklung
Die Kursbewegung zeigt die hohe Sensitivität des Kryptomarkts gegenüber makroökonomischen Signalen. Die angekündigte Verdoppelung der Anleiherückkäufe durch das Finanzministerium kann die Liquidität im Markt erhöhen. Inwieweit dies den US-Dollar schwächt und welche Folgen das für den Bitcoin-Kurs in den kommenden Wochen hat, werden Analysten weiterhin beobachten.
Die Nachhaltigkeit der Rallye hängt auch davon ab, ob die Zuflüsse in Spot-ETFs anhalten und ob sich das Markt-Sentiment stabilisiert. Laut Coinlore liegt der Fear & Greed Index derzeit bei 62, was als Gier-Zone interpretiert wird. Andere Datenanbieter nennen abweichende Werte.
Die Debatte um das Allzeithoch und unterschiedliche Bewertungen durch Datenanbieter macht deutlich, dass eine präzise Einordnung der aktuellen Kursniveaus im historischen Kontext nötig ist.







