Bitcoin durchbricht 75.000 US-Dollar: Short-Squeeze befeuert Rekordrally

Bitcoin (BTC) hat erstmals seit Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni die Marke von 75.000 US-Dollar überschritten. Der Kurs erreichte in der Spitze rund 75.400 US-Dollar. In Singapur wurde zeitweise ein Höchststand von 75.740 US-Dollar registriert.

Innerhalb einer Woche legte der Bitcoin-Kurs fast 20 Prozent zu. Analysten und Marktbeobachter führen den Anstieg auf eine Mischung aus geldpolitischen Signalen aus den USA, politischem Rückenwind und einem massiven Short Squeeze an den Terminmärkten zurück. Innerhalb von 24 Stunden wurden Short-Positionen im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar zwangsliquidiert, was die Aufwärtsbewegung zusätzlich verstärkte.

Nachdem Bitcoin in den Wochen zuvor um rund 63.000 US-Dollar notiert hatte und es Anfang des Sommers einen Flash Crash auf etwa 57.800 US-Dollar gab, stieg der Kurs innerhalb der letzten 24 Stunden um gut acht Prozent. Der gesamte Kryptomarkt zog mit: Ethereum (ETH) kletterte auf etwa 2.374 US-Dollar, was einem Zuwachs im niedrigen bis mittleren Ein-Prozentbereich entspricht. XRP stieg auf rund 1,31 US-Dollar, ein Tageszuwachs von etwa 16 bis 19 Prozent.

Der Short Squeeze als Katalysator

Marktbeobachter sehen den Short Squeeze als einen der Haupttreiber des Anstiegs. Bei einem Short Squeeze müssen Leerverkäufer aufgrund steigender Kurse ihre Positionen schließen. Dies löst zusätzliche Käufe aus und kann die Preise weiter antreiben.

Die Analysefirma Coinglass meldete innerhalb von 24 Stunden zwangsliquidierte Krypto-Short-Positionen in Höhe von rund 2,74 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen etwa 1,42 Milliarden US-Dollar auf Bitcoin. Als größte einzelne Liquidation wurde eine Ethereum-Position im Wert von 32,18 Millionen US-Dollar auf der Plattform Bitget genannt.

Im dezentralen Derivatehandel erlitten mehrere große Wallets auf Hyperliquid erhebliche Verluste. Drei Adressen verloren zusammengenommen rund 194 Millionen US-Dollar.

Johanna Belitz, Head of Nordics beim Krypto-ETP-Emittenten Valour, kommentiert: „Der Markt war ungewöhnlich ruhig, Absicherungen entsprechend dünn und die Positionierung einseitig. Als die Kurse anzogen, wurden innerhalb von 24 Stunden Short-Positionen im Volumen von rund 1,4 Milliarden US-Dollar liquidiert. Dieser Short Squeeze machte aus einem fundamental nachvollziehbaren Anstieg eine wesentlich stärkere Bewegung.“

Shawn Young von MEXC Research ergänzt, der Markt gebe der Intervention des Finanzministeriums deutlich mehr Gewicht, als sie verdiene: Der Auslöser sei ein Short Squeeze gewesen, gepreist werde er wie ein Regimewechsel.

Politische und geldpolitische Impulse

Neben dem Short Squeeze nennen Beobachter politische Signale aus den USA als Treiber. US-Präsident Donald Trump empfing Vertreter von Unternehmen wie Coinbase, Ripple und Robinhood im Weißen Haus. Auch die Vorsitzenden der SEC und der CFTC waren dem Bericht zufolge anwesend.

Das Treffen brachte keine konkreten regulatorischen Neuerungen, wurde aber als politisches Signal gewertet. Belitz kommentiert dazu: „Das Treffen im Weißen Haus hat dem Markt vor allem politische Rückendeckung gegeben.“ Berichten zufolge brachte Trump erneut die Prüfung staatlicher Bitcoin-Käufe ins Spiel.

Parallel dazu kündigte das US-Finanzministerium an, die Volumina der Rückkäufe längerfristiger Staatsanleihen (10 bis 30 Jahre) ab dem 9. September zu verdoppeln. Statt bisher maximal zwei sollen nun mindestens vier Milliarden US-Dollar pro Operation zurückgekauft werden.

Diese Ankündigung ging mit fallenden Langfristzinsen einher, nachdem die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe zuvor zeitweise über 5,33 Prozent gestiegen war. Zugleich schwächte sich der US-Dollar auf ein Drei-Monats-Tief ab.

Wachsendes institutionelles Interesse und Ausblick

Institutionelle Nachfrage zeigt sich in Zuflüssen in Krypto-Anlageprodukte. In der Woche wurden Bitcoin-ETFs netto rund eine Milliarde US-Dollar zugeführt, Ether-Produkten flossen etwa 290 Millionen US-Dollar zu. An einem einzelnen Tag sammelten Spot-Bitcoin-ETFs laut Bericht 517 Millionen US-Dollar ein.

Für Ether-ETFs wurde ein Tageszufluss von 189 Millionen US-Dollar als größter seit dem letzten Herbst genannt. Diese Zuflüsse spiegeln eine spürbare Nachfrage nach Krypto-Investmentprodukten wider.

Analysten sehen die Marke von 80.000 US-Dollar als nächste wichtige Widerstandszone. Der 365-Tage-Durchschnitt liegt laut einer Quelle bei rund 83.000 US-Dollar. Die 200-Tage-Linie notiert bei etwa 69.000 US-Dollar und wird als wichtige technische Marke genannt.

Die Prognosebörse Kalshi führt eine Wette, ob Bitcoin bis zum 1. Januar 2027 100.000 US-Dollar überschreitet. Solche Märkte zeigen, dass Teilnehmer unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten für künftige Kursziele handeln.

Marktteilnehmer beobachten zudem die bevorstehende Veröffentlichung der Protokolle der Juli-Sitzung des FOMC, welche weitere Hinweise auf den geldpolitischen Kurs liefern könnte.