Im August 2026 erschütterte ein massiver Wasserverlust die Kleinstadt El Reno, Oklahoma. Über Nacht verschwanden 3,8 Millionen Gallonen Wasser aus der kommunalen Versorgung. Dieser Vorfall führte zu einem plötzlichen Druckabfall, weshalb Schulen den Unterricht absagen mussten, da die Funktion der Brandschutzsysteme nicht gewährleistet war.
Auch das Bezirksgericht blieb geschlossen. Die Stadtverwaltung lokalisierte das Leck an einem Hydranten, der an eine private Wasserleitung einer Bitcoin-Mining-Anlage angeschlossen war.
Betreiber dieser Anlage ist Athlon Blockchain Technology LLC. Stadtbeamte geben an, die Anlage sei ohne Genehmigung in Betrieb gegangen. Eine „Stop-Work-Order“ vom Juni 2023 hätte dies verhindern sollen.
Inspektoren stellten zuvor Verstöße gegen Bau-, Brand- und Elektrovorschriften sowie Entwässerungsprobleme fest. Stadtangaben zufolge setzte das Unternehmen die Arbeiten dennoch fort und nahm die Anlage in Betrieb.
Städtische Versäumnisse und ungeplanter Betrieb
Die städtische Leitung von El Reno steht nach dem Vorfall in der Kritik. Der Interims-Stadtmanager Ken Brown räumte ein, die Stadt habe es versäumt, die Einhaltung der im Juni 2023 erteilten „Stop-Work-Order“ zu überprüfen. Er führte das Versäumnis auf Personalwechsel und mangelnde interne Kommunikation zurück.
Lyndsay Bayne, Sprecherin der Stadt, betonte die Schwere der Situation: „There’s multiple, drainage, electrical. I mean, the list is long from the violations. They really weren’t in compliance at all.“
Athlon Blockchain Technology beschreibt sich selbst als Entwickler mobiler Rechenzentren für KI und Bitcoin-Mining. Die städtischen Beamten erklärten, der Betrieb sei niemals genehmigt worden. Die Stadt verurteilte daraufhin das Grundstück und erließ eine Mitteilung zur Beseitigung öffentlicher Belästigungen.
Athlon darf den Betrieb erst wieder aufnehmen, wenn alle ausstehenden Vorschriften erfüllt sind. Überdies soll das Unternehmen für die Kosten des Wasserverlusts sowie für Überstunden, Ausrüstung und andere bei der Lecksuche entstandene Ausgaben aufkommen. Eine Anhörung zwischen der Stadt und Athlon war für den 14.
September 2026 angesetzt, um das weitere Vorgehen zu klären.
Der „Blockchain Basics Act“ und seine Auswirkungen
Der Vorfall in El Reno rückt auch die Rolle des 2024 vom Bundesstaat Oklahoma verabschiedeten „Blockchain Basics Act“ in den Blick. Das Gesetz wurde von Repräsentant Brian Hill und Senator Bill Coleman mitverfasst und von Gouverneur Kevin Stitt unterzeichnet. Kritiker wie Matt Carney und Katie Wiehe von The Pickup argumentieren, dass das Gesetz die Möglichkeiten lokaler Regierungen einschränkt, Bitcoin-Mining-Anlagen zu regulieren.
Kernpunkte des Gesetzes sind laut Berichten unter anderem: Städte müssen Bitcoin-Mining in industriell ausgewiesenen Gebieten zulassen. Gemeinden können zudem nicht durch Umwidmungen verhindern, dass solche Anlagen entstehen. Überdies darf die Oklahoma Corporation Commission Kryptowährungs-Minern keine abweichenden Stromtarife berechnen.
Für Bitcoin-Miner entfällt schließlich eine staatliche Lizenz, wie sie für andere Geldtransferunternehmen erforderlich ist. Katie Wiehe stellte fest: „It essentially preempted any of the local governments or the state government from in the future, putting restrictions on certain bitcoin and cryptocurrency activities.“ Matt Carney kommentierte den Nutzen für die Allgemeinheit: „But when Netflix sets up a data center in your county, at least you can sit at home and stream a movie.
It provides you a service. Whereas, when a crypto miner sets up an operation in their community, they’re creating a speculative asset that enriches their own portfolio.“ Senator Bill Coleman sagte im April 2024: „Currently lots of blockchain, lots of bitcoin, lots of things going on in the state of Oklahoma with zero regulation.“
Ressourcenverbrauch und Branchentrends
Bitcoin-Mining verbraucht große Mengen Elektrizität und in vielen Fällen Wasser zur Kühlung der Hardware. Sunderesh Heragu, Regents Professor an der Oklahoma State University, mahnt zur Überwachung: „All parties will have to be closely monitoring energy and water usage in these facilities so it doesn’t deprive the typical users.“
Ein aktueller Branchentrend zeigt, dass Betreiber wegen sinkender Rentabilität Teile ihrer Kapazitäten in Rechenzentren für KI und Hochleistungsrechnen (HPC) umwandeln. Die Hash-Rate öffentlicher Bitcoin-Miner sank in der ersten Jahreshälfte 2026 um etwa 15 Prozent (rund 56 Exahashes pro Sekunde), teilweise weil Kapazitäten für KI-Infrastruktur umgewidmet wurden. Große Mining-Firmen wie Marathon Digital Holdings und CleanSpark verkaufen größere Mengen geschürfter Bitcoins und diversifizieren in KI und HPC.
Die kumulierten Werte der angekündigten KI- und HPC-Verträge börsennotierter Miner überstiegen im ersten Quartal 2026 Berichten zufolge 70 Milliarden US-Dollar.
Der Umbau ist kapitalintensiv: Der Bau von Mining-Infrastruktur wird mit etwa 0,7 bis 1 Million US-Dollar pro Megawatt angegeben. AI-Infrastruktur veranschlagt hingegen etwa 8 bis 15 Millionen US-Dollar pro Megawatt. Marathon Digital Holdings schätzt die Kosten für direkte flüssigkeitsgekühlte AI-Rechenzentren auf etwa 10 bis 10,5 Millionen US-Dollar pro Megawatt.
Trotz potenziell höherer Umsätze pro Megawatt bleiben Personal, Transformatoren, Schaltanlagen, Finanzierung und behördliche Genehmigungen Engpässe für KI-Rechenzentren.
Ausblick: Regulierung und Marktverantwortung
Der Fall in El Reno verdeutlicht lokale Risiken durch ungeklärte Betriebsverhältnisse und offene Fragen zur Kontrolle von Infrastrukturen privater Anbieter. Die Anhörung am 14. September 2026 soll klären, welche unmittelbaren Konsequenzen auf Athlon zukommen.
Der Vorfall könnte zudem die Debatte über den „Blockchain Basics Act“ und das Verhältnis von wirtschaftlicher Ansiedlung zu kommunalen und ökologischen Interessen in Oklahoma befeuern. Beobachter innerhalb und außerhalb des Bundesstaates werden verfolgen, ob und wie sich daraus Konsequenzen für die Ansiedlung und Regulierung von Bitcoin-Mining- und KI-Rechenzentren ergeben.







