Bitcoin und Nasdaq: Die fragile Allianz der Risikoanlagen
Bitcoin, einst als digitales Gold und Inflationsschutz gehandelt, entwickelt sich zunehmend zum Barometer für die globale Risikobereitschaft. Eine anhaltende Korrelation mit den Nasdaq-Futures deutet darauf hin, dass die Kryptowährung vermehrt als Proxy für Risikoanlagen und Indikator für globale Liquidität fungiert. Jüngste Daten vom Oktober 2026 belegen diese enge Beziehung, zeigen jedoch auch eine seit Ende 2025 beobachtete Divergenz.
Die Verschiebung der Korrelation
Historisch galt Bitcoin als unabhängiger Vermögenswert, der Portfolio-Diversifikation ermöglichte. Seit 2020 verändert sich diese Dynamik. Die Korrelation zwischen Bitcoin und führenden Aktienindizes wie dem S&P 500 sowie dem Nasdaq 100 stieg von nahezu null auf ein deutlich positives Niveau.
Für den Zeitraum Januar 2020 bis Dezember 2022 liegen Korrelationen von etwa 0,40 (S&P 500) und 0,42 (Nasdaq 100) vor.
Die Zunahme der Korrelation ist unter anderem auf die wachsende Akzeptanz durch institutionelle Anleger zurückzuführen. Analysten bei Forex.com meldeten im Oktober 2026 eine 20-Tage-Korrelation von 0,69 zwischen Bitcoin und Nasdaq-100-Futures. Die 20-Tage-Korrelation zu SOX-Futures betrug demnach 0,57, zu Kospi-Futures 0,52.
Makro-Investor Raoul Pal verweist auf die Bedeutung der globalen Liquidität und nennt für Bitcoin eine 87-prozentige Korrelation mit dieser Metrik.
Liquidität als Marktbewegungsfaktor
Die Verbindung von Bitcoin mit globaler Liquidität ist ein wiederkehrendes Thema in der Analyse. Stanley Druckenmiller fasst es prägnant zusammen: Nicht Unternehmenszahlen bewegen seiner Ansicht nach den Gesamtmarkt, sondern die Zentralbanken und die Liquiditätsflüsse. Eine von Lyn Alden und Sam Callahan erstellte Untersuchung zeigt, dass Bitcoin in 83 Prozent der Fälle über einen Zwölfmonatszeitraum in dieselbe Richtung tendiert wie eine aggregierte Messgröße für globale M2-Geldmengen.
Dies ist ein höherer Wert als bei jeder anderen großen Anlageklasse in dieser Studie.
Die Einführung von Spot-Bitcoin-ETFs im Jahr 2024 sowie das Vorgehen von Unternehmen wie Strategy (ehemals MicroStrategy) verstärken diese Verflechtung. Strategy hält Bitcoin als Teil seiner Treasury-Strategie. Michael Saylor betont, Strategy sei ein operatives Softwareunternehmen mit einer auf Bitcoin ausgerichteten Treasury-Strategie.
Jüngste Marktbewegungen und die Divergenz-Diskussion
Am 13. Oktober 2026 notierte Bitcoin bei etwa 83.828 US-Dollar. Am Vortag fiel der Kurs kurzzeitig unter 82.000 US-Dollar.
Berichte führen dies zu Liquidationen von rund 488 Millionen US-Dollar im Kryptomarkt. Am 13. Oktober liquidierten Marktteilnehmer innerhalb von 24 Stunden rund 803 Millionen US-Dollar an gehebelten Kryptowährungspositionen.
Die Berichte deuten einen teilweisen Ausverkauf im Halbleitersektor in Asien als Ursache an.
Seit Anfang Oktober 2025 beobachten einige Analysten eine Loslösung der zuvor hohen Korrelation. Charles Archer von Crypto.com und James Van Straten von CoinDesk berichten von einer beginnenden Divergenz, die sich im November 2025 verstärkte. Im Dezember 2025 lag die 20-Tage-Korrelation zwischen Bitcoin und Nasdaq-100 bei etwa minus 0,43.
Vor diesem Rückgang hatte die Korrelation im November 2025 ein Fünfjahreshoch erreicht. Diese Entwicklungen führen zu Debatten, ob Bitcoin kurzfristig unabhängige Kursbewegungen zeigt oder ob es sich um temporäre Anomalien handelt.
Offene Fragen und Ausblick
Die vorliegende Recherche dokumentiert widersprüchliche Signale. Einige Quellen sehen bis Herbst 2026 eine verstärkte positive Korrelation zwischen Bitcoin und Technologie-Futures, während andere ein Auseinanderbrechen der Beziehung Ende 2025 feststellen. Unterschiede in den Beobachtungszeiträumen und in den verwendeten Korrelationsfenstern gelten als mögliche Erklärungen.
Für Beobachter bleibt relevant, wie sich geldpolitische Entscheidungen und die Liquiditätslage entwickeln. Die Recherche weist darauf hin, dass der Fed-Vorsitz von Jerome Powell im Mai 2026 endet und ein Wechsel an der Spitze die Liquiditätsbedingungen beeinflussen könnte. Ob die jüngste Divergenz dauerhaft ist oder eine kurzfristige Marktbewegung darstellt, wird sich an den gleitenden Korrelationswerten und der Reaktion von Bitcoin auf makroökonomische Indikatoren zeigen.
Analysten werden die weiteren Entwicklungen aufmerksam verfolgen.







