Der Markt für digitale Vermögenswerte verharrt in einer Starre. Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve am 27. bis 28. Oktober bewegt sich Bitcoin in einer engen Handelsspanne zwischen 81.535 und 81.789 US-Dollar.

Die Zurückhaltung institutioneller Investoren spiegelt das veränderte makroökonomische Umfeld wider, wobei die anstehende Zinsentscheidung als zentraler Taktgeber der aktuellen Marktlähmung fungiert.

Historische Ruhephase vor dem Zinsentscheid

Die Handelsspanne der führenden Kryptowährung verengt sich seit Wochen spürbar. In den vergangenen 30 Tagen liegt die Volatilität von Bitcoin bei unter sechs Prozent, während sich die fünf größten Digitalwährungen auf Wochensicht um weniger als zwei Prozent bewegen. Der Spot-Kurs pendelt bei einem 24-Stunden-Spot-Volumen von 1,2 Milliarden US-Dollar eng zwischen 81.535 und 81.789 US-Dollar.

Im Tagesverlauf markiert die Leitwährung ein Tief bei 80.989 US-Dollar sowie ein Zwischenhoch bei 82.100 US-Dollar. Ende September notierte der Kurs noch bei rund 83.540 US-Dollar.

Das Marktsentiment spiegelt diese abwartende Haltung wider. Der Crypto Fear and Greed Index steht bei 47 Punkten und signalisiert damit eine neutrale Marktstimmung. Einige Marktbeobachter werten die anhaltende Kompression als Vorboten größerer Ausschläge.

Jake Koch-Gallup, Senior Research Analyst bei Blockworks, verweist darauf, dass vergleichbare Phasen in der Vergangenheit binnen weniger Monate Preisausschläge von rund 30 Prozent nach sich zogen. André Dragosch, Head of Research bei Bitwise Europe, stuft die Seitwärtsphase hingegen als konstruktives Signal ein, da Anleger Kursdellen absorbieren und ihr Engagement im Markt verteidigen.

Arbeitsmarktdaten nähren Spekulationen auf Zinspause

Die bevorstehende Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve bestimmt die Zurückhaltung der Investoren. Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinserhöhung im Oktober sank zuletzt deutlich. Das CME FedWatch Tool taxiert die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschritts auf 18,3 Prozent, während Zinssenkungen mit null Prozent eingepreist sind.

Der Marktkonsens rechnet fest mit einer Zinspause.

Eine Reuters-Umfrage unter 100 Ökonomen stützt dieses Bild: 94 Experten prognostizieren ein Verharren des Leitzinses im Zielband von 3,75 bis 4,00 Prozent.

Ausschlaggebend für diesen Stimmungsumschwung waren schwache US-Arbeitsmarktdaten für den Monat September. Der Stellenzuwachs außerhalb der Landwirtschaft lag bei lediglich 29.000 neuen Arbeitsplätzen und verfehlte die Konsenserwartung von 90.000 Stellen deutlich. Die Veröffentlichung löste an den Derivatemärkten unmittelbare Verwerfungen aus, bei denen binnen einer Stunde Short-Positionen im Volumen von 27,5 Millionen US-Dollar liquidiert wurden.

Gleichwohl bleibt das makroökonomische Umfeld für Risikoanlagen anspruchsvoll. Die Kernrate des privaten Konsumausgabenindex stieg im August um 0,2 Prozent, während die Gesamtinflation zuletzt bei 3,7 Prozent lag. Parallel dazu kletterte der Ölpreis bis Ende September um rund 14 Prozent auf über 96 US-Dollar je Barrel.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg zudem Anfang Oktober auf 5,342 Prozent und markierte damit den höchsten Stand seit Anfang 2002.

Uneinigkeit im Offenmarktausschuss hemmt Risikobereitschaft

Hinter den Kulissen der Notenbank schwelt eine Grundsatzdebatte über den künftigen geldpolitischen Kurs. Fed-Chef Kevin Warsh führte das Gremium im September zu einem einstimmigen Beschluss, den Leitzins um 25 Basispunkte anzuheben, was den ersten Zinsschritt nach oben seit 2023 markierte. Derzeit vermeidet Warsh Festlegungen auf einen festen Pfad.

Mehrere Notenbanker plädieren für ein vorläufiges Innehalten. John Williams, Präsident der New York Fed, sieht nach dem Zinsschritt im September keine Dringlichkeit für weitere Erhöhungen und verweist auf die Notwendigkeit zusätzlicher Daten. Auch Philip Jefferson und Mary Daly mahnen zur Vorsicht, um die verzögerte Wirkung der bisherigen Straffung auf die Realwirtschaft zu analysieren.

Fed-Gouverneur Michael Barr warnt hingegen davor, den Straffungskurs zu früh zu beenden, da zusätzliche Maßnahmen nötig sein könnten, um die Inflation wieder an das Ziel heranzuführen.

Die geldpolitische Unsicherheit drückt spürbar auf das Risikoprofil institutioneller Investoren. Carlos Guzman, Vice President of Research beim Krypto-Market-Maker GSR, führt die Seitwärtsbewegung primär auf externe makroökonomische Faktoren sowie Nervosität im Technologiesektor zurück. Ein nachhaltiger Ausbruch an den Kryptomärkten bleibe unwahrscheinlich, solange eine allgemeine Risikoaversion das Marktgeschehen dominiere.

Geldpolitische Unsicherheit dominiert den Ausblick

Eine Zinspause im Oktober werten institutionelle Beobachter nicht als Trendwende. Sämtliche 100 in der Reuters-Umfrage befragten Volkswirte stellen sich auf eine erneute Zinserhöhung bei der Dezembersitzung am 8. bis 9. Dezember ein.

Krypto-Analyst Benjamin Cowen erwartet den Höhepunkt der Zinsunsicherheit mit der offiziellen Veröffentlichung des Fed-Statements am 28. Oktober. Bis die US-Notenbank ein klares Signal über das Ende ihres Straffungszyklus sendet, dürfte der Markt für digitale Vermögenswerte anfällig für kurzfristige Liquiditätsschocks bleiben.