Überraschend hohe Inflationsdaten aus den Vereinigten Staaten für September 2026 setzen den Bitcoin-Kurs und den gesamten Kryptomarkt unter Druck. Die Leitdevise fällt am Mittwoch und Donnerstag unter die Marke von 81.000 US-Dollar. Die Sorge vor weiteren Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dämpft die Risikobereitschaft der Anleger.

Dies führt zu Abflüssen aus risikoreichen Anlagen wie digitalen Vermögenswerten.

Inflation übertrifft Erwartungen

Die jährliche Inflationsrate in den USA steigt im September auf 3,7 Prozent, nach 3,4 Prozent im August. Analysten erwarteten 3,6 Prozent. Auch die Kerninflation, welche die volatilen Preise für Nahrungsmittel und Energie ausschließt, klettert von 2,4 Prozent auf 2,6 Prozent. Damit übertrifft sie die Prognosen von 2,5 Prozent.

Insbesondere die Energiepreise tragen zum Anstieg bei. Benzin steigt monatlich um 9,1 Prozent, Heizöl und Diesel um 15,3 Prozent. Der Benzinindex macht mehr als die Hälfte des monatlichen Anstiegs des Gesamtindex aus. Parallel dazu verharrt der Brent-Rohölpreis weiterhin oberhalb von 100 US-Dollar pro Barrel.

Die Veröffentlichung dieser Daten am Mittwoch um 14:30 Uhr deutscher Zeit führt zu einer umgehenden Reaktion am Kryptomarkt. Bitcoin fällt innerhalb von weniger als 15 Minuten von rund 83.800 US-Dollar auf 82.570 US-Dollar. Im weiteren Handelsverlauf rutscht der Kurs unter die 82.000-US-Dollar-Marke auf bis zu 81.926 US-Dollar auf Bitstamp.

Andere große Kryptowährungen verzeichnen ebenfalls deutliche Verluste.

Ether notiert bei 2.358,28 US-Dollar, ein Minus von 6,19 Prozent. XRP steht bei 1,30 US-Dollar mit einem Minus von 5,20 Prozent und Solana bei 102,46 US-Dollar, was einem Rückgang von 5,03 Prozent entspricht. Nur wenige Top-100-Token entziehen sich diesem Trend; PYTH ist der einzige Top-100-Token mit über sieben Prozent Plus.

Zinserhöhungsfurcht belastet den Markt

Die überraschend hohen Inflationszahlen befeuern Spekulationen über eine restriktivere Geldpolitik der Fed. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Daten steigt die von den Märkten eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Oktober kurzfristig von rund 22 Prozent auf nahezu 47 bis 50 Prozent. Dies zeigen das CME FedWatch Tool und Prognoseplattformen wie Polymarket.

Die Entwicklung spiegelt eine gestiegene Unsicherheit unter Anlegern wider.

Später am Tag beruhigt sich die Stimmung wieder etwas. Die Wahrscheinlichkeit für eine Oktober-Zinserhöhung sinkt auf etwa 26 bis 30 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen im Oktober unverändert lässt, liegt damit bei über 70 Prozent.

Vikram Subburaj, CEO von Giottus, kommentiert die Lage: „Stärkere US-Inflationsdaten haben die Befürchtung erneuert, dass die Zinsen länger höher bleiben werden.“ Anderson von STS Digital ergänzt: „Da die nächste FOMC-Sitzung ein Münzwurf ist, schadet diese Unsicherheit der Liquidität und dämpft die Risikobereitschaft in allen Anlageklassen.“

Anderson fügt hinzu, dass digitale Vermögenswerte zunehmend sensibel auf makroökonomische Faktoren reagieren. Dazu gehören Energieschocks, Volatilität am Anleihemarkt und Bewertungen im KI-Sektor. Ökonom Robin Brooks sagt, die globalen Anleihemärkte „fangen wieder Feuer“, was die Unsicherheit auf den Finanzmärkten verstärke.

Abflüsse bei Bitcoin-ETFs

Die angespannte Marktlage spiegelt sich in den Daten der US-Spot-Bitcoin-ETFs wider. Am Mittwoch, dem Tag der Inflationsdaten, verzeichnen diese ETFs Nettoabflüsse von 150,5 Millionen US-Dollar. Am Vortag waren noch Zuflüsse von 175,7 Millionen US-Dollar gemeldet worden.

Seit dem Start der Spot-ETFs sinken die kumulierten Nettozuflüsse durch jüngste Abflüsse auf 57 Milliarden US-Dollar.

Parallel zu den Abflüssen melden Unternehmen weitere Käufe. Strive erwirbt zwischen dem 12. und 13. Oktober 2.822 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von rund 83.266 US-Dollar.

Das Gesamtvolumen beträgt etwa 235 Millionen US-Dollar. Damit erhöht das Unternehmen den Gesamtbestand auf 35.595 Bitcoin. Das Unternehmen hatte wenige Tage zuvor 3.311 BTC für rund 280 Millionen US-Dollar gekauft.

MicroStrategy investiert zudem rund 21,5 Millionen US-Dollar in zusätzliche 250 Bitcoin.

Diese Unternehmenskäufe stehen in zeitlicher Nähe zu den ETF-Abflüssen.

Ausblick auf Fed-Entscheidung und weitere Daten

Die Markterwartungen für die Geldpolitik der Fed bleiben dynamisch. Die Veröffentlichung des Erzeugerpreisindex (PPI) am Donnerstag, einen Tag nach den CPI-Daten, zeigt einen Anstieg der jährlichen Rate von 4,8 Prozent auf 5,4 Prozent. Die Kern-PPI steigt auf 4,6 Prozent.

Nach den PPI-Daten erhöht sich die von den Märkten eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Oktober auf 72,4 Prozent.

Die nächste Fed-Sitzung gilt in der Berichterstattung als entscheidender Zeitpunkt. Kommentare in der Berichterstattung betonen, dass die Notenbank überzeugt sein muss, dass die Kerninflation sich nachhaltig in Richtung Ziel bewegt, um von weiteren Zinserhöhungen abzusehen.

Die Unsicherheit über den weiteren Zinspfad der Fed und die anhaltende Inflation im Energiesektor könnten die Entwicklung von Bitcoin und dem breiteren Kryptomarkt in den kommenden Wochen beeinflussen. Marktteilnehmer beachten technische Kursmarken bei 82.000, 81.000 und 80.000 US-Dollar als wichtige Unterstützungsniveaus. Ein Durchbruch nach unten könnte zu weiteren Kursbewegungen führen.