Das österreichische Fintech-Unicorn Bitpanda gerät unter Druck. Trotz eines zweistelligen Umsatzwachstums rutscht die Krypto- und Investmentplattform im Geschäftsjahr 2025 in die Verlustzone, während ein abrupter Wechsel an der Führungsspitze für Unruhe sorgt. Der geplante Börsengang in Frankfurt mit einer anvisierten Bewertung von vier bis fünf Milliarden Euro liegt vorerst auf Eis.
Für das Management um Mitgründer Christian Trummer beginnt damit eine Phase der Neuausrichtung.
Teure Expansion drückt das Ergebnis ins Minus
Die vorläufigen Finanzdaten für das Geschäftsjahr 2025 belegen einen deutlichen Profitabilitätseinbruch. Bitpanda steigert den bereinigten Umsatz zwar um 16 Prozent auf 371 Millionen Euro, verzeichnet jedoch einen Nettoverlust von 14 Millionen Euro. Im Vorjahr erzielte die Plattform noch einen Gewinn von knapp 62 Millionen Euro.
Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) bricht parallel um 75 Prozent auf 13 Millionen Euro ein.
Haupttreiber des Rückgangs sind drastisch gestiegene Marketingaufwendungen. Diese Ausgaben kletterten innerhalb eines Jahres um 56 Prozent auf fast 107 Millionen Euro. Zu den kostspieligen Engagements gehören Sponsoringverträge mit dem FC Bayern München sowie großangelegte Werbekampagnen mit dem Schauspieler Christoph Waltz.
Finanzchefin Barbara Edelmann verteidigt die Offensive: „Wir haben im vergangenen Jahr intensiv in Marketing und Expansion investiert, um Bitpanda voranzutreiben. Es war eine Investition in die Zukunft.“
Führungswechsel und gestoppte Börsenpläne
Parallel zur finanziellen Eintrübung ordnet sich die operative Spitze neu. CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad, der erst im August in die operative Führung aufrückte, verlässt das Unternehmen im ersten Quartal. Er wechselt zur Erste Group in den Bereich Digital Investing und Asset Management. Mitgründer und Chief Scientist Christian Trummer übernimmt übergangsweise als Co-CEO.
Trummer steuerte zuvor viele Jahre als Technikvorstand die Entwicklung, ehe er diese Funktion 2023 abgab. Der Verwaltungsrat sucht derweil intern wie extern nach einer dauerhaften Neubesetzung. Die Mitgründer Eric Demuth und Paul Klanschek hatten sich bereits zuvor aus der operativen Doppelspitze in Verwaltungs- und Beraterrollen zurückgezogen.
Der abrupte Abgang löst am Markt Verunsicherung aus. Interne Stimmen berichten von Vertrauensverlusten. Die geplante Notierung am Frankfurter Parkett, für die Bitpanda bereits Gespräche mit Instituten wie Goldman Sachs, Citigroup und der Deutschen Bank führte, ist vorerst ausgesetzt.
Die Vorbereitungen sahen eine angestrebte Bewertung von vier bis fünf Milliarden Euro vor. In der Series-C-Finanzierungsrunde im August 2021 bewerteten Investoren wie Valar Ventures und DST Global das Unternehmen noch mit mehr als 4,0 Milliarden US-Dollar.
Der mühsame Weg zum Allround-Broker
Um die Zyklik des Kryptogeschäfts abzufedern, treibt Bitpanda den Ausbau zum Vollbroker voran. Auf der Plattform stehen mittlerweile über 10.000 Aktien, ETFs und ETCs sowie Edelmetalle neben rund 650 Krypto-Assets zur Verfügung.
Jeder vierte Sparplan entfällt inzwischen auf Wertpapiere. Allerdings weist das Neugeschäft geringe Ticketgrößen auf und liefert bislang kaum nennenswerte Margenbeiträge. Bei einer Fremdkostenpauschale von einem Euro pro Wertpapiertransaktion liegt jede zweite Order unter 500 Euro.
Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb im Neobroker-Segment. Rivalen wie Trade Republic und Scalable Capital beanspruchen Marktanteile für sich. Trade Republic meldete zuletzt rund zehn Millionen Kunden, während Bitpanda mehr als sieben Millionen registrierte Nutzer zählt.
Die niedrigen Ordergrößen im Wertpapierhandel vermögen den Ertragsrückgang im margenstarken Krypto-Handel bisher nicht auszugleichen.
Zusätzlich sorgt regulatorischer Gegenwind für Belastungen. Im August verhängte die österreichische Finanzmarktaufsicht gegen die Bitpanda GmbH eine Strafe von 70.000 Euro wegen Verstößen gegen Transparenz- und Werbevorgaben der europäischen MiCA-Verordnung. Auslöser waren ein verspätetes Whitepaper und vorzeitige Werbemaßnahmen. Lizenzen und Kundengelder blieben von dem Verfahren unberührt.
Institutionelle B2B-Dienste als Ertragsanker
Angesichts schwankender Retail-Erlöse richtet das Management den Fokus verstärkt auf institutionelle Kunden. Unter der Marke Bitpanda Enterprise bündelt das Fintech White-Label-Dienste und Infrastructure-as-a-Service-Angebote für Banken und Finanzinstitute. Das Portfolio umfasst Custody, Liquidity, Settlement, Tokenisierung und Stablecoin-Management.
Zu den Partnern gehören Institute wie die Raiffeisen Bank International, die LBBW, die BW-Bank, Société Générale sowie die Gruppe Deutsche Börse. Diese B2B-Partnerschaften sollen für stabilere, wiederkehrende Erlöse sorgen und die Abhängigkeit vom volatilen Privatkundengeschäft reduzieren.
In Deutschland bereitet sich das Unternehmen zudem auf regulatorische und steuerliche Anpassungen vor. Bitpanda forciert automatisierte Steuerabführungen im Rahmen der geplanten pauschalen Abgeltungsteuer auf Krypto-Erträge. Ergänzend befinden sich Produkte für das künftige staatliche Altersvorsorgedepot in der Konzeption.
Das Management steht nun vor der Aufgabe, die Kostenbasis nach der Marketingoffensive zu konsolidieren und den operativen Cashflow zu stabilisieren. Solange die Suche nach einer dauerhaften Führung andauert und die Margen im Wertpapiergeschäft gering bleiben, agiert Bitpanda aus einer defensiven Haltung heraus. Ein neuer Anlauf für den Gang an die Börse wird maßgeblich davon abhängen, wie schnell das Unternehmen zu einer nachhaltigen Profitabilität zurückfindet.







