Larry Fink, CEO des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock, kritisiert Deutschlands Investitionsstrategie im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und Infrastruktur. Er fordert konkrete Reformen zur Beschleunigung von Investitionen und zur Stärkung der Kapitalmärkte. Nur so bleibst Du im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig.

Fink sieht massive Infrastrukturinvestitionen, besonders in Energieerzeugung und Rechenzentren, als Voraussetzung für eine breite Nutzung von KI.

Infrastruktur als Rückgrat der KI-Revolution

Eine breite Anwendung Künstlicher Intelligenz ist ohne erhebliche Infrastrukturinvestitionen nicht denkbar, betont Fink. Er verweist auf den hohen Energiebedarf von KI-Anwendungen und die dafür notwendigen Datenzentren. Die dafür nötigen Investitionen schätzt er weltweit auf „trillions of dollars“ in den kommenden Jahren.

„[KI] kann nicht wirklich stattfinden, wenn es keine massiven Infrastrukturinvestitionen gibt“, erklärte er. Gleichzeitig macht er auf den großen Energiebedarf der Technologie aufmerksam. Andernfalls bestehe die Gefahr von Engpässen.

Die Bundesrepublik steht vor der Herausforderung, attraktive Rahmenbedingungen für solche Investitionen zu schaffen. Fink sieht Deutschland grundsätzlich als attraktiven Standort, warnt jedoch vor einem härteren globalen Wettbewerb um Kapital. Er fordert eine Reform der Genehmigungsverfahren, um Investitionen zu beschleunigen.

Als Beispiel nennt er Kanada, wo Genehmigungen auf Bundesebene innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden sollen. „Mir hat noch niemand erklären können, warum das so viel Zeit braucht. Zeit ist Geld, und Geld muss mit weniger Unsicherheit arbeiten können“, so seine Einschätzung.

Warnung vor wachsender Vermögensungleichheit

Ein zentraler Punkt in Finks Analyse ist die soziale Dimension der KI-Entwicklung. Er warnt, dass KI die Vermögensungleichheit verschärfen könnte. Dies geschehe, wenn anfängliche Gewinne vornehmlich an Eigentümer von Modellen, Daten und Infrastruktur fließen. Das Risiko bestehe darin, dass sich Vermögen bei denjenigen konzentriert, die bereits finanzielle Vermögenswerte besitzen.

In seinem Jahresbrief schrieb Fink: „Milliarden Menschen beobachten, wie ihre Volkswirtschaften wachsen – von außen, als Mieter statt als Eigentümer.“ Er betont, dieses Muster, wonach ein Großteil des Wohlstands an Eigentümer von Vermögenswerten fließt, bestehe bereits seit Jahrzehnten. KI könnte es in größerem Maßstab wiederholen.

Fink bezog sich auch auf eine Formulierung von Nvidia‑CEO Jensen Huang: „Everybody should be able to make a great living. You don’t need a PhD in computer science to do so.“ Fink fordert daher, die Teilhabe am Wachstum der KI‑Ökonomie breiter zu gestalten.

Kapitalmarktunion als Chance für Europa

Fink fordert einen „schnellen Schub“ für die europäische Kapitalmarktunion. Er sieht Chancen in den aktuellen Renditen von Unternehmensanleihen. Diese beziffert er auf rund sieben Prozent und bezeichnet solche Renditen als attraktive Investmentmöglichkeit. Solche Gelegenheiten seien seit etwa 30 Jahren nicht aufgetreten.

BlackRock selbst verwaltete per April 2024 ein Vermögen (AUM) von 10,5 Billionen US-Dollar. Laut Fink hat das Unternehmen „Hunderte Milliarden Dollar“ in Deutschland investiert. BlackRock werde auch weiterhin investieren, wenn sich attraktive Gelegenheiten bieten. Das Unternehmen ist zudem am zweiten Growth Fund der deutschen Förderbank KfW beteiligt.

Zur Fachkräftesicherung investiert BlackRock in Deutschland 15 Millionen Euro über fünf Jahre im Rahmen des „Future Builders“-Programms. Global kündigte der Konzern eine Initiative zur Fachkräfteentwicklung in Höhe von 100 Millionen US-Dollar an.

BlackRocks Haltung zur Bewertung im KI-Sektor

Eine Blase im KI‑Bereich sieht Fink nicht: „I don’t see any uncertainty around AI. I truly believe there is no bubble in the AI space.“ Diese Einschätzung steht neben Warnungen anderer Experten.

Diese sehen teilweise Parallelen zum Dotcom‑Crash. Auch die Bank of England warnte in der Vergangenheit vor einem „sudden correction risk“ in globalen Märkten aufgrund hoher Bewertungen führender KI‑Unternehmen.

Die Debatte um notwendige KI‑Investitionen in Deutschland und Europa, die Regulierung der KI‑Entwicklung sowie die Frage nach der Verteilung der entstehenden Erträge bleibt Bestandteil politischer und ökonomischer Diskussionen. Themen wie Quartalsberichte großer Tech‑Konzerne und Foren wie das Weltwirtschaftsforum in Davos werden dabei weiterhin Beachtung finden und könnten neue Impulse für die Marktentwicklung geben.