BlackRock, der weltweit größte Vermögensverwalter, korrigiert seine taktische Markteinschätzung. Das Unternehmen stuft US-Aktien von „übergewichten“ auf „neutral“ herab, während es US-Staatsanleihen von „neutral“ auf „übergewichten“ anhebt. Diese Anpassung signalisiert einen Strategiewechsel nach einer langjährigen Untergewichtung von Treasuries.
Sie spiegelt eine Neubewertung von Risiko und Ertrag im aktuellen makroökonomischen Umfeld wider. Die Entscheidung des BlackRock Investment Institute (BII) unterstreicht die gestiegene Attraktivität von Anleiherenditen und die zunehmende Volatilität am US-Aktienmarkt.
Taktische Neuausrichtung durch gestiegene Renditen
BlackRock begründet diesen Schritt primär mit den deutlich gestiegenen Renditen bei US-Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger Treasuries liegt aktuell bei rund 5,25 Prozent, ein Niveau, das zuletzt 2002 erreicht wurde. Dies entspricht einer Steigerung von etwa 110 Basispunkten in diesem Jahr.
Das BlackRock Investment Institute bewertet diese Entwicklung als Chance, attraktive Erträge zu sichern. Das Unternehmen hatte US-Staatsanleihen in den meisten der vergangenen sechs Jahre untergewichtet. Erstmals nahm BlackRock im Oktober 2020 eine Untergewichtung vor, als die 10-Jahres-Renditen bei etwa 0,9 Prozent lagen.
Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie bei BlackRock für Deutschland, die Schweiz, Österreich und Osteuropa, betont, dass die Anleiherenditen nun ein Niveau bieten, das zu einer Einschätzung eines strukturell höheren Zinsumfelds passt. Sie hebt hervor, dass insbesondere das kurze Ende der Zinskurve attraktiv erscheint. Hier könnten überzogene Erwartungen an weitere Zinserhöhungen am ehesten zurückgehen.
Gleichzeitig erfolgt die Herabstufung der US-Aktien auf „neutral“ aufgrund gestiegener Volatilität und makroökonomischer Unsicherheiten. Diese Volatilität beeinflussen unter anderem die Erwartungen rund um die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) und die politische Unsicherheit vor den bevorstehenden US-Zwischenwahlen. BlackRock sieht die Markterwartungen für zusätzliche Zinserhöhungen der Federal Reserve als überzogen an, was die Attraktivität kurz laufender Anleihen zusätzlich steigert.
Höhere Zinssätze differenzieren zudem zunehmend Unternehmen, die nachhaltig Gewinne und Renditen über ihren Kapitalkosten erzielen können, von jenen, denen dies nicht gelingt.
BlackRocks globale Reichweite und Finanzdaten
BlackRock verwaltet nach Angaben in der Berichterstattung über 15,3 Billionen US-Dollar und ist damit der weltweit größte Vermögensverwalter. Andere Quellen nennen rund 12,5 Billionen US-Dollar. Diese Zahl wurde in Berichten als in etwa der kombinierten Wirtschaftsleistung von Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Indien entsprechend bezeichnet.
Das Unternehmen ist bekannt für seine iShares-ETFs und die Technologieplattform Aladdin, die von zahlreichen Finanzinstitutionen genutzt wird.
Die jüngsten Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2025 zeigen höhere Gewinne und Zuflüsse trotz eines herausfordernden Marktumfelds. BlackRock meldete einen bereinigten Gewinn je Aktie von 12,05 US-Dollar, ein Anstieg von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr und über den Analystenschätzungen. Der Nettogewinn belief sich auf 1,59 Milliarden US-Dollar, während der Umsatz um 13 Prozent auf 5,42 Milliarden US-Dollar stieg.
Die Nettozuflüsse lagen bei 68 Milliarden US-Dollar. Ohne die Rücknahme eines asiatischen institutionellen Kunden von 52 Milliarden US-Dollar hätten die Zuflüsse 116 Milliarden US-Dollar betragen. Die Technologiedienstleistungserträge wuchsen um 26 Prozent auf 499 Millionen US-Dollar.
Laut Bericht entfielen Teile dieses Wachstums auf die Übernahme von Preqin. Die bereinigte operative Marge erreichte 43,3 Prozent. BlackRock-CEO Larry Fink betonte die starken Fundamentaldaten der Märkte und eine durch neue Technologien angetriebene dynamische Gewinnentwicklung.
Langfristige Perspektive versus taktische Anpassung
Die Reduzierung des Engagements in US-Aktien versteht BlackRock als taktisches Risikomanagement und nicht als grundlegende Abkehr von einer konstruktiven Einschätzung zur Künstlichen Intelligenz. BlackRock bleibt von der langfristigen transformativen Kraft der KI überzeugt und bevorzugt weiterhin KI-bezogene Unternehmen sowie börsennotierte Infrastrukturwerte. Dies bekräftigte auch Ann-Katrin Petersen und stellte klar, dass BlackRocks langfristige Überzeugung von KI als zentralem Treiber wirtschaftlicher Transformation unverändert bleibt.
BlackRock hatte in den vergangenen zwei Jahren eine Übergewichtung von US-Aktien empfohlen und positioniert sich nun defensiver. Die Prognose für das dritte Quartal 2026 sieht ein Wachstum der S&P-500-Gewinne um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr vor. Diese positive Gewinnentwicklung steht im Kontrast zur taktischen Herabstufung der Aktien und unterstreicht die differenzierte Betrachtung von kurzfristigen Marktrisiken und langfristigen fundamentalen Trends.
Das Unternehmen plant zudem, bis 2030 30 Prozent seiner Erlöse aus Private Markets und Technologie zu erzielen.
Ausblick und Implikationen für den Markt
Der Strategiewechsel BlackRocks sendet ein klares Signal an die Märkte. Die kurzfristige Zurückhaltung bei US-Aktien weist auf gestiegene Bewertungsrisiken und makroökonomische Unwägbarkeiten hin. Zugleich unterstreicht die Bevorzugung von US-Staatsanleihen deren gestiegene Attraktivität als Renditequelle.
BlackRock positioniert sich damit flexibel, um bei verbesserter Marktsichtbarkeit und attraktiveren Einstiegsgelegenheiten das Risiko wieder erhöhen zu können.
Marktbeobachter werden nun verfolgen, wie sich die Renditen von Staatsanleihen weiterentwickeln und ob andere große Vermögensverwalter dem Beispiel BlackRocks folgen. Die kommenden US-Zwischenwahlen und die weiteren Zinsschritte der Federal Reserve werden dabei eine Rolle spielen. Ebenso relevant ist die Entwicklung im Technologiesektor abseits der kurzfristigen Volatilität.







