James Seppala, Chairman von Blackstone Europe und Head of Real Estate Europe, blickt optimistisch auf den europäischen Immobilienmarkt. Blackstone gilt als der weltweit größte Gewerbeimmobilieninvestor. Trotz geopolitischer Unsicherheiten und eines herausfordernden makroökonomischen Umfelds sieht Seppala „compelling opportunities“ – überzeugende Gelegenheiten.

Blackstone fokussiert sich auf Sektoren mit robusten mittelfristigen bis langfristigen Mieternachfragetrends, die zunehmend institutionelles Investorenkapital anziehen.

Europas Immobilienmarkt belebt sich – Deutschland bleibt zentral

Blackstone beobachtet eine Belebung des europäischen Immobilienmarktes. Seppala, seit 2018 Head of Real Estate Europe, stellt fest, der Markt fasse „langsam, aber sicher wieder Tritt“. Die Bedeutung Europas für Blackstone hat nach seinen Angaben zugenommen, das Unternehmen setzt weiterhin Kapital in der Region ein.

Deutschland bleibt für Blackstone ein wichtiger Markt, auch wenn sich die Erholung dort schleppender gestaltet als in anderen Teilen Europas. Seppala erklärt, Deutschland werde nicht als „uninvestierbar“ betrachtet. Er verweist auf das Verständnis der Ursachen für die Wohnungsknappheit sowie die Notwendigkeit, das Angebot zu erhöhen.

Blackstone besitzt in Deutschland nach eigener Aussage kein „wirklich nennenswertes Wohnportfolio“ im Verhältnis zum Gesamtgeschäft. Folglich ist das Unternehmen von Debatten wie der Enteignungsdiskussion in Berlin nicht direkt betroffen. Zugleich betont Seppala die Bedeutung von Eigentumsrechten und einem klaren regulatorischen Rahmen; Immobilien stellen in der Regel langfristige Anlagen dar.

Gezielte Sektor- und Länderfokussierung

Die Investmentstrategie konzentriert sich auf sogenannte „high-conviction areas“ beziehungsweise „conviction sectors“. Dazu zählen insbesondere Logistik und Rechenzentren, die laut Blackstone langfristige Stabilität und starke Renditen bieten können. Blackstone investiert zudem in Londoner Büroflächen, Co-Working-Angebote, bezahlbaren Wohnraum und Last-Mile-Logistik.

Seppala merkt an, höherwertige Immobilien hätten in herausfordernden Phasen tendenziell besser abgeschnitten.

Frankreich beschreibt Seppala als relativen Outperformer in Europa. Das Land weist eine vergleichsweise niedrigere Inflation und einen hohen Zufluss ausländischer Direktinvestitionen auf. Blackstone möchte „absolut mehr in Frankreich machen“.

Belege für Aktivitäten in Frankreich sind der Erwerb des Pariser Geschäftszentrums Trocadéro für über 700 Millionen Euro sowie der Kauf der Proudreed-Plattform und ihres Industrieportfolios für 2,3 Milliarden Euro.

Neben Frankreich richtet Blackstone wieder mehr Kapital auf Nordeuropa und Großbritannien. Die nordischen Länder gelten in der Branche als einer der wichtigen europäischen Immobilienmärkte.

Investitionen trotz Unsicherheiten und die Bedeutung von Partnerschaften

Trotz geopolitischer Risiken und makroökonomischer Unsicherheiten investiert Blackstone weiterhin in große Volkswirtschaften wie die Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien. Seppala warnt vor „unbekannten Unbekannten“ wie Pandemien oder Konflikten und betont die Notwendigkeit, Geschäftsmodelle und Kapitalstrukturen widerstandsfähig zu gestalten.

Für die kommenden drei bis fünf Jahre rechnet Blackstone mit signifikanter Transaktionsaktivität. Diese wird angetrieben durch die Re-Equitisierung von Kapitalstrukturen und Deleveraging im veränderten Zinsumfeld. Blackstone Property Partners Europe (BPPE) sucht nach Partnern, um einen neuen Core-Plus-Fonds schneller einzusetzen.

Dabei bietet BPPE Flexibilität bei Beteiligungsgrößen, einschließlich Minderheitsbeteiligungen. Potenzielle Partnerschaften mit britischen börsennotierten Unternehmen, etwa bei Londoner Bürogebäuden, sind Teil der Überlegungen. Dies ist möglich, weil BPPE als permanentes Kapital niedrigere Renditen anstreben kann.

Blackstone hat zuletzt 10,6 Milliarden US-Dollar für europäische Immobilieninvestitionen eingesammelt.

Ausblick: Kapitalallokation und Marktentwicklung

Blackstone wird seine selektive Kapitalallokation in Europa fortsetzen. Das Unternehmen konzentriert sich auf Sektoren und Regionen mit soliden mittelfristigen bis langfristigen Aussichten. Mit umfangreichem Kapital, Branchenexpertise und einem Fokus auf zukunftsfähige Immobilien ist Blackstone gut positioniert für weitere Aktivitäten in Europa.

Die Entwicklung des Zinsumfelds und die politische Stabilität in Schlüsselmärkten werden die konkreten Schritte beeinflussen.