Die Krypto-Plattform Blockchain.com schaltet den Optionshandel für Privatkunden innerhalb ihres Handelskontos frei. Zum Start am 20. Oktober 2026 stehen Kontrakte auf sieben Krypto-Assets bereit: Bitcoin (BTC), Ethereum (ETH), Solana (SOL), Hyperliquid (HYPE), Avalanche (AVAX), XRP und TRON (TRX).
Das Angebot beschränkt sich vorerst auf ausgewählte internationale Märkte, während Kunden mit Wohnsitz in den USA ausgeschlossen bleiben. Mit diesem Schritt positioniert sich das 2011 gegründete Unternehmen mit Sitz unter anderem in Luxemburg gezielt für einen geplanten Börsengang in den Vereinigten Staaten im Jahr 2026.
Fokus auf einfache Struktur und feste Risikogrenzen
Das Produkt konzentriert sich auf Call- und Put-Optionen mit kurzen Laufzeiten von maximal einer Woche. Blockchain.com reduziert die Benutzeroberfläche auf drei Parameter: Zielpreis („target price“), Verfallsdatum („expiration date“) und Kapitaleinsatz („trade amount“). Aus diesen Vorgaben konstruiert die Anwendung den entsprechenden Kontrakt automatisch.
Sämtliche Transaktionen lauten auf den Stablecoin USD Coin (USDC) und erfordern eine vollständige Vorabdeckung. Ein physischer Besitz des zugrunde liegenden Basiswerts ist nicht erforderlich. Das Modell basiert auf einem reinen Kaufansatz („Buy-only“): Kunden erwerben ausschließlich Optionen, während das Emittieren oder Schreiben eigener Kontrakte ausgeschlossen ist.
Dadurch begrenzt sich der maximale finanzielle Verlust der Käufer auf die gezahlte Prämie zuzüglich Gebühren. Nachschusspflichten oder Liquidationsrisiken über den investierten Betrag hinaus entfallen vollständig.
Einmal eröffnete Positionen lassen sich vor dem offiziellen Abrechnungszeitpunkt weder verkaufen noch vorzeitig glattstellen. Anleger müssen die Kontrakte bis zum Verfall halten. Durch die kurzen Laufzeiten unterliegen die Positionen einem raschen Zeitwertverlust.
Taro Ugen, Vice President of Consumer bei Blockchain.com, begründet die Konzeption damit, dass die Plattform den Handelsprozess vereinfachen wolle, der sich auf etablierten Handelsplätzen für Privatanleger oft unübersichtlich präsentiere.
Derivate als Ertragshebel vor dem Börsengang
Der Start des Optionshandels folgt auf die Einführung unbefristeter Terminkontrakte (Perpetual Futures) im April, die Blockchain.com über die eigene DeFi-Wallet auf Basis der Hyperliquid-Infrastruktur integrierte. Zugleich flankiert der Schritt laufende Zulassungsanträge bei den Aufsichtsbehörden der USA. Das Management nutzt die Produkterweiterung, um die Monetarisierung der bestehenden Nutzerschaft zu forcieren und die Erlösquellen über das klassische Kassageschäft hinaus breiter aufzustellen.
Das Unternehmen verweist auf ein kumuliertes Transaktionsvolumen von mehr als 1,2 Billionen US-Dollar und über 94 bis 95 Millionen registrierte Wallets. Die Dienste sind nach Unternehmensangaben in mehr als 110 bis 150 Ländern zugänglich und unterstützen über 5.700 digitale Werte im dezentralen Finanzbereich. Vor dem Hintergrund eines branchenweiten Margendrucks erweisen sich reine Spot-Transaktionen zunehmend als ertragsschwach.
Entsprechend forciert die Unternehmensführung margenstärkere Derivate.
Für das Jahr 2026 strebt Blockchain.com ein Initial Public Offering an einer US-Börse an. Investorenkreise veranschlagen dabei eine Bewertung zwischen vier und sechs Milliarden US-Dollar. Um diese Bewertung vor institutionellen Anlegern zu rechtfertigen, muss die Plattform nachweisen, dass sie neben reinen Verwahrvolumina auch im Derivategeschäft mit Privatanlegern skalierbare Erträge erwirtschaftet.
Regulatorischer Drahtseilakt im US-Markt
Gleichwohl bleibt die regulatorische Fragmentierung eine zentrale Hürde für die globale Expansion. Das aktuelle Optionsangebot besitzt keine Lizenz für den US-Markt, weshalb der Zugang auf berechtigte Nutzer in ausgewählten internationalen Regionen begrenzt bleibt. Im Vereinigten Königreich ist die operative Gesellschaft Blockchain.com Operations (UK) Limited nach Unternehmensangaben bei der Finanzaufsicht FCA als Krypto-Asset-Unternehmen unter Einhaltung der Geldwäscherichtlinien registriert (FRN 1036678).
Parallel dazu treibt das Management die offizielle Expansion im US-Heimatmarkt voran. Am 13. Oktober 2026 reichte Blockchain.com bei der US-Derivateaufsicht CFTC Anträge ein, um die Zulassungen als Futures Commission Merchant sowie als Designated Contract Market zu erlangen.
Erteilen die Behörden die Genehmigung, darf das Unternehmen künftig regulierte Futures, Optionen und Kontrakte für Prognosemärkte sowohl für institutionelle Akteure als auch für Privatanleger in den USA bereitstellen. Marktbeobachter interpretieren diesen Vorstoß als Signal, dass sich Blockchain.com von unregulierten Offshore-Strukturen distanzieren will. Wie rasch die CFTC das Zulassungsverfahren abschließt, dürfte den Zeitplan für das geplante Börsendebüt maßgeblich beeinflussen.







